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Schülerkundgebung in Juba: Kritiker der Verheiratung junger Mädchen beklagen, dass diese meist nicht mehr zur Schule gehen dürften.

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Südsudans Sklavenmarkt 2.0

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Die Versteigerung einer 16-Jährigen via Facebook hat im Südsudan für einen Aufschrei gesorgt. Töchter zu versteigern, könne durch das Internet eine Renaissance erleben.

Facebooks Skandalserie reißt nicht ab. Mark Zuckerbergs Social-Media-Konzern ist jetzt auch in Afrika in die Schusslinie der Kritik geraten, nachdem im Südsudan, dem jüngsten Staat der Welt, ein Mädchen auf einer Facebook-Seite als Ehefrau versteigert worden war.

Dass in der heutigen Zeit ein minderjähriges Mädchen über den größten sozialen Netzwerkdienst der Welt zur Hochzeit verkauft werden könne, sei „unvorstellbar“, wettert George Otim, der südsudanesische Repräsentant des britischen Kinderhilfswerkes Plan International: „Diese barbarische Anwendung moderner Technologie erinnert an einstige Sklavenmärkte.“

16-Jährige Verkauft über eine Online-Versteigerung

Die 16-jährige Nyalong war Anfang November über eine Online-Versteigerung an einen fast dreimal älteren Südsudanesen verkauft worden, der für das Mädchen 500 Kühe, zwei Luxuslimousinen, zwei Motorräder, ein Boot sowie 10 000 US-Dollar geboten hatte. Der reiche Bewerber hatte sich gegen vier Konkurrenten, darunter auch den Vizegouverneur der Provinz „Eastern Lakes“, durchgesetzt. Nyalong wurde zur neunten Frau des Auktionsgewinners.

Facebook hatte die Seite zwar schon am 9. November aus dem Netz genommen – allerdings lief die Auktion zu diesem Zeitpunkt bereits 15 Tage. Und das Mädchen war da schon sechs Tage verheiratet. Es handele sich um einen eklatanten Fall von „Kindesmisshandlung und Menschenhandel“, meint der südsudanesische Menschenrechtsanwalt Philips Anyang Ngong.

In einer Stellungnahme zu dem Fall teilte Facebook inzwischen mit, die Seite sei deaktiviert worden, sobald der Konzern von dem Vorfall erfahren habe. „Jede Form von Menschenhandel – ob in Mitteilungen, Seiten, Anzeigen oder Gruppen – ist auf Facebook verboten“, hieß es. Und auf die Frage, warum die Betreiber des Netzwerkes den Missbrauch als Auktionsplattform erst mit 15 Tagen Verspätung entdeckt hätten, antwortete der US-Konzern: „Wir verbessern ständig unsere Methoden zur Identifizierung von Verstößen, unter anderem haben wir unser Sicherheitsteam von 15 000 auf 30 000 Mitarbeiter verdoppelt.“ Genützt hat das in diesem Fall aber nichts.

Südsudans neue Verfassung verbietet zwar das Verkuppeln von Mädchen, die unter 18 sind. Trotzdem ist die Praxis in dem ehemaligen Bürgerkriegsstaat noch immer gang und gäbe: Mehr als 50 Prozent der Mädchen werden nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Unicef-Studie bereits vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. Verteidiger der arrangierten Kinderehen wenden ein, dass Mädchen dadurch vor Vergewaltigungen und Armut geschützt würden. Zumindest Letzteres ist allerdings nur höchst selten der Fall.

Auch ein Regierungssprecher in der Hauptstadt Juba rechtfertigte Nyalongs Versteigerung: „Wenn man die Sache mit europäischen Augen sieht, ist das womöglich eine Auktion“, sagte Ateny Wek Ateny: „Aber wenn man es mit afrikanischen Augen sieht, ist es eine Tausende von Jahren alte Tradition, für die es kein englisches Wort gibt.“

„Falschinformationen und Manipulation“

Früh verheiratete Mädchen müssten meist ihre Schulausbildung abbrechen und hätten keinen Einfluss auf die Auswahl ihres Partners, wenden Kritiker wie Mary Otieno vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) ein: Dieser Brauch sei „grundsätzlich falsch“ und zerstöre die Zukunft der Mädchen. Die Regierung in Juba habe sich verpflichtet, die Zwangsverheiratung junger Mädchen bis zum Jahr 2030 aus der Welt zu schaffen. Doch nun erlebe sie eher eine Renaissance, weil sich die Eltern von Facebook-Versteigerungen  viel höhere Erlöse versprechen könnten, befürchten die Gegner der Praxis. Der US-Konzern müsse dieses Problem dringend in den Griff bekommen, fordert Judy Gitau, Afrika-Direktorin von „Equality Now“.

Auch gegen „Fake News“ hat Facebook in Afrika zunehmend zu kämpfen. Im vergangenen Jahr seien Internet-Plattformen auf dem Kontinent von „Falschinformationen, zweifelhaften Behauptungen und politischer Manipulation“ überschwemmt worden, heißt es im Africa Cyber Security Report 2017. Der Netzwerkriese mit dem leicht ramponierten Image hat jetzt Hilfe bei der französischen Nachrichtenagentur AFP und dem afrikanischen Tatsachenprüfdienst „Afrika Check“ gesucht: Sie sollen Facebook bei der Identifizierung von Falschinformationen unterstützen.

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