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Haben sich einen abgeschleppt: Zwei Weihnmachtsfans in Bayern tragen ihren Schatz nachhause. CHRISTOF STACHE/AFP

Baumkauf

Teure Tanne

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Im Krisenjahr ist der heimelige Weihnachtsbaum besonders gefragt. Das hebt den Preis – und schadet auch dem Klima. Es gibt allerdings „grüne“ Alternativen zum konventionell geschlagenen Bäumchen.

Die Adventszeit ist da. Für die Weihnachtsbaum-Verkäuferinnen und -Verkäufer beginnt die Saison. Familien ziehen los, um den schönsten Baum fürs Wohnzimmer zu erstehen – an Ständen in der Stadt, am Baumarkt, selbst im Wald oder per Internet-Bestellung. Corona könnte die Tradition beflügeln, da mehr Menschen als in normalen Jahren zu Hause bleiben werden, sämtliche Urlaubsreisen fallen ja praktisch flach.

„Viele werden das Familienfest diesmal besonders schön gestalten wollen“, glaubt zumindest Martin Rometsch, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger. So mancher, der zuletzt auf den Baum im Wohnzimmer verzichte habe, werde diesmal sicher umdenken, sagte er der FR. Allerdings würden größere Dekobäume, etwa wegen abgesagter Weihnachtsmärkte, wohl weniger nachgefragt werden.

Die Bäume sind diesmal teurer als im vergangenen Jahr, vor allem bei höheren Qualitäten. Hauptgrund: die höheren Kosten wegen der Krise, sowohl bei der Ernte als auch beim Verkauf. Es kamen weniger Erntehelferinnen und Erntehelfer aus Osteuropa, man konnte weniger Personal in den Unterkünften unterbringen, alle mussten auf Corona getestet werden.

Für die Verkaufsstände gelten Hygienekonzepte, es braucht größere Verkaufsflächen, mehr Personal, Handdesinfektionsstationen. Hinzu kommt, dass die Nadelbäume in den Plantagen in einigen Regionen unter der Frühjahrs- und Sommertrockenheit litten, in anderen wiederum unter Staunässe. Und dann gab es Mitte Mai noch einen Spätfrost, der viele Neupflanzungen dahinraffte.

Der beliebteste Weihnachbaum, die Nordmanntanne, wird in diesem Jahr 20 bis 27 Euro pro laufendem Meter kosten, 2019 waren es noch 18 bis 23 Euro. Bei Blautannen fallen zwischen zwölf und 16 Euro an, bei Fichten zwischen neun und zwölf Euro. Dabei liegen die Weihnachtsbaum-Preise in den größeren Städten meistens höher aus als auf dem Land.

Im Trend liegen Weihnachtsbäume aus regionalem Anbau und das Selber-Schlagen im Forst nebenan – etwa 30 Prozent der Käuferinnen und Käufer bedienen sich hier. Wer darauf Wert legt, dass der Baum aus der Region kommt, kann sich an speziellen Herkunftssiegeln orientieren. Generell stammen rund 90 Prozent der hierzulande angebotenen Bäume aus Deutschland, vor allem aus Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Der Rest, vor allem die preiswertere Ware in Baumärkten oder Gartencentern, kommt aus Nachbarländern wie Dänemark. Inzwischen gibt es aber auch einen Trend zur Online-Bestellung. Laut dem Digitalverband Bitkom bestellen einer Umfrage aus dem letzten Herbst zufolge rund zehn Prozent der Kundschaft ihren Baum im Netz, 18 Prozent konnten sich vorstellen, das künftig zu tun. Bei Bedarf kommt er dann sogar schon geschmückt ins Haus.

Auch die Öko-Weihnachtsbäume sind vermehrt auf dem Markt zu finden. Laut der Umweltorganisation Robin Wood gibt es inzwischen bundesweit über 800 Verkaufsplätze, vor sechs Jahren waren es erst gut 100 gewesen.

Trotzdem ist der Marktanteil der „grünen“ Bäume noch gering, die von Betrieben mit Ökosiegeln wie Naturland, Biokreis oder FSC angeboten werden. „Bestenfalls 0,5 Prozent“ der rund 28 Millionen Exemplare, die pro Jahr hierzulande verkauft werden, schätzt Robin Wood. Die meisten Öko-Verkaufsstellen gibt es in Bayern und NRW, jeweils mehr als 150

Die Normalware sehen Umweltschützerinnen und Umweltschützer sehr kritisch. Die meisten dieser Bäume stammten aus Plantagen, die gedüngt und mit Pestiziden gespritzt würden. Das sei eine „enorme Belastung für Böden, Gewässer und Tiere“. Dabei gehe es auch anders, wie das Öko-Angebot zeige. Umstritten ist ohnehin, wie sich die Weihnachtsbaum-Tradition auf die Klimabilanz auswirkt. Der Produzenten-Verband wirbt damit, dass jeder Hektar Weichnachtsbaum-Kultur in zehn Jahren 145 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid speichere und 100 Tonnen Sauerstoff produziere.

„Richtig ist: Mehrjährige Kulturen speichern mehr Kohlenstoff als jährlich abgeerntete Agrarflächen. Würde auf derselben Fläche aber ein richtiger Wald wachsen, wäre die CO2-Speicherfähigkeit um ein Vielfaches größer“, sagt Robin-Wood-Experte Rudolf Fenner. Die Bäume aus Weihnachtsbaum-Kulturen werden nach acht bis zwölf Jahren eingeschlagen, und das gespeicherte CO2 gelangt dann über kurz oder lang wieder in die Atmosphäre, so der Grund.

Deswegen meint Fenner: „Der beste Weihnachtsbaum ist der, der nicht geschlagen wird.“ Viele Menschen wollten auf das „Seelenfutter“, das das Grün im Wohnzimmer bringe, nicht verzichten – das sei ok, gerade in Corona-Zeiten. „Aber wenn ein Baum, dann möglichst ein Öko-Baum.“ Für Regionen, wo der nicht zu finden ist, hat Robin Wood diesen Tipp: Kein Bäumchen kaufen, sondern etwa aus wintergrünen Zweigen ein schönes Weihnachtsgesteck zusammenzustellen.

Eine Liste mit Verkaufsstellen von Öko-Weihnachtsbäumen finden Sie etwa unter robinwood.de/weihnachtsbäume

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