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Schutzlos ausgeliefert? Einige Höfe werden mit Sicherheitskameras ausgestattet.

Tierquälerei

Tatort Pferdekoppel

In einigen Regionen Deutschlands mehren sich gewaltsame Übergriffe auf Tiere. Die Polizei setzt eine Ermittlungsgruppe ein.

Die Szenen sind auf einer Wärmebildkamera des Sicherheitsdienstes zu erkennen. Ein Mann läuft mitten in der Nacht über das Gelände eines Reiterhofs. Er trägt Gummistiefel und führt einen längeren Gegenstand mit sich. Dann verschwindet er. Die Polizei sucht ihn Mitte August im baden-württembergischen Heddesheim mit einem Hubschrauber – erfolglos.

War es der unbekannte Täter, der in der Gegend Pferde schwer verletzt? Viele Pferdebesitzerinnen und -besitzer in der Region sind verunsichert. Seit Juni sind sieben Tiere verletzt worden, vier Stuten und drei Fohlen. Oft wurden sie mit einem scharfen Gegenstand an Schulter, Beinen oder Genitalien verletzt. Ein Tier musste eingeschläfert werden.

Dominic Sohl ist Pächter eines betroffenen Hofs. Drei Tiere stehen im Stall des 48-Jährigen. Den genauen Ort möchte er nicht nennen. Zwei Stuten, die bei ihm untergebracht sind, wurden verletzt. Er hatte vorher zwar von den Taten gehört. Für ihn waren sie aber weit entfernt – bis der oder die Unbekannte auch in seinem Stall zuschlug.

„Man geht nie davon aus, dass es einen selbst trifft“, sagt Sohl. Er vermutet jemanden hinter den Taten, der sich mit Pferden auskennt – bei der Arbeit mit den Tieren könnten dessen „kranke Ideen“ entstanden sein. Sexuelle Beweggründe könnte das haben, mutmaßt er.

Sohl will die Pferde schützen und hat mittlerweile in der Nähe Überwachungskameras und spezielle Scheinwerfer installiert. Ein Pferdebesitzer aus einer benachbarten Region spricht von einer „absoluten Horrorvorstellung“, falls etwas Ähnliches mit einem seiner Pferde passieren sollte. Es sei schwer, Weiden im Blick zu behalten. Auch er denkt über Kameras nach.

Auch die Polizei empfiehlt Kameras. Die Beamtinnen und Beamten rufen zudem zu mehr Kontrollen auf. Zusätzlich könnten Scheinwerfer mit Bewegungsmeldern Fremde abschrecken. Die neu gegründete Ermittlungsgruppe „Koppel“ untersucht die Fälle.

Über die Täterin oder den Täter, vielleicht auch eine Gruppe ist bislang nicht viel bekannt. Ob es sich um einen Serientäter handelt, sollen acht Beamtinnen und Beamte herausfinden. Für ein sexuelles Motiv gebe es bisher keine Anzeichen. Die Verletzungen seien zu unterschiedlich.

Neben Prävention will die Tierschutzorganisation Peta mit einer Belohnung von 2000 Euro beim Aufspüren der Täterin oder des Täters aus der Rhein-Neckar-Region helfen. Zudem fordert die Organisation ein deutschlandweites Register für sogenannte „Pferderipper“-Fälle.

Einem Serientäter könnte eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren oder auch eine Geldstrafe nach dem Tierschutzgesetz bevorstehen, erklärt Tierrechts-Experte Andreas Ackenheil. „Eine Freiheitsstrafe nach dem Tierschutzgesetz halte ich für angemessen“, sagt der Rechtsanwalt. Auch die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik wäre denkbar.

Das Phänomen der „Pferderipper“ sei selten, sagt Borwin Bandelow. Er beschäftigt sich beruflich mit Straftätern, erstellt Gutachten in Gerichtsverfahren und arbeitet als Psychiater und Psychologe an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen. Jemand, der wehrlose Pferde quäle und verletze, möchte Macht ausüben, sagt er.

„Dass diejenigen auch Menschen ermorden, will ich nicht behaupten. Man muss aber davon ausgehen, dass der Täter gestört ist.“ Die Verletzungen an den Genitalien der Stuten könnten Ausdruck einer schweren Persönlichkeitsstörung und eines Hasses auf Frauen sein. Möglicherweise stünden die Pferde stellvertretend für sie.

Auf dem Hof von Reitverein-Geschäftsführerin Charlotte Rheinschmidt aus Heddesheim hatten die Sicherheitsmitarbeiter Mitte August den unbekannten Mann auf der Wärmebildkamera gesichtet. Bereits viermal soll sich der Unbekannte in der Nähe des Hofes aufgehalten haben. „Die Verunsicherung ist groß“, sagt Rheinschmidt. Es gehe vor allem um die Tiere, aber auch um einen finanziellen Schaden.

Auch in anderen Regionen Deutschlands kam es in der vergangenen Zeit zu ähnlichen Fällen. Im niederbayerischen Grafenau nahe der tschechischen Grenze fügte ein Unbekannter einer Stute an den Genitalen einen rund zehn Zentimeter tiefen Schnitt zu. Und auch in Frankreich gibt es laut Medienberichten eine Serie von grausam getöteten Pferden. (Felix Schröder, dpa)

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