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Tansanias oberstes Eichhörnchen ist groß im Nussbusiness.

Tansania

Der „Bulldozer“ und sein Cashew-Berg

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Wie Tansanias Präsident am Markt scheitert.

Man nennt ihn „Bulldozer“ – und John Magufuli gibt sich alle Mühe, seinem Spitznamen alle Ehre zu machen. Seit seinem Amtsantritt vor gut drei Jahren walzt der tansanische Präsident so ziemlich alles nieder, was sich seinem Willen entgegenstellt: Ob das korrupte Regierungsmitglieder, kritische Oppositionelle oder unrentable Naturparks sind. Nun hat der 59-Jährige ein neues Hindernis aufs Korn genommen: die freie Marktwirtschaft.

Und das kam so: Ende vergangenen Jahres stürzte der Weltmarktpreis für Cashewnüsse ab, denen Tansania mit mehr als 350 Millionen US-Dollar den größten Teil seiner Exporteinnahmen verdankt. Der ostafrikanische Staat ist der achtgrößte Cashew-Exporteur der Welt: Seine zwölftausend Nussfarmer profitieren auch davon, dass ihre nierenförmigen Nüsse zwischen August und Dezember reifen – genau in der Zeit, in der in andern Teilen Afrikas und in Asien eine Cashew-Flaute herrscht.

Trotzdem war der Weltmarktpreis im Verlauf des Jahres auf nur wenig mehr als einen US-Dollar pro Kilo gefallen: Anfang 2018 hatte dieser noch zwei Dollar und 40 Cents betragen. Die staatliche Cashew-Kammer, die eine Preisempfehlung ausspricht, setzte 0,65 Cent fürs Kilo ungeschälter Nüsse fest – doch da revoltierten die Farmer. Dieser Preis liege noch unter den Produktionskosten, klagten sie und weigerten sich, ihre Ernte an die privaten Zwischenhändler zu verscherbeln, die die Nüsse gewöhnlich nach Indien oder Vietnam zur Weiterverarbeitung schaffen. Tansanias Devisenquelle drohte zu versiegen.

Auftritt der Planierraupe, die erst einmal zwei Minister und die gesamte Crew der Cashew-Kammer aus dem Amt schob. Sodann setzte Magufuli kurzerhand einen Preis von mehr als 1,40 Dollar pro Kilo Rohnuss fest und wies die Landwirtschaftliche Entwicklungsbank Tansanias an, die gesamte Ernte einzukaufen. „Dann werden eben wir nach Käufern schauen“, erklärte der Bulldozer: „Und was übrig bleibt, essen wir selbst.“ Schließlich wies der Präsident die Armee an, die Nüsse einzusammeln und – wie es sich für einen nationalen Schatz gehört – in Lagern zu bewachen.

Die Folgen waren abzusehen. Seitdem sitzt die Regierung auf einem Cashew-Berg – nur ein Bruchteil der Farmer wurde bisher ausbezahlt, weil der Staat zunächst keine Käufer fand. Erst kürzlich zauberte Magufuli einen Interessenten aus dem kenianischen Nachbarland aus dem Ärmel: „Indo Power“ werde zumindest die Hälfte der Ernte, rund 100.000 Tonnen, erwerben und dafür mit 180 Millionen Dollar sogar noch mehr als den von der Planierraupe festgesetzten Preis bezahlen. Was Fachleuten jedoch spanisch vorkommt: „Indo Power“ ist nicht nur im Nusssektor ein Greehorn. Die Firma soll weder eine Bankverbindung noch Rechtsanwälte, Buchprüfer, eine Webseite oder einen Geschäftssitz haben. Ihr Direktor, schreibt die seriöse Zeitung „East African“, sei in Geschäftskreisen eher als Mann mit politischen Verbindungen bekannt.

Die Firma werde sogar dafür sorgen, dass die Nüsse in Ostafrika und nicht wie üblich in Indien oder Vietnam weiterverarbeitet werden, gab Tansanias Regierung außerdem bekannt: Ohne zu präzisieren, wo und wie das geschehen soll. Experten zufolge können in Tansania derzeit monatlich gerade mal 4000 Tonnen Nüsse verarbeitet werden.

In bekannter Entschiedenheit hatte Magufuli im November des vergangenen Jahres auch gleich noch eine Nussverarbeitungsfirma im tansanischen Südosten eingekauft und der Armee übergeben. Allerdings stellte sich alsbald heraus, dass die Maschinerie des Betriebs total veraltet ist. Wie der Kampf der Planierraupe gegen die Marktwirtschaft auch immer ausgehen wird: Die Tansanier sollten sich schon mal neue Rezepte für Cashew-Gerichte beschaffen.

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