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Es ist vorbei, bye, bye, bye …

Telefonzellen

Die Münzen, der Schlitz, das Ende

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Wer braucht schon noch eine Telefonzelle? In Deutschland jedenfalls werden sie kontinuierlich demontiert. Aber bloß nicht traurig sein: Interessierte können sich ein ausgedientes Exemplar nachhause holen.

Wer früher Ferngespräche führen wollte, der musste viel Bargeld mitbringen – jedenfalls wenn er in einer Telefonzelle stand. Dies galt umso mehr, wenn er sich im Ausland aufhielt und, sagen wir während eines Interrail-Urlaubs, schnell mal den Eltern Bescheid sagen wollte, dass er noch lebt. Da ratterten die Münzen durch den Apparat. Auch gab es den im Zeitalter der allgemeinen akustischen Belästigung völlig absurd erscheinenden Werbespruch: „Ruf doch mal an!“

Wichtig waren die Telefonzellen bei medizinischen Notfällen – und der Wohnungssuche. Da standen Studenten und andere Bedürftige bisweilen Freitagabend vor den Zeitungsausgabestellen, um im Anzeigenteil eine erschwingliche Immobilie zu erspähen. Und Verwandte oder Freunde blockierten indes eine Zelle für den fälligen Anruf beim Vermieter. Alles vorbei.

Alles vorbei? Nicht ganz. Angesichts von Smartphones und der Tatsache, dass man selbst in Kirchen vor Telefongesprächen und Selfies nicht mehr sicher ist, ist die Zahl der Zellen in Deutschland zwar drastisch gesunken. 1992 betrieb die Telekom 120 000 der einst durchweg gelben Häuschen, wie ein Sprecher des Unternehmens mitteilte. 2006 gab es noch 110 000 öffentliche Münz- und Kartentelefonstellen, wie das Statistische Bundesamt sie nennt, und 2017 lediglich 23 000.

Telefonzelle ist eine aussterbende Art

Jetzt sind es laut Telekom nur noch 17 000. Das sind kaum mehr als 14 Prozent des ursprünglichen Bestandes. „Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens einen Hausanschluss und ein Handy“, sagt der Telekom-Sprecher. „Die Notwendigkeit für öffentliche Telefonzellen hat dementsprechend abgenommen.“ Einerseits.

Andererseits sind 17 000 Telefonzellen nach wie vor noch eine beachtliche Menge, wenn man sich vor Augen führt, dass sogar die Digitalisierung von Senioren längst unaufhaltsam voranschreitet. Es gibt der Telekom zufolge denn auch „immer noch Orte mit einer hohen Nutzung, etwa Flughäfen oder Bahnhöfe“.

Das wiederum ändert nichts daran, dass die Telefonzelle zu den aussterbenden Arten zählt. Wer möchte, kann sich aber eine alte Zelle kaufen. Je nach Typ und Zustand kosten sie 600 Euro und mehr; die Kosten für den Transport kommen noch obendrauf. Dabei sind die berühmten gelben Exemplare längst vergeben. Was die Telekom nicht verkaufen kann, schlachtet sie aus.

Wem angesichts dessen das Herz schwer wird, der kann gegensteuern. Eine Zelle, die monatlich weniger als 50 Euro einspielt, gilt nämlich nach Einschätzung der Telekom als „extrem unwirtschaftlich“ und als Beleg dafür, dass „der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht“. Das gute Stück kann dann im Einvernehmen mit der Stadt, in der sie klaglos ihren Dienst versieht, einfach demontiert werden.

Also: Lieber mal ne Münze reinschmeißen in den alten Apparat, der nicht mehr so kann, wie er will! Er wird es Ihnen danken.

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