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Swindler: Mit fiesen Methoden gegen reiche Säcke

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Die Spieleexpert:innen Johannes Jaeger und Melanie I. stellen regelmäßig Gesellschaftsspiele in der FR vor.
Die Spielekritik-Serie von Hunter & Melli: Die Spieleexpert:innen Johannes Jaeger und Melanie I. stellen regelmäßig Gesellschaftsspiele in der FR vor. © Roland Weihrauch/dpa

Bei „Swindler“ werden feine Schnösel ausgeraubt – zumindest solange den Spielerinnen und Spielern das Glück hold ist. Eine Rezension.

Wie der Verlag das Spiel beschreibt: Reiche Säcke bevölkern das viktorianische London. Doch die Spielenden gehören nicht zu ihnen. Nein, vielmehr sind sie Beutelschneider*innen, die die reichen Säcke um ihren Schmuck, ihr Geld und ihre Haustürschlüssel erleichtern wollen ... Sie werden das alles schon nicht vermissen.

Bei Swindler geht es den „reichen Säcken“ an den Kragen bzw. Geldbeutel. Dabei ziehen die Spielenden Schätze aus verschiedenen Stoffsäcken. Die Beute verkaufen sie entweder direkt an Hehler oder sie nutzen sie, um lukrative Aufträge zu erfüllen, um zum Meisterdieb bzw. zur Meisterdiebin zu werden. Doch Achtung: Manch feiner Schnösel ist aufmerksamer als gedacht. Eine falsche Bewegung und die ganze schöne Beute ist futsch!

Rezension von Hunter und Melli: Die Welt der modernen Brettspiele zeichnet sich durch eine fast unübersehbare Vielfalt an verschiedenen Spielideen aus. Trotzdem können aus dieser Vielfalt einzelne Grundelemente identifiziert werden, die durch die Autorinnen und Autoren auf immer neue Weise genutzt und ausgeschmückt werden. Zwei dieser Grundelemente, unter erfahrenen Brettspielefans auch „Mechaniken“ genannt, stehen bei „Swindler“, dem neuen Spiel des Berliner Verlags Edition Spielwiese, im spielerischen Zentrum. Es handelt sich zum einen um das Prinzip des „Push-Your-Luck“, zu deutsch in etwa: schaue, wie lange dein Glück anhält – und die Mechanik des „Take That“, zu deutsch: Nimm’ das, im Sinne eines direkten Angriffs auf das Fortkommen des gegnerischen Spielers oder der Spielerin.

Swindler

Spieleautor: Matthias Cramer

Verlag: Edition Spielwiese / Pegasus

Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Spieleranzahl: 2-4 Spieler:innen

Spielzeit: 45-60 Min.

Preis: ca. 30, 00 €

Die Serie:

Die Spiele-Experten Johannes Jaeger und Melanie I. stellen regelmäßig Gesellschaftsspiele in der FR vor. Videorezensionen aller hier vorgestellten Spiele (und weiterer) gibt es auf www.hunter-brettspiele.de und

https://www.youtube.com/c/ HunterFriendsBrettspiele

Das Thema des Spiels ist dazu passend gewählt. In „Swindler“, dem englischen Äquivalent des deutschen „Beutelschneiders“, ziehen wir als Langfinger durch das viktorianische England, um „reichen Säcken“ ihre Schätze zu stehlen. Diese sind im Spiel durch verschiedenfarbige Beutel repräsentiert, in denen sich eine genau festgelegte Anzahl an Beutechips befindet. Aber beim Raubzug ist Vorsicht geboten, denn zieht man einen Schädel aus dem Beutel, wird man erwischt und die ganze bisher gesammelte Beute ist wieder dahin. Ein klassischer Fall von „Push-Your-Luck“, da man jederzeit weiß, wie hoch die Wahrscheinlichkeit oder eben das Risiko eines zweiten Schädels in dem jeweiligen Beutel ist. Doch um die Anforderung eines besonders lukrativen „Hehlerplättchens“ zu erfüllen, durch die wir unser Diebesgut in Siegpunkte umwandeln können, ist möglicherweise auch eine 50:50 Chance mal einen Versuch wert.

Doch bei „Swindler“ haben auch die lieben Mitspielerinnen und Mitspieler noch ein kleines und durchaus fieses Wörtchen mitzureden – eben das „Take That“. Denn in jedem Zug hat man die Möglichkeit, Komplizenkarten zu erwerben, die mit teilweise recht gemeinen Fähigkeiten die Züge der Mitspielenden durcheinanderbringen. So kann man die Mitspielerinnen und Mitspieler zwingen, weiter aus einem Beutel zu ziehen, obwohl sie eigentlich lieber gerne aufgehört hätten, oder man bedient sich gefahrlos selbst an deren mühsam zusammengeräuberten Beute, ohne selbst einen Schädel zu riskieren. Über allen Spielerinnen und Spielern schwebt zudem ständig die Gefahr einer zufällig ausgelösten Polizeirazzia, die allzu gierige Beutelschneider auch mal für eine Runde in den Kerker befördern kann.

„Swindler“ ist ein wunderschön gestaltetes, kurzweiliges und sehr interaktives Vergnügen für Familien und Spieleabende im Freundeskreis. Allerdings sollte sich niemand daran stören, wenn es auch mal ein bisschen fieser und gemeiner am Tisch zugeht.

Link zum Youtube-Review mit Regel: https://youtu.be/4I1AWp66FWk

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