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Süß, aber unbeliebt: Für unvernetzte Tierchen können sich viele Kinder nicht mehr begeistern.

Smart Toys

Big Teddy is watching you

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Bedrohung mit Plüschohren: Auf so gut wie jedem Wunschzettel steht dieses Jahr ein Smart Toy. Internetfähige Plüschtiere sind allerdings oft leicht zu hacken. Und plötzlich hört das Kuscheltier alles mit.

Seit drei Jahren veröffentlicht McAfee als Anbieter für Cybersicherheit im Internet eine Hitliste der am leichtesten hackbaren Geschenke. An der Spitze stehen dabei traditionell Computer und Smartphones. Stark im Kommen sind aber Drohnen, digitale Assistenten wie Fitnesstracker und in diesem Jahr besonders vernetzte Kinderspielzeuge, die sich mittlerweile auf Rang vier dieser Negativskala geschoben haben. Das liegt vor allem daran, dass sich dieses Jahr fast 90 Prozent aller Kinder vernetztes Spielzeug wünschen, hat McAfee in einer Umfrage unter Eltern herausgefunden.

Schnuffi sagt weiter, ob Mama und Papa zu Hause sind

Dabei hat über ein Drittel der Befragten angegeben, gar nicht genau zu wissen, was ein sogenanntes Smart Toy, also intelligentes Spielzeug, eigentlich ist. Schenken wollen sie es trotzdem. McAfee ist allerdings nicht die erste warnende Stimme.

Auch die Stiftung Warentest hat Smart Toys schon mit erschütternden Erkenntnissen unter die Lupe genommen. Zudem warnen das Forschungszentrum der EU-Kommission in einer Studie vor internetfähigem Spielzeug und in den USA sogar die Bundespolizei FBI. Sogenannte „Cloud Pets“, also internetfähige Plüschtiere, seien in der Lage, Sprachnachrichten nicht nur abspielen sondern auch aufnehmen und versenden zu können.

In Deutschland stuft sie die Bundesnetzagentur deshalb als versteckt sendefähige Anlagen ein und hat sie in einem Fall in Form der Puppe „My Friend Cayla“ diesen Februar aus dem Verkehr ziehen lassen. Das gilt aktuell auch für „smarte“ Kinderuhren mit Abhörfunktion für Fünf- bis Zwölfjährige, die im Internet angeboten werden. Über sie kann man per Smartphone den Uhrenträger und seine Umgebung belauschen. Die Bundesnetzagentur fordert die Vernichtung gekaufter Smartwatches.

Vernetzten Spielwaren gemein ist, dass sie vielfach über Spracherkennung, Mikrophone und Kameras, Sensoren und Speicher verfügen, die teils auf Dauerbetrieb geschaltet sind, also ihre digitalen Augen und Ohren im Kinderzimmer – und nicht nur dort – ständig weit offen haben. Wirklich problematisch wird das, wenn der süße Plüschbär über unsichere Funkverbindungen verfügt, also von außen per Smartphone abgehört werden kann, was nach Prüfungen der Stiftung Warentest keine isolierte Ausnahme ist.

Dann könne man beispielsweise aus Nachbarwohnungen Kinder per Spionage-Teddy abhören und sie ausfragen, bedrohen oder zu sich locken, stellt Warentester Martin Gobbin klar. Hacker könnten ein Internet-Spielzeug auch fragen lassen, ob die Eltern gerade zu Hause sind. Die Antwort des Kindes würde online weitergegeben. Manches getestete Spielzeug verlange für eine drahtlose Verbindung nicht einmal ein Passwort oder einen Pincode, bemängeln die Warentester. Technischer Aufwand sei für eine solche Aktion also nicht nötig, weil Hersteller in ihren internetfähigen Spielsachen vielfach gar keine Sicherheitssoftware installieren und das vom Gesetzgeber bislang auch nicht gefordert wird.

Nachträglich lassen sich die Spielzeuge nicht sichern

Dazu kommt, dass die Apps, über die sich Roboter und andere Smart Toys fernsteuern lassen, die Geräte-ID des steuernden Smartphones erfassen und Nutzerdaten an Drittfirmen übertragen, die auf Datenanalysen oder Werbung spezialisiert sind. Daten und Gespräche werden teils auch via Internet an Server der Anbieter verschickt und das bei oft ungesicherten Verbindungen.

Die meisten Kinder bekämen mittlerweile im Alter zwischen sieben und neun Jahren ihr erstes digital vernetztes Spielzeug, betonen die Spezialisten von McAfee. Das sei ein Alter, in dem kein Kind verantwortlich mit selbsterzeugten Daten umgehen kann. Sicherheitstechnisch wie Computer oder Smartphone nachrüsten könnten Verbraucher internetfähiges Spielzeug mangels Schnittstelle oder spezieller Sicherheitssoftware auch nicht, ergänzen die Experten von Stiftung Warentest. Einzige Lösung: Keine Smart Toys kaufen, dann bleiben Einfallstore geschlossen.

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