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Nach den Abstürzen meiden viele Passagiere Malaysia Airlines.
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Nach den Abstürzen meiden viele Passagiere Malaysia Airlines.

MH370

Auf der Suche nach der MH 370

  • Willi Germund
    VonWilli Germund
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Am 8. März 2014 verschwand Flug MH 370 der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord. Ein niederländisches Unternehmen durchleuchtet jetzt den Boden des Indischen Ozeans.

Wasser so weit das Auge reicht. Mal türmen sich die Wellen 13 Meter hoch, dann erscheint der Indische Ozean an ruhigen Tagen so glatt wie ein Spiegel. Die Männer auf der Brücke der Fugro Discovery mit ihrem leuchtend roten Rumpf brauchen starke Nerven und schier unendliche Geduld für ihren Job 1800 Kilometer von Westküste Australiens entfernt. Gemeinsam mit dem chinesischen Schiff Zhu Kezhen arbeitet die Besatzung an einem gigantischen Puzzle. Sie fertigt eine bathymetrischen Landkarte der 60 000 Quadratkilometer auf dem Ozeanboden in Tiefen zwischen 1,5 und sechs Kilometern an, in denen die Reste der am 8. März spurlos verschwundenen MH 370, einer Boeing 777 von Malaysia Airline mit 239 Menschen an Bord, vermutet werden.

„Wir haben bislang unbekannte Vulkane entdeckt“, sagt Paul Kennedy vom niederländischen Unternehmen Fugro Survey, „es gibt tiefe Täler und enge Schluchten.“ Nur von dem verschwundenen Flugzeug fehlt weiter jede Spur. Bislang sagten sich in dem Gebiet allemal Atom-U-Boote und Wale gute Nacht. Malaysia und Australien zahlen gemeinsam 50 Millionen US-Dollar an das niederländische Unternehmen, das im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als 200 Millionen Euro Verluste einfuhr. Die Karte vom Ozeanboden ist Voraussetzung für die genaue Suche. Sonst würde die Suchsonde bald irgendwo in den Tiefen an einem Hindernis zerschellen. An einem zehn Kilometer langen, gepanzerten Fiberoptikkabel werden die Fugro Discovery und Fugro Equator mit der neuesten technologischen Ausrüstung den Boden des Indischen Ozeans absuchen.

Flugzeugsprit aufspüren

Den Beschreibungen Fugros zufolge soll das Suchgerät „wie menschliche Sinne“ funktionieren. Ein Echolot dient als Ohr, Videokameras sollen die Augen sein. Richtig stolz ist das Unternehmen, das bereits in der Anfangsphase der vergeblichen Suche die Bluefin-Sonde bereitstellte, auf die „chemische Nase“. Sie soll in der Lage sein, Monate nach dem Absturz noch die minimalsten Spuren von Flugzeugsprit im Ozean aufzuspüren. Das niederländische Unternehmen erhielt den Zuschlag, weil Fugro im Gegensatz zur Konkurrenz den Schwerpunkt nicht auf Bergung, sondern auf die Ortung des Wracks legte.

„Der Vorteil unserer Technologie: Sie sehr genau“, sagt Fugro-Manager Rob Luinenberg, „der Nachteil ist, dass man für jeden Quadratmeter eine Menge Zeit braucht.“ Selbst dann ist der Erfolg nicht garantiert, wie sein Sonar-Experte Donal Hussong deutlich machte: „Wenn es einen Kontrast zwischen einem einigermaßen ebenen Boden, dem dort liegenden Schlamm und Trümmerteilen gibt, sollte es einfach sein, etwas zu finden. Aber wenn wir es mit felsigem Boden zu tun haben oder an ein Kliff geraten, wird es schwierig.“

Die Suche nach MH 370 wird fortgesetzt, um den Angehörigen der Opfer endlich Gewissheit zu verschaffen. Die Behörden in Malaysia, Australien und China, also die Länder, deren Staatsbürger als Passagiere an Bord waren, wollen auch endlich Aufklärung. Bislang gehen sie davon aus, dass die Boeing von Menschenhand gesteuert ihren Kurs nach Beijing verließ und statt dessen Richtung Indischer Ozean flog. Das 60 000 Quadratkilometer große Suchgebiet wurde erst nach mühsamer Kleinstarbeit mit Hilfe der Satellitenfirma Inmarsat abgesteckt, deren Himmelskörper während der stundenlangen Odyssee des Flugzeugs über dem Indischen Ozean vergeblich Kontakt zu der Maschine suchte.

Kurz vor dem Untergang

Die niederländische Bergungsfirma Fugro wird ihre Suche im südlichen Teil des vermuteten Absturzgebiets beginnen. Malaysia Airlines hatte nach dem Verschwinden von MH 370 versucht, über Satellitentelefon im Cockpit anzurufen. Der Kontaktversuch schlug fehl. Die Signale helfen aber möglicherweise bei der Eingrenzung der Absturzstelle. Selbst die Entdeckung des Wracks wird Malaysia Airlines jedoch kaum vor dem Untergang bewahren. Nachdem der Staat vergangene Woche die Kontrolle über die Firma übernahm, wurden am Freitag die Aktien vom Börsenhandel suspendiert.

Die Zahl der Mitarbeiter werde von 20 000 auf 14 000 verringert, teilte der Staatsfonds Khazanah Nasional mit. Malaysia Airlines hatte nach MH 370 ein weiteres Flugzeug verloren. MH 17 wurde über der Ukraine abgeschossen. 298 Menschen starben – und nun meiden Passagiere die Fluglinie.

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