Freunde fürs Leben: Ernie (r) und Bert. Matthew Simmons/Getty Images

Tag der Freundschaft

„Wahre Freundschaft basiert auf Werten“

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Schon Aristoteles wusste: Freunde sind eine Seele in zwei Körpern. Ein Gespräch mit Business-Coach und Netzwerkexpertin Monika Scheddin zum internationalen Tag der Freundschaft.

Der „Internationale Tag der Freundschaft“ am Dienstag erinnert an die Bedeutung von Freundschaft zwischen Ländern und Kulturen, aber auch zwischen Personen. Ein Gespräch mit Monika Scheddin über wahre Freundschaft und die Kunst, sie zu bewahren.

Frau Scheddin, wie viele echte Freunde haben Sie?
Das ist eine Frage, über die ich neulich erst nachgedacht habe. Ich habe einen großen Freundeskreis. Aber wenn man mal genau schaut, wen würde ich im Notfall nachts anrufen, dann sind es vielleicht acht – was schon viel ist. Der Durchschnittsdeutsche hat 3,7 echte Freunde.

Was zeichnet eine echte Freundschaft aus?
Aristoteles hat gesagt: Freunde sind eine Seele in zwei Körpern. Ich würde sagen, es sind Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, zu Hause zu sein. Zuhause kann man sich auch mal hinfläzen oder danebenbenehmen – so ist das bei Freunden auch.

Kommen gute Freunde häufig aus der gemeinsamen Jugend?
Das ist unterschiedlich. Aber die ältesten Freunde kommen häufig aus den Zeiten von Disco und Schule. Wenn die bleiben, sind das wirklich gute Freunde. Häufig ist es so, dass aus jeder Lebensepoche ein echter Freund bleibt. Freunde verschwinden auch wieder je nach Lebensumständen. Zum Beispiel, wenn Kinder kommen. Da sind die Prioritäten dann andere. Solche Freundschaften werden aber oft wieder belebt, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind. Und gute Freunde verzeihen das, wenn jemand 15 Jahre nahezu abgetaucht ist.

Was ist eine gute Freundschaft?
Eine wahre Freundschaft basiert auf Werten, auf Augenhöhe, und ist das Gegenteil einer Zweckfreundschaft. Das kennt man auch: Freunde, die nur da sind, wenn man Fußballkarten besorgen kann. Ganz wichtig sind Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Loyalität. Werte eben. Für einen Freund mag man was tun, auch wenn er es nicht gefordert hat. Ein guter Freund sieht den Wunsch von selber.

Es gibt den Spruch: Die Chemie muss stimmen …
Gleich und gleich gesellt sich gern. Das ist ähnlich wie in einer Beziehung. Man hat ein gemeinsames Thema, man inspiriert sich. Aber auch das Gegenteil gibt es: Leute, die etwas haben, was ich nicht habe – und was mich fasziniert. Auch das kann eine Basis für Freundschaft sein.

Monika Scheddin ist seit 25 Jahren Business-Coach und hat Bücher unter anderem zum Thema Netzwerken geschrieben. Die Ex-Top-Managerin ist Gründerin des „Woman’s Business Club“, lehrt an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und ist Expertin in der Frage, wie man Kontakte knüpft und pflegt.

Wo ist der Unterschied zum guten Bekannten?
In guten Zeiten haben wir viele Freunde. In Krisenzeiten erkenne ich die wahren. Reine Rosinenpicker sind schnell weg, wenn bei einem selbst der Glanz ab ist.

Begrenzt sich der Begriff Freundschaft nur auf ganz enge Freunde?
Nein. Schauen Sie mal nach Amerika. Die sagen dort auch zu Bekannten „friends“. Ich habe mich darüber erst gewundert. Aber eigentlich ist es kein dummer Gedanke, wenn man Menschen erst einmal mit der Haltung begegnet: Du darfst ein Freund sein. Eine erste Begegnung ist auch ein erster Freundschaftsfest. Wenn ein neuer Geschäftskunde zu mir freundlich und zuvorkommend ist, aber meine Assistentin schlecht behandelt, möchte ich nicht mit ihm zusammenarbeiten. Wie du eine Sache machst im Leben, so machst du alles. Das gilt meiner Meinung nach privat wie geschäftlich.

Es gibt Menschen, die haben gar keine Freunde.
Je weniger ich vertraue, desto mehr kontrolliere ich. Wenn ich also nicht gelernt habe, zu vertrauen, sind Freundschaften schwierig. Wer gute Freunde will, muss selbst ein guter Freund sein. Das beginnt damit, achtsam zu sein. Man muss aktiv sein, darf nicht immer darauf warten, dass der andere was macht. Man muss Nähe zulassen, jemanden an sich ranlassen. Und man muss sich entschuldigen und verzeihen können. Verzeihen heißt übrigens auch, abzuschließen mit einer Sache. Auch das Entschuldigen fällt unglaublich vielen Leuten schwer, weil man einen Fehler zugeben muss und Schwäche zeigt. Oder einfach zu sagen: Ich hab dich lieb. Unter Freunden muss man das mal aussprechen. Freundschaft heißt, Zeit zu investieren. Auch mal die Lieblingssendung auszuschalten, wenn ein guter Freund anruft und Hilfe braucht.

Man vertraut guten Freuden oft unterschiedliche Dinge an. Warum?
Weil sie unterschiedliche Kompetenzen haben. Manche sind gute Ratgeber bei Liebeskummer, andere erzählen, wo sie ihr Geld anlegen. Wir docken da an, wo wir denken: Bei dem kann ich mich trauen, das zu fragen, oder, bei dem bekomme ich eine kompetente, hilfreiche Antwort.

Müssen Liebespaare auch gute Freunde sein?
Freundschaft ist ja eine Form von Liebe. Nehmen wir das Künstlerehepaar Christo und Jean Claude, das auch zusammen gearbeitet hat. Aus Liebe wurde da Freundschaft und eine Geschäftspartnerschaft. Da sind die Grenzen fließend.

Freunde auch abseits der Kamera: Oliver Hardy (r) and Stan Laurel.  

Was sind schlimme Fehler, die man in einer Freundschaft machen kann.
Wenn ich neue Freunde besser behandle als die alten, weil sie gerade spannender sind. Jemanden im Stich lassen, wenn er mich braucht. Bedingungen stellen, also zu sagen, ja, ich helfe dir, aber nur wenn... – da macht man aus einer Freundschaft ein Geschäft. Und ganz schlimm ist natürlich Verrat.

Manche gute Freundschaft zerbricht auch wieder.
Ja. Das kann der Fall sein, weil man das gemeinsame Thema verloren hat, sich Interessen ändern, die Werte nicht mehr passen, jemand zu chaotisch ist, ständig unpünktlich, oder nie Geld dabei hat. Da kommt dann schon die Frage auf: Will ich das noch? Auch Konkurrenz und Neid spielen eine wichtige Rolle. Es gibt den sogenannten weißen Neid, wo man jemanden zwar um etwas beneidet, es ihm aber gönnt. Das ist okay. Aber dieser Neid, der einen zerfrisst, ist total schädlich.

Welche Rolle spielt der Altersunterschied?
Ich empfehle, Freunde aus verschiedenen Generationen zu suchen. Da lernt man viele neue Dinge, die man selber vielleicht nicht begreift. Von Jüngeren zum Beispiel den Umgang mit dem Internet, von Älteren Lebenserfahrung, zum Beispiel die Erkenntnis, dass es im Job nicht immer gleich um Leben und Tod geht.

These: Je älter man wird, desto schwieriger wird es, Freunde zu finden.
Das stimmt, aber es müsste nicht so sein. Je älter man wird, desto mehr Erwartungen haben wir an eine Freundschaft. Und man wird knickriger mit seiner Zeit. Das ist kontraproduktiv. Man sollte sich mehr absichtslose Zeit, wie ich das nenne, gönnen. Dann können auch Freundschaften entstehen.

Freundschaft im Film – warum funktioniert das als Leitthema so gut?
Um eine Geschichte spannend zu erzählen, braucht es Unterschiede. Das ist der Vorteil bei Freundschaften. Dass wir profitieren, uns ergänzen. Der eine ist sensibler, der andere taffer. Freundschaften sind komplementär, sie entwickeln sich. Das funktioniert auch in Serien und Kinofilmen. Es ist etwas, was wir gerne sehen, weil es etwas Positives hat.

Wie schwer sind Freundschaften unter Promis?
Die Öffentlichkeit sieht ja nur das Foto der Freundschaft. So richtig viel erfahren wir nicht. Loyalität und Geheimhaltung spielen hier eine besonders große Rolle. Man muss sich besonders gut aufeinander verlassen können.

Interview: Wolfgang Hauskrecht

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