Streit um Wasser-Rationierung auf italienischer Insel – Militär-Tanker sollen Tourismus retten
Immer mehr Menschen leiden auf Sizilien unter der anhaltenden Dürre. Die Regierung sträubt sich gegen Maßnahmen, die dem Tourismus schaden könnte.
Palermo – Die italienische Urlaubsinsel Sizilien kämpft weiterhin mit extremer Wasserknappheit in diesem Sommer. Nachdem in den vergangenen Wochen nun auch wichtige Seen, unter anderem für die Versorgung der Hauptstadt Palermo, ausgetrocknet sind, hat die Insel neue Maßnahmen ergriffen. Ein Tankschiff des Militärs fährt die Küste entlang, um die Wasserstände in besonders schwer betroffenen Regionen wieder aufzufüllen. Andere Lösungen sollen wiederum abgelehnt worden sein – aus Angst vor einem negativen Image der Insel.
Wie das italienische Nachrichtenportal Live Sicilia am Freitag schrieb, soll ein Tankschiff der Marine rund 1,2 Millionen Liter Wasser aus Kalabrien abholen und an die sizilianische Küste transportieren. Mit jeder Ladung können bis zu einhundertzwanzig Tanker auf der Insel aufgefüllt werden. Das Schiff werde zunächst am Hafen von Licata in der Provinz Agrigent eintreffen, einem der am stärksten von der Krise betroffenen Gebiete im Westen der Insel. Von dort aus soll das Wasser anschließend gerecht an die betroffenen Städte verteilt werden.
Wasser-Rationierung auf italienischer Urlaubsinsel Sizilien: Tanker sollen Tourismus retten
Laut Informationen der Zeitung La Republicca soll das Wasser auch in die Hauptstadt Palermo geliefert werden. Dort habe es lange einen politischen Interessenskampf zwischen dem Bürgermeister Roberto Lagalla und dem Regionalpräsidenten Renato Schifani gegeben. Denn das kommunale Unternehmen, das die Wasserversorgung in Palermo verwaltet, hatte eigentlich geplant, in jedem Bezirk der Stadt an einem Tag pro Woche die Wasserversorgung auszusetzen. Dadurch sollte strukturiert Wasser gespart werden. Schifani habe sich der Lösung aber entgegengestellt – sie könnte Touristinnen und Touristen abschrecken.

Der Tourismus ist eine zentrale Einkommensquelle für Sizilien. Allein im Jahr 2023 habe die beliebte Urlaubsinsel laut La Republicca über sechzehn Millionen Aufenthalte aus dem Ausland verzeichnet, insgesamt 10,8 Prozent mehr als in 2022. Das Tourismusgeschäft sei inzwischen insgesamt über sechseinhalb Milliarden Euro wert. Die Kritik: Das Pro-Kopf-Einkommen der Einheimischen liegt gleichzeitig am unteren Ende der italienischen Rangliste.
Sizilien kämpft mit extremer Dürre: Gemeinde wird seit 42 Tagen nicht mehr mit Wasser beliefert
Unsicher ist, inwiefern die Wasserlieferungen aus Kalabrien tatsächlich ausreichen. Um die Versorgung zu unterstützen, habe die Regierung in den vergangenen Wochen ebenfalls neue Brunnen in Betrieb genommen. Palermos Bürgermeister Lagalla soll zudem die Bürger aufgefordert haben, Wasser aus privaten Brunnen an die Verwaltung zu verkaufen. Eine langfristige Lösung für die Insel gibt es bislang jedoch nicht. Wie das Nachrichtenportal weiter schreibt, befürchten Experten offenbar, dass auch der diesjährige Herbst wenig Regen hergeben könnte.
Auf Sizilien ist die Dürre-Situation sehr ernst. Im Winter und Frühling hat es kaum geregnet - die Folgen sind nun im Sommer zu spüren. Einige Stauseen sind bereits ausgetrocknet. Besonders schlimm hat es die Gemeinde Caltanissetta getroffen: Dort haben die Einheimische seit 42 Tagen keine Wasserlieferungen mehr bekommen. Viele seien gezwungen, Tanker zu nutzen , die nicht nur immer schwieriger zu finden, sondern auch immer teurer werden. (nz)