Im vergangenen Jahr verspeisten die Tennisfans 1,9 Millionen Erdbeeren.
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Im vergangenen Jahr verspeisten die Tennisfans 1,9 Millionen Erdbeeren.

Großbritannien

Tennisfans, jetzt gibt’s Kuchen!

  • vonKatrin Pribyl
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Sie gehören zu Wimbledon wie der heilige Rasen. Nach der Absage bleibt die Frage: Wohin mit 38 Tonnen Erdbeeren?

Sie wurden bereits im Juli 1877 serviert und als Boris Becker 1985 in Wimbledon zum 17-jährigsten Leimener aller Zeiten wurde, ergo das Turnier gewann, futterten die Zuschauer als Pausen-Snack ebenfalls Erdbeeren. Das Schälchen Früchte mit Sahne gehört zu der legendären Veranstaltung im Südwesten Londons wie der auf acht Millimeter getrimmte heilige Rasen.

Im vergangenen Jahr verspeisten die Tennisfans – eine halbe Million Besucher – 191.930 Portionen und damit 1,9 Millionen Erdbeeren, außerdem 7000 Liter Sahne. Dazu betrinken sich die Fans mit Pimm’s, dem insularen Sommerdrink aus Gin, Wasser, Zucker und Zitronensaft. Um die Erdbeeren für den berühmten Snack so frisch wie möglich anzubieten, werden die Früchte in den frühen Morgenstunden des selben Tages gepflückt, so dass sie stets um 9 Uhr auf dem Wimbledon-Gelände ankommen. Was passiert nun, da das Turnier vom Veranstalter All England Lawn Tennis and Croquet Club aufgrund der Krise erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg abgesagt wurde?

Eigentlich hätten die Matches der Hauptfelder am 29. Juni beginnen sollen. Die Stecklinge waren auf dem gut 70 Kilometer entfernten Hof bereits in der Erde, als die Absage am 1. April öffentlich gemacht wurde. Und nun sitzt die Bäuerin Marion Regan der Hugh Low Farms auf rund 38 Tonnen der süßen und großen Erdbeeren, die in der Regel in „Beckers Wohnzimmer“ geliefert werden.

Die Farm versorgt seit 25 Jahren die Fans des prestigeträchtigsten der vier Grand-Slam-Turniere im Südwesten Londons, bei dem sich der Ruhm nicht nur aus sportlichen Höchstleistungen, sondern auch aus dem speist, was abseits der Courts passiert. Nirgends wird Tradition so hochgehalten und gefeiert. Nirgends ist der Briten liebstes Hobby, das Schlangestehen, schöner zu beobachten als hier. Und nirgends kann man vermutlich solch überteuerte Erdbeeren erstehen.

Nun gehen die reifen Früchte unter anderem an Supermärkte, Farmläden und unabhängige Geschäfte. Daneben will die Firma England Preserves 750 Kilogramm der Wimbledon-Erdbeeren übernehmen und daraus nach einem einfachen Rezept hausgemachte Marmelade kochen. Erdbeeren, Gelierzucker, Zitronensaft – fertig. Das Gute für alle Tennisfans, die dieses Jahr schweren Herzens auf das Event verzichten müssen: Die Marmelade soll dann auch für den Victoria Sponge benutzt werden, den der kleine Betrieb ebenfalls herstellt. Bei dem Erdbeerkuchen handelt es sich um den englischen Klassiker zur Tea Time, der nach Queen Victoria benannt wurde. Die Füllung aus Buttercreme oder Schlagsahne und Erdbeermarmelade liegt zwischen zwei Schichten Biskuitboden.

Wimbledon-Begeisterte müssen also auch in diesem Jahr nicht auf ihre originalen Erdbeeren verzichten– immerhin ein kleiner Trost und vor allem ein leckerer Vorgeschmack aufs nächste Jahr.

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