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Jeder Jeck ist anders: Narrenkappe mit hebräischen Schriftzeichen. 

Karneval

Tausche Kippa gegen Narrenkappe

Schon einmal gab es in Köln einen jüdischen Karnevalsverein – bis ihn die Nationalsozialisten nach ihrer Machtergreifung auflösten. Nun will eine Gruppe diese Tradition wieder auflegen lassen.

Das Lied vom „Hämmchen“ gehört zu den Lieblingssongs, mit denen der kölsche Sänger Philipp Oebel regelmäßig im Karneval auftritt. Doch für seinen Einsatz bei den „Kölschen Kippa Köpp“, dem bislang bundesweit einzigen jüdischen Karnevalsverein, strich der Mundartsänger das Loblied auf das rheinische Schweins-Haxen-Gericht aus seinem Repertoire. „Das Lied in einer Synagoge zu singen, kam für mich nicht infrage“, sagt Oebel.

Zwingend notwendig gewesen wäre diese Rücksichtnahme aber nicht, sagt der Vorsitzende der „Kölschen Kippa Köpp“, Aaron Knappstein. „Wir unterscheiden uns im Karneval nicht groß von anderen Vereinen.“ Wie überall in der Domstadt wurde bei der ersten öffentlichen Veranstaltung des jungen Vereins Anfang Januar zu kölschen Liedern geschunkelt.

Sogar die Blauen Funken, eine der ältesten Kölner Karnevalsgesellschaften, marschierten mit ihrem Tanzmariechen auf. Ein paar Besonderheiten gab es aber doch: Zum Kölsch servierten die „Kippa Köpp“ Falafel statt rheinischer Hausmannskost wie Hämmchen und Bratwurst. Und die rund 200 Gäste mussten am Eingang zur Synagoge eine Sicherheitsschleuse passieren.

Die Sicherheitslage sei vor dem karnevalistischen Frühschoppen in der Kölner Synagoge besprochen worden, sagt Knappstein. „Aber das Thema hat die Veranstaltung nicht bestimmt.“ Die Stimmung sei gut gewesen, bestätigt Philipp Oebel: „Mir hat die herzliche Atmosphäre bei den ‚Kippa Köpp‘ besonders gut gefallen.“

Der Anstoß zur Gründung des jüdischen Vereins, der im vergangenen Jahr erstmals an die Öffentlichkeit trat, sei von höchster karnevalistischer Stelle gekommen, berichtet Knappstein. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festausschusses des Kölner Karnevals, habe jüdische Karnevalisten darauf angesprochen, die Tradition des jüdischen Kölner Karnevals wieder aufleben zu lassen.

Denn vor der Machtübergabe an die Nationalsozialisten gab es mit dem „Kleinen Kölner Klub“ schon einmal einen jüdischen Karnevalsverein. Die „Kölschen Kippa Köpp“ sähen sich also auch in der Tradition dieses Vereins, der von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde, sagt Knappstein.

Dabei gehe es nicht um Abgrenzung. „Wir wollen gar nichts Spezielles sein“, erklärt der Vereinsvorsitzende, der wie einige andere Gründungsmitglieder bereits seit vielen Jahren im Kölner Karneval aktiv ist. Vielmehr könne der Verein durch das gemeinsame Feiern von Juden und Menschen anderer Religionen auch zum gegenseitigen Verständnis beitragen. Auch Nicht-Juden steht die Mitgliedschaft offen.

In eine ähnliche Richtung denken die beiden Düsseldorfer Ataman Yildirim und Amit Marcus. Der Muslim und der Jude gründeten im vergangenen Jahr die Interessengemeinschaft „Orient-Okzident-Express“, die nach ihrem Willen bald zum Verein werden soll. „Wir sind eine interkulturelle und interreligiöse Gruppe“, erklärt Yildirim. „Die Botschaft des Karnevals ist Vielfalt. Jeder Jeck ist anders.“

Der Karneval sei für ihn deshalb gelebte Integration, sagt der Pädagoge, der seit vielen Jahren in der Migrationsarbeit tätig ist. Allerdings gebe es für Migrantinnen und Migranten sowie Menschen verschiedener Minderheiten wie etwa Homo- oder Transsexuelle oft Hemmschwellen, wenn es darum gehe in traditionellen Karnevalsgesellschaften aktiv mitzumischen.

„Deshalb möchten wir einen Verein gründen, in dem diese Menschen andocken können.“ Aber auch sie wollen keinen Sonderstatus. „Wir wünschen uns Vernetzung mit anderen Vereinen“, so Yildirim. „Wir machen jetzt diesen Schritt in die Karnevals-Galaxie und würden uns über Einladungen von anderen Vereinen freuen.“

Im Düsseldorfer Rosenmontagszug ist die Multi-Kulti-Karnevalsinitiative schon dabei. Yildirim und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter fahren auf dem „Toleranzwagen“, natürlich zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern der Muslime, der Jüdischen Gemeinde sowie der christlichen Kirchen. (Claudia Rometsch, epd)

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