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Palu ist zerstört - über die umliegenden Dörfer ist wenig bekannt.

Tsunami auf Sulawesi

Tausende Menschen werden noch vermisst

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Zu Wochenbeginn ist die Lage nach dem Erdbeben und dem Tsunami auf Sulawesi chaotisch. Die Überlebenden haben Hunger und Durst, die Regierung scheint überfordert.

Sie überstanden das furchtbare Erdbeben und den überraschenden Tsunami. Erst suchten die Überlebenden in den Trümmern der indonesischen Küstenstadt Palu nach Verwandten und Freunden. Seit Montag regiert verzweifelter Hunger und Durst.

Bewohner der Stadt plünderten die Vorräte funktionierender Supermärkte und durchkämmten die Ruinen von kleinen Geschäften. Denn am dritten Tag nach der Katastrophe vom Freitagabend konnten nur wenige Flugzeuge auf dem beschädigten Flughafen der Stadt landen. Die Maschinen brachten vorwiegend Helfer und Soldaten. Auch Staatspräsident Joko Widodo reiste an.

„Unsere oberste Priorität muss sein. die Versorgung der Überlebenden zu sichern“, erklärte der Regierungschef. Aber nachdem die Behörden am Freitag bei der Warnung vor dem Tsunami versagten und zu früh Entwarnung gaben, scheint Jakartas Regierung nun angesichts des Ausmaßes der Katastrophe überfordert.

Im Rest der 220 Millionen Einwohner zählenden Nation mit rund 17 000 Inseln mag die Visite von Widodo, der sich im kommenden Jahr für eine zweite Amtszeit wiederwählen lassen will, gut anzukommen. In Palu war der Auftritt seiner Delegation auf dem beschädigten Flughafen von entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen begleitet.

Nach den ersten 72 Stunden des Schreckens und der Suche in den Trümmern wird die Versorgungslage der Überlebenden zunehmend prekärer. Viele der 744 vom Erdbeben und dem Tsunami zerstörten Dörfer im Katastrophengebiet von Zentral-Sulawesi und weiteren 95 im benachbarten West-Sulawesi sind bislang auf dem Landweg kaum zu erreichen. Schiffe und Boote gelangen lediglich zu Ortschaften in Küstennähe. 

Die Helfer, die Palu mittlerweile erreicht haben, wissen wiederum nicht, wo ihnen der Kopf steht. Die Leichen von mehr als 1200 Opfern in der Trümmerwüste der Stadt, die sich vor den Krankenhäusern neben Patientenbetten und Operationsräumen unter freiem Himmel stapeln, werden seit Montag in Massengräbern beigesetzt. Viele der Opfer wurden nicht identifiziert. 

Inzwischen mehren sich Nachrichten über Erdrutsche aus den Gebieten . Im Süden von Palu werden im Petobo-Distrikt 2000 Menschen vermisst, seit ihre Häuser rund zehn Kilometer von der Küsten entfernt verschüttet wurden. Auch im Westen von Palu sollen komplette Dörfer verschwunden sein. In sozialen Medien zirkulierte ein Video, dass einen Erdrutsch im Dorf Jono Oge im Sigi-Distrikt zeigen soll.

„Die Erde kam in Wellen auf uns zu“, schilderte der 45jährige Yusuf Hamin gegenüber der indonesischen Tageszeitung „Jakarta Post“ die Schlammlawine in seinem Dorf. Er konnte sich mit seinen Kindern und seiner Ehefrau retten. Doch von vielen Verwandte fehlt seit Freitag jede Spur. 

Die Behörden sprechen gegenwärtig von insgesamt 16.800 Vermissten. die meisten von ihnen dürften ums Leben gekommen sein. Doch diese Zahlen beziehen sich auf Palu und die nähere Umgebung. Über weiter entfernt liegende Dörfer ist wenig bekannt. Die furchtbare Gewalt der Katastrophe wird an einer anderen Zahl deutlich. Demnach gab es in Palu nur 540 Verletzte, deutlich weniger als Opfer. 

Inzwischen wird auch klar, warum am Freitag keine Warnsirenen ertönten, um Küstenbewohner vor dem Tsunami zu retten. Viele der Bojen funktionieren bereits seit sechs Jahren nicht mehr, melden australische Medien. Der Grund: es gab kein Geld mehr. US-Wissenschaftler wiederum berichten, sie hätten im vergangenen Jahr ein Warn-Projekt für Sulawesi einmotten müssen, weil sich Indonesiens Behörden nicht über Zuständigkeiten einigen konnten.

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