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Die Ruhe nach dem Sturm: in der Großstadt Yangjiang.

Taifun "Mangkhut"

Südchina räumt auf

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"Mangkhut", der weltweit bisher schwerste Sturm des Jahres, hat in Südostasien schwere Zerstörungen angerichtet.

Erst war es unsicher, ob die neue Brücke dem Wind trotzen würde. Es war ihre erste Bewährungsprobe: Die 39 Kilometer lange Verbindung der Städte Zhuhai und Macao ist vor wenigen Monaten erst fertiggeworden. Die Ingenieure haben das Bauwerk auf Windgeschwindigkeiten von knapp über 200 Stundenkilometern ausgelegt, doch nun traf es in den ersten Monaten seines Bestehens bereits ein Super-Sturm: „Mangkhut“ war der stärkste Taifun, der die Region je heimgesucht hat. Am Wochenende wütete er auf den Philippinen und in Südchina – mit Geschwindigkeiten bis zu 250 Stundenkilometern. Doch erste Kontrollen am Montag zeigten: Die Großbrücke hat ihn offenbar unbeschadet überstanden.

„Der Sturm hat sehr ernste und weitreichende Schäden hinterlassen“, sagte der Hongkonger Sicherheitsminister John Lee. Allein im Gebiet der Finanzmetropole hat er mehrere Baustellen zerlegt, Tausende von Fenstern zerbrochen, 1500 Bäume entwurzelt und die ufernahen Bereiche mehrere Meter hoch unter Wasser gesetzt. Solche Wassermassen waren zuletzt vor 40 Jahren heruntergekommen. In der Stadt waren am Montag noch 600 Kreuzungen blockiert und 170 Ampeln beschädigt, Schulen blieben geschlossen. Nur die U-Bahn fuhr einigermaßen normal.

Behörden reagierten schnell

Die Behörden hatten rechtzeitig auf den herannahenden Sturm reagiert. Sie hatten 2,4 Millionen Menschen in Sicherheit gebracht – so viel wie die Einwohnerzahlen von Köln und München zusammen. Da, wo der Taifun auf Land getroffen ist, liegt ein Kranz von Großstädten mit zusammen über 110 Millionen Einwohnern, darunter die Wirtschaftsmetropole Shenzhen oder die Provinzhauptstadt Guangzhou. Trotz der guten Vorbereitungen starben bei dem Unwetter vier Menschen. Die geringe Zahl von Toten und Verletzten markiert zugleich eine bemerkenswerte Leistung der Behörden: Auf den Philippinen hat der gleiche Taifun mindestens 65 Todesopfer gefordert. Helfer suchen dort derzeit weiter nach Überlebenden.

In Asien schlagen in diesem Jahr besonders viele schwere Wirbelstürme ein. Erst vergangene Woche hatte ein Taifun in Japan große Zerstörungen angerichtet. Damit spiegelt sich in Fernost das Geschehen auf der anderen Seite der Erdkugel: Auch über dem Atlantik entstehen besonders viele heftige Stürme. Klimaforscher führen die Häufung auch auf die Erwärmung der Weltmeere zurück.

Bauern klagen besonders

Bereits 2017 hatte ein besonders schwerer Taifun das Perlfluss-Delta getroffen: „Hato“ forderte in der Glücksspiel-Stadt Macao zehn Todesopfer. Diesmal ließ der Bürgermeister die Casinos schließen und forderte die Bürger auf, zuhause zu bleiben. Doch auch das nützt nicht immer etwas. In Hongkong berichtete die Bewohnerin Lam Siu-hung, dass am Sonntag plötzlich überall Wasser durch Decke und Wände kam. „Das Wellblechdach schüttelte sich und wurde undicht“, sagte die 46-Jährige der Zeitung „South China Morning Post“. Sie wohnt mit Mann und Kind auf dem Dach eines Mietshauses – bei den hohen Immobilienpreisen lebt nicht jeder in einer komfortablen Wohnung. „Ich dachte, alles wird weggeweht, deshalb habe ich voller Angst den Notruf angerufen“, so Lam.

Im ganzen Großraum des Perlflussdeltas sind nun Fachleute mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Der Energieversorger China Light and Power (CLP) berichtet von schweren Schäden an Hochspannungsleitungen, Transformatoren und Verteilern. Das gesamte Personal sei rund um die Uhr im Einsatz, um im Raum Hongkong für 40 000 Haushalte den Strom wiederherzustellen. Die chinesische Bahn berichtete am Montag, dass sämtliche Verbindungen wieder offen seien, nachdem Teams in Sonderschichten Trümmer von den Gleisen entfernt und Oberleitungen geflickt haben. China ist in solchen Hauruck-Aktionen meist schnell. Die Großstadt Guangzhou schickte noch in der Nacht 400 Polizisten und Tausende von Arbeitern los, um Verkehrswege wieder freizumachen.

Doch einige Schäden bleiben vorerst. Vor allem die Bauern klagen über völlig verwüstete Felder. 13 300 Hektar Ackerland wurden überschwemmt und zum Teil abgetragen. Die heftigen Regenfälle lösten Erdrutsche aus, die Straßen und Teile von Dörfern unter sich begruben.

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