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Teuer macht sauer

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Von: Klaus Ehringfeld

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In Mexiko explodieren die Preise für Zitronen und Limonen

Die Menschen in Mexiko und die Zitrone, das ist eine intensive, nahezu sinnliche Verbindung. Die Zitrusfrüchte sind aus den täglichen Mahlzeiten nicht wegzudenken. Die sorgsam geviertelten Zitrusfrüchte sind vielen Menschen wichtiger als das Salz in der Suppe: Sie werden über gefüllten Maisfladen ausgedrückt, über rohem Gemüse, der Suppe, dem Mineralwasser und Tequila, sie kommen ins Bier und das Alsterwasser und natürlich reichlich in die Avocadocreme Guacamole. In Mexiko wird der Limonensaft sogar über Eis und Süßigkeiten geträufelt. Und die Schamanen schwören, dass es kaum ein besseres Heilmittel gibt, als Honig und Limonen zu kombinieren.

In einem Jahr verdreifacht

Kein Wunder, dass die Obstverkäufer:innen in Mexiko-Stadt sagen: „Für uns Mexikaner ist es unmöglich, auf Zitronen zu verzichten“. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch ist mit 15,1 Kilo wesentlich höher als etwa der von Avocados (8,1 Kilo), dem anderen Grundnahrungsmittel. Allerdings wird in diesen Breiten nicht die dicke gelbe Zitrone, sondern die grüne kleine Limone bevorzugt.

Aber so lieb wie der Bevölkerung die Limonen sind, so teuer sind sie ihnen im Moment auch. Nach staatlichen Angaben hat sich der Preis innerhalb eines Jahres fast verdreifacht und allein im Januar stieg er um fast 70 Prozent. Inzwischen kostet das Kilo der Früchte knapp vier Euro. Und so hat die Limonen-Krise etwas von einem nationalen Notstand.

In der Folge fürchten die Menschen einen weiteren Anstieg der Preise mehr noch als die Explosion der Omikron-Fälle. In Nachrichtensendungen, Talkrunden und den heiß laufenden sozialen Netzwerken geht es nur um eineFrage: Warum ist unser Grundnahrungsmittel plötzlich so teuer?

Auch hier spielt die Organisierte Kriminalität eine Rolle. Im Hauptanbaugebiet im Bundesstaat Michoacán haben schon lange die Kartelle das Sagen. Sie zwingen die Erzeuger, zu den von ihnen festgelegten Preisen an sie zu verkaufen. Zudem verlangen sie Schutzgeld für den Transport der Limonen an die Großmärkte. Inzwischen haben viele Bauern aufgegeben. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels wie ungewöhnliche Nachtfröste und intensive Regenfälle, die zu Ernteverlusten führten. Letztlich verdoppelten sich auch die Düngemittelpreise in weniger als einem Jahr.

Für all jene, die an Straßenständen Maisfladen verkaufen, sind die Preise eine Gratwanderung: Weniger Zitronen? Oder weniger verdienen? „Wir wollen die Limonen nicht limitieren, weil sie für die Menschen unverzichtbar sind“, sagt ein Taco-Bruzzler. „Aber jetzt kostet ein Kilo genauso viel wie ein Kilo Fleisch. Da verdienen wir praktisch nichts.“

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