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Tel Aviv geht gegen E-Scooter vor – Falsches Verhalten kann schnell teuer werden

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Tel Aviv geht gegen E-Scooter vor. Die Polizei hat 2019 schon mehr als 9000 Strafzettel an E-Scooter-Fahrer verteilt. Tendenz steigend. 

Tel Aviv - Die Warnungen kamen über Nacht: „Fahren auf dem Bürgersteig verboten! Strafe: 250 Schekel“. So stand es in riesigen weißen Buchstaben auf dem Bürgersteig der Ben-Yehuda-Straße im Zentrum Tel Avivs. Und nicht nur hier. Fast ein Jahr nachdem der erste Scooter-Verleihdienst seine Dienste angeboten hatte, tauchten überall in der Stadt aufs Pflaster gemalte Botschaften auf. Als habe man beschlossen, dass es so nicht weitergeht, dass man Regeln braucht. Nun doch.

In Israel, muss man wissen, dem winzigen Sonnenstaat im Nahen Osten, wird das Verkehrsverhalten oft eher vom Bauch als von Paragrafen bestimmt, funktioniert auf wundersame Weise aber trotzdem irgendwie. So war es wohl auch diesmal gedacht: Statt lange im Voraus das Für und Wider, die Chancen und Gefahren der neuen Verkehrsmittel abzuwägen, wurden sie einfach zugelassen und eroberten Tel Aviv im Handumdrehen. Junge Leute, flaches Land, eine herrliche Strandpromenade, Parkplatzmangel, kein öffentlicher Nahverkehr am Schabbat und an religiösen Feiertagen – kein anderer Ort scheint so geeignet für ein Gefährt, das man mit einer Handy-App am Straßenrand auflesen und einfach irgendwo wieder abstellen kann.

Mit Flipflops und Surfbrett auf dem E-Scooter – Leih-Roller werden ins Meer geworfen

Wagemutige Rollerfahrer schlängeln sich an Autos, Rädern, Passanten vorbei, Paare in Badebekleidung, eng umschlungen, an den Füßen Flipflops, in der Hand Smartphones, manchmal auch ein Surfbrett. Leih-Roller liegen am Straßenrand, quer über den Gehwegen oder werden einfach ins Meer geworfen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. 

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Die Statistik – zu der auch E-Bikes gehören – zählt 19 Todesfälle im Jahr 2018, aber erst nach dem Tod eines Regisseursohnes durch einen E-Bike-Unfall und der Schädelverletzung eines israelischen Models beim Scooter-Crash wurde im Januar dieses Jahres ein Bußgeldkatalog eingeführt. Fahren mit Telefon in der Hand: 250 Euro, Fahren auf dem Bürgersteig: 60 Euro, Fahren mit zwei Kopfhörern in den Ohren: 60 Euro.

Lösung des Problems mit E-Scootern ist in Tel Aviv nicht in Sicht

9000 Strafzettel verteilte die Polizei alleine in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Als das nicht viel half, wurden die Vorschriften ergänzt – Helmpflicht, Führerschein, Parken nur in vorgegebenen Zonen und mindestens zwei Meter von Bushaltestellen entfernt. Die Stadtverwaltung ließ die Gehwege beschriften und drohte den Mietfirmen mit Konsequenzen. Vor wenigen Tagen verschickte der Scooter-Verleiher „Bird“ Mails in ungewohnt ernsthaftem Ton an ihre Nutzer: Nur bei Einhaltung der Regeln könne die Mitgliedschaft fortgesetzt werden. Die wichtigste: Fahre nicht auf dem Bürgersteig!

Das ist leicht gesagt. In Tel Aviv gibt es kaum Radwege, und auf den Straßen zu fahren, ist nur am Schabbat eine Alternative, wenn die Autos stehen gelassen werden. Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht. Die Stadtverwaltung schiebt die Schuld auf die Autofahrerlobby. Die Autofahrer sind von den Rollerfahrern genervt. Und die Rollerfahrer machen weiter wie bisher, hoffen, dass die Polizei mit ihren Kontrollen nicht hinterherkommt oder nehmen eine Geldstrafe eben einfach in Kauf.

Von Anja Reich

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