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Mandla Maseko hat einen Flug ins All gewonnen. Der dauert zwar eine Stunde, aber Maseko sieht sich schon auf dem Mond herumspazieren.

Mandla Maseko

Südafrika hebt ab

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Südafrika drohen die leuchtenden Vorbilder auszugehen: Nelson Mandela ist kürzlich verstorben, Oscar Pistorius steht wegen Mordes vor Gericht. Einspringen muss ein junger Mann, der eine Reise ins All gewonnen hat.

Das Wort selbst kommt von etwas eher Widerlichem. Beim „Branding“ wird aufs Fell eines Nutztiers, etwa einer Kuh, ein glühendes Eisen gepresst: Das arme Vieh pflegt dabei vor Schmerzen zu brüllen. Die Markierung mit Brandzeichen wurde später auch auf die weitere Welt der Wirtschaft übertragen: Als Branding bezeichnet man heute den Versuch, aus dem individuellen Namen eines Produktes eine „Marke“ zu machen – also Name und Produkt für immer zu verschweißen. Bei Coca-Cola, Tesafilm oder Tempo-Taschentüchern ist das optimal geglückt.

Längst suchen sich auch Staaten mit Brandmalen zu profilieren – wie „Made in Germany“ oder dem bloßen weißen Kreuz auf rotem Grund, das der Schweiz bereits genügt. Jüngere, noch aufstrebende Nationen tun sich wesentlich schwerer. Das Kap der Guten Hoffnung hat aus diesem Grund eigens eine staatliche Agentur, „Brand South Africa“, gegründet und ihr ein stattliches Bürogebäude im Johannesburger Nobelviertel Houghton eingerichtet. Dort kämpfen die Gutwettermacher derzeit allerdings mit starkem Gegenwind, vor allem nachdem das weltweit verehrte Idol des Regenbogenstaats kürzlich verstarb und ein anderer Held der jungen Nation auf Prothesen vor Gericht steht, wegen Mordes. Dem Kap der Guten Hoffnung drohen die leuchtenden Vorbilder aus zu gehen.

Wenn da nicht Mandla Maseko wäre. Der 25-Jährige betritt im grauen Overall und in Begleitung einer Managerin den opulenten Sitzungssaal von Brand SA: Auf dem Overall stehen eindrucksvoll klingende Worte wie „Axe Apollo Space Academy“, die Managerin habe man ihm zur Seite gestellt, weil Maseko ein „Botschafter“ seines Landes sei. Der zierliche junge Mann ist der erste schwarze Südafrikaner, ja sogar der erste dunkelhäutige Afrikaner überhaupt, der in den Weltraum fliegen wird: Eine Errungenschaft, die der auch durch wirtschaftliche Stagnation, politische Ziellosigkeit und Korruption verursachten nationalen Depression am Kap der Guten Hoffnung etwas Aufbauendes entgegensetzen kann.

Mandla Maseko hat tatsächlich Großartiges geleistet. Der in einem Township aufgewachsene Ingenieur-Student schlug zunächst Hunderte von Südafrikanern und dann noch Dutzende von weltweiten Mitbewerbern aus dem Rennen, um in einem neu entwickelten, raketenartigen Flugzeug in den Orbit zu fliegen: „Etwas, an das vielleicht weiße Kinder in ihren Villen denken; von dem wir schwarzen Jugendlichen jedoch bislang nicht einmal zu träumen wagten.“ Um eine lange Geschichte kurz zu fassen: Maseko gewann einen Wettbewerb des Waschmittel- und Kosmetikriesen Unilever.

Der versprach 23 jungen Leuten aus aller Welt einen Trip in den Weltall, die sich mit Teamgeist, Geschicklichkeits- und Fitnesstests auszeichneten – wobei Maseko zeigte, was in einem „typischen Township-Jungen“ steckt: „Wenn man uns mit einer Herausforderung konfrontiert, dann nehmen wir sie mit dem Kopf voraus an.“

Wochenlanges Training

Maseka hat bereits Wochen in den Auswahlwettbewerb gesteckt, jetzt wird er auch noch Wochen vor dem Flugsimulator und in der G-Zentrifuge verbringen: Und das alles – wie sich schließlich herausstellt – für einen gerade mal einstündigen Flug. Die von einem Profi-Piloten gesteuerte „Lynx Mark 2“ wird in 4,6 Minuten auf eine Höhe von 103 Kilometern beschleunigt, wo Maseko wenige Momente lang die Schwerelosigkeit erleben kann – dann geht es schon wieder im Gleitflug zur Erde zurück.

Trotz oder vielleicht auch wegen der Kürze seines Glücks träumt Maseko bereits von einer Karriere als Astronaut: Er gehe davon aus, dass Südafrika „in den nächsten fünf bis zehn Jahren“ sein eigenes Raumfahrt-Zentrum haben und eigene Astronauten in den Orbit schießen wird – er selbst sieht sich schon auf dem Mond spazieren. An dieser Stelle nickt Masekos Managerin aufmunternd und erinnert ihren Schützling daran, dass er sein Flugzeug kriegen muss: Der Brand-SA-Diplomat soll heute auch noch in der Provinzhauptstadt Bloemfontein die Botschaft von den unbegrenzten Möglichkeiten des verblassenden Regenbogenstaats verbreiten.

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