1. Startseite
  2. Panorama

Tag der Zimmerpflanze: Frischekur für trockenes Grünzeug 

Erstellt:

Von: Valerie Eiseler

Kommentare

Wie geht es Ihren Zimmerpflanzen derzeit so?
Wie geht es Ihren Zimmerpflanzen derzeit so? © complize / Photocase

Braun und knusprig sollte das Toastbrot sein, nicht aber die Zimmerpflanze. Nach Urlaub oder wochenlanger Heizungsluft ist das aber gar nicht mehr so selbstverständlich. Wie ist den grünen Mitbewohnerinnen jetzt zu helfen? „Pflanzenarzt“ René Wadas gibt zum heutigen Tag der Zimmerpflanze Tipps

Gibt es eine Sofortkur?

Es gibt wenige Pflanzen, die trockene Heizungsluft gut vertragen, für einen Geldbaum zum Beispiel ist das nicht wirklich ein Problem. Aber alle tropischen Pflanzen, da gehört zum Beispiel auch das derzeit beliebte Fensterblatt (Monstera) dazu, sind sehr anfällig. Man kann da Abhilfe schaffen, indem man die Pflanzen besprüht. Das sollte man grundsätzlich regelmäßig machen. Vielleicht die größeren Blätter auch mal abwischen – beim Ficus Benjamini geht das natürlich nicht so gut, aufgrund der vielen Blätter. Aber bei großen Blättern gerne mal mit einem feuchten Lappen abwischen, auch um die Staubschicht zu entfernen. Im Januar ist die Lichtausbeute ohnehin nicht so hoch, da sorgt die Staubschicht noch dafür, dass die Pflanze nicht genügend Licht aufnehmen kann.

Übrigens kann man die Blätter auch mit etwas abgestandenem Bier abwischen, das bringt die Blätter zum Glänzen und enthält sogar noch ein paar Nährstoffe für die Pflanze. Es gibt auch fertige Produkte im Handel , wichtig ist nur, immer abgestandenes, kalkfreies Wasser zu verwenden, um die hässlichen Blatt- flecken zu vermeiden.

Wie oft soll man die Blätter besprühen?

Wer Zeit und Lust hat, kann Pflanzen jeden Tag benetzen. Aber damit es etwas bringt, sollte man das schon einmal die Woche machen. Gerade wer zu Weihnachten vielleicht eine Orchidee geschenkt bekommen hat, sollte sie regelmäßig besprühen. Die mögen trockene Luft nämlich auch nicht. Diese Luftfeuchtigkeit reicht dann auch fast aus, man muss die Orchideen dann kaum mehr gießen.

Der „Pflanzenarzt“ verzeiht Zimmerpflanzen auch mal den ein oder anderen braunen Fleck.
Der „Pflanzenarzt“ verzeiht Zimmerpflanzen auch mal den ein oder anderen braunen Fleck. © Sven Hartung

Wie kann man Schädlingen vorbeugen?

Mit dem richtigen Gießverhalten lässt sich vielen Schädlingen vorbeugen. In den letzten Jahren hat sich unsere Blumen-erde verändert, wir sind von torfhaltiger Erde auf torffreie umgestiegen. Der Nachteil: Diese Erde kann Wasser nicht mehr so gut speichern. Wenn also früher eine Pflanze einen Liter Wasser pro Woche verbraucht hat, dann muss man diesen Liter heutzutage einfach mit etwas Abstand in zwei Gaben vergeben. Wenn die Erde zu nass ist, ist das ein gefundenes Fressen für Trauermücken. Gerade im Winter ist also dafür zu sorgen, dass die Pflanzenerde regelmäßig durchtrocknet. Wer immer wieder Probleme hat, kann die Oberfläche mit etwas Sand oder Dekokies abdecken, dann können zumindest die Muttertiere ihre Eier dort nicht mehr ablegen.

Können braune Blätter auch im Winter ab?

Ja, man darf auch im Winter Blätter schneiden, Aber grundsätzlich erstmal: Nobody’s perfect – auch unsere Pflanzen nicht. Die darf auch mal einen braunen Fleck haben. Wenn hingegen ganze Blätter absterben, dann ist es immer angebracht, sie zu entfernen, da die schwachen Blätter krankheitsanfällig sind. Das kann durch trockene Luft geschehen, aber auch durch zu wenig Licht oder eine Pilzkrankheit. Vereinzelte braune Flecken stehen in der Regel für Trockenheit; breiten sie sich stark aus, ist es eher die Pilzkrankheit. Dann sofort die Blätter entfernen. Im Winter können sich die Pflanzen nicht mehr so gut wehren, da sie ohne Licht weniger Photosynthese betreiben können.

Zur Person

René Wadas ist Gärtnermeister und Autor. Sein Spezialgebiet sind die „Sorgenkinder“ vieler Hobbygärtnerinnen und -gärtner, insbesondere Schädlinge und Pflanzenkrankheiten.

Als „Pflanzenarzt“ hat Wadas bereits drei Bücher rund um das Gärtnern veröffentlicht und eine Ratgebersendung im NDR moderiert. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Braunschweig. vale/ Bild: Mira Media

Darf man im Winter umtopfen?

Wenn ich die Wurzel nicht beschädige, dann ist Umtopfen auch im Winter gar kein Problem. Sonst sollte man bis etwa Ende Februar bis Mitte März warten. Dann sind die Tage wieder etwas länger und die Pflanzen wachsen wieder. Wenn ich dann die Wurzel beschädige, wachsen die Wunden schneller zu. Ist die Pflanze immer noch in der Ruhephase, heilen die Wunden nicht und es geht ihr im Zweifel schnell schlechter als besser.

Darf man im Winter düngen?

Als Faustregel gilt: Immer wenn die Sommerzeit beginnt, fängt man an zu düngen, und wenn die Uhren wieder umgestellt werden, hört man auf. Dann beginnt die Ruhephase. Auch eine blühende Orchidee muss dann nicht mehr gedüngt werden. Ganz Ungeduldige können ab Mitte März wieder loslegen. Alle zehn bis vierzehn Tage, je nach Pflanze.

Was tun im Härtefall?

Wer immer Probleme damit hat, Pflanzen durch den Winter zu bekommen, dem empfehle ich die heutzutage wirklich guten LED-Pflanzenlampen, die man nutzen kann, um die Pflanzen gut über das Jahr zu bringen. Die Lampen helfen bei der Photosynthese und damit den Pflanzen dabei, schneller wieder gesund zu werden. Grundsätzlich gilt: Die Ruhephase beachten und höchstens alle 14 Tage etwas gießen. Viele Menschen überpflegen ihre Pflanzen im Winter. Dann fangen die Wurzeln an zu faulen. In der kalten Jahrenszeit also wirklich darauf achten, dass die Erde durchtrocknet – am besten einfach eine Fingerprobe machen. Im Frühjahr ist das alles nicht mehr so ein Problem.

Ab wann dürfen die Balkonpflanzen zurück ins Freie?

Oft stehen überwinterte Balkonpflanzen irgendwo vergessen in der Ecke. Wichtig ist, dass man sie regelmäßig kontrolliert und abgestorbene Pflanzenteile entfernt, damit kein Schimmel entsteht. Wenn es dann keine Frostgefahr mehr gibt, kann man sie rausstellen. Kübelpflanzen können bei Nachtfrösten auch nochmal rein. Es ist immer gut, sie so spät wie möglich reinzuholen und dann so früh wie möglich rauszustellen. Lieber dann bei einzelnen Frösten nochmal kurz drinnen schützen. Geht das nicht, kann man robustere Pflanzen auch mal mit einem Bettlaken abdecken, das hält die schwächeren Fröste im Frühjahr noch einigermaßen ab.

René Wadas: Mit dem Pflanzenarzt durchs Gartenjahr. Rowohlt, 384 S., erscheint 31.01.23
René Wadas: Mit dem Pflanzenarzt durchs Gartenjahr. Rowohlt, 384 S., erscheint 31.01.23 © Sven Hartung

Auch interessant

Kommentare