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Blutige Kämpfe nach IS-Attacke auf Gefängnis in Syrien: Mindestens 130 Tote

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Von: Tim Vincent Dicke

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Der Islamische Staat (IS) attackiert ein Gefängnis in Syrien, um Kämpfer der Terrormiliz zu befreien. Mehr als 100 Menschen sterben bei anschließenden Kämpfen.

Al-Hassaka – Nach einem Angriff der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf ein Gefängnis in Al-Hassaka im Nordosten Syriens sind bei tagelangen Gefechten mindestens 130 Menschen getötet worden. Darunter 84 Dschihadisten und sieben Zivilisten, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mitteilte. Die Kämpfe zwischen dem IS und den Sicherheitskräften dauerten am Sonntag (23.01.2022) den vierten Tag in Folge an.

Mehr als 100 IS-Kämpfer hatten am Donnerstag den Angriff auf das von Kurden verwaltete Gefängnis Ghwajran gestartet, um Häftlinge zu befreien. In der Haftanstalt saßen bislang nach Angaben der Beobachtungsstelle rund 3500 mutmaßliche IS-Kämpfer, darunter auch führende Köpfe der Miliz. Kurdische Medien berichteten sogar von 5000 Anhängern der Dschihadisten.

IS spricht von „koordinierter Attacke“ auf Gefängnis in Syrien

Die IS-Miliz konnte nach Angaben der Beobachtungsstelle mehrere ihrer Mitglieder befreien und Waffen aus dem Gefängnis erbeuten. Wie vielen Insassen die Flucht gelang, war unklar. Mehr als 100 IS-Häftlinge wurden den Angaben zufolge nach dem Ausbruch wieder gefasst. Bei der Attacke sollen sich die Terroristen im Gefängnis verschanzt haben, zudem hätten Scharfschützen in einem benachbarten Rohbau gelauert.

Kurdische Sicherheitskräfte kämpfen in der syrischen Stadt Al-Hassaka gegen Angreifer des Islamischen Staates (IS).
Kurdische Sicherheitskräfte kämpfen in der syrischen Stadt Al-Hassaka gegen Angreifer des Islamischen Staates (IS). © AFP

Die Dschihadistenmiliz erklärte über ihr Propaganda-Sprachrohr Amak, sie habe Hunderte IS-Kämpfer befreit. Insgesamt hätten mehr als 800 Gefangene fliehen können. Der Islamische Staat habe bei der „großangelegten und koordinierten Attacke“ mit Lastwagen zwei Autobomben am Eingang des Gefängnisses zur Explosion gebracht. Bei den Gefechten sei auch der Gefängnisdirektor getötet worden.

USA verurteilen Attacke des IS in Syrien

In einem von Amak veröffentlichten Video waren mehrere Männer – zum Teil in Militäruniform – zu sehen, die angeblich vom IS während des Angriffs auf das Gefängnis entführt wurden. Einige der Männer sagen darin ihre Namen und Geburtsdaten in die Kamera. Die Authentizität der Aufnahmen ließ sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen. Das kurdisch dominierte Militärbündnis Demokratische Kräfte Syriens (SDF) erklärte, es handele sich bei den Entführten um „Küchenpersonal“ des Gefängnisses.

In der Nacht zu Sonntag kam es laut der Beobachtungsstelle erneut zu „heftigen Gefechten“. Die kurdischen Sicherheitskräfte versuchten mit Unterstützung der US-geführten Anti-IS-Koalition, die Kontrolle über das Gefängnis zurückzuerlangen und IS-Kämpfer in der Umgebung der Haftanstalt „auszuschalten“.

Die USA verurteilten den IS-Angriff. Seit über einem Jahr versuche die Miliz, inhaftierte IS-Kämpfer zu befreien, erklärte Ned Price, Sprecher des Außenministeriums. Die SDF und die Militärkoalition hätten „zahlreiche Angriffe vereitelt“ und „die Schwere“ der jüngsten Attacke begrenzt.

Zivilbevölkerung nach IS-Angriff in Syrien auf der Flucht

Die Kämpfe rund um die Haftanstalt trieben viele Zivilistinnen und Zivilisten in die Flucht. „Tausende haben ihre Häuser nahe dem Gefängnis verlassen und sind in nahe gelegene Gebiete zu ihren Verwandten geflüchtet“, berichtete ein Vertreter der Verwaltung der halbautonomen Kurdenregion.

Laut der Beobachtungsstelle war es der größte Angriff dieser Art seit der Zerschlagung des sogenannten Kalifats des IS 2019. Damals war der IS in Syrien und im Irak militärisch weitgehend besiegt worden. Seitdem verübte er regelmäßig Angriffe auf überwiegend militärische Einrichtungen oder die Ölindustrie.

Dieses von den kurdisch geführten Demokratischen Kräften Syriens zur Verfügung gestellte Foto zeigt IS-Kämpfer, die festgenommen wurden.
Dieses von den kurdisch geführten Demokratischen Kräften Syriens zur Verfügung gestellte Foto zeigt IS-Kämpfer, die festgenommen wurden. © Kurdish-led Syrian Democratic Forces/AP/dpa

Der Angriff auf das Gefängnis von Al-Hassaka ist eine Erinnerung daran, dass der Kampf gegen den IS noch nicht gewonnen ist und könnte für eine neue Etappe im Wiedererstarken der Miliz stehen. Im benachbarten Irak griffen IS-Extremisten am Freitag (21.01.2022) zudem einen Militärstützpunkt nordöstlich von Bagdad an und töteten Sicherheitskreisen zufolge elf irakische Soldaten. Auch hinter dem verheerenden Anschlag im August 2021 auf den Kabuler Flughafen in Afghanistan steckte ein Ableger des Islamischen Staates.

Kurdische Kräfte halten Tausende IS-Kämpfer im Norden Syriens fest

Ziel des Angriffs auf das Gefängnis sei es gewesen, die eigenen Reihen zu verstärken, sagte der Experte Nicholas Heras vom Newlines Institute in Washington. Der IS wolle mehr sein als „das terroristische und kriminelle Netzwerk, zu dem er sich entwickelt hat“. In von den kurdischen Sicherheitskräften kontrollierten Gefängnissen im Norden Syriens werden rund 12.000 IS-Anhänger festgehalten. Sie stammen nach kurdischen Angaben aus mehr als 50 Ländern.

Die kurdischen Behörden warnen bereits seit Langem, dass sie nicht über die nötigen Kapazitäten verfügen, um die Tausenden IS-Kämpfer langfristig festzuhalten, geschweige denn vor Gericht zu stellen. Sie verlangen von den Heimatländern die Rücknahme ihrer jeweiligen Staatsbürger. Viele Länder haben sich dieser Forderung aus Angst vor islamistischen Anschlägen im eigenen Land in den vergangenen Jahren widersetzt. (tvd/AFP/dpa)

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