Eine große Wende? Bürgerinnen und Bürger sind begeistert. afp
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Eine große Wende? Bürgerinnen und Bürger sind begeistert. 

Italien

Rom subventioniert den Fahrradkauf

  • vonDominik Straub
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Bis zu 500 Euro übernimmt der Staat: Italien startet ein Förderprogramm für einen umweltfreundlichen Zweirad-Verkehr.

Von wegen Verschrottungsprämien oder Kaufanreize für Diesel-Neuwagen: Ausgerechnet in Italien, wo das Umweltbewusstsein in großen Teilen der Politik eher kümmerlich ausgeprägt ist, wird ein Förderprogramm für nachhaltiges Verkehrsverhalten gestartet. Dank des am Mittwoch von der Regierung beschlossenen neuen Corona-Hilfspakets erhalten künftig alle Käuferinnen und Käufer eines Fahrrads oder elektrischen Tretrollers 60 Prozent des Kaufpreises bis zum Maximalbetrag von 500 Euro vom Staat erstattet.

Es ist aber nicht die Sorge um die Umwelt, die der Maßnahme Pate gestanden hat, sondern die Corona-Pandemie. Oder vielmehr die Befürchtung, dass künftig Millionen von Berufspendlerinnen und -pendlern mit dem Privatauto zur Arbeit fahren.

Die Transportkapazitäten der öffentlichen Verkehrsmittel wurden schließlich massiv reduziert. In Städten wie Rom, Mailand oder Neapel, wo der Verkehr in den Stoßzeiten schon vor der Epidemie regelmäßig zum Erliegen kam, würde dies zum Chaos führen. Das Umsteigen vom öffentlichen Nahverkehr auf Fahrrad oder Tretroller, so die Überlegung, könnte deutlich zur Entschärfung der Situation beitragen.

Schlangen vor den Läden

Der Staatsbeitrag von über der Hälfte des Neupreises ist in Italien auf großes Interesse gestoßen, noch ehe dieser am Mittwoch definitiv beschlossen wurde. In Mailand bildeten sich am Wochenende bereits Schlangen vor den Fahrrad-Läden: Wie sonst beim Autokauf strömten ganze Familien in die Geschäfte, um sich mit dem Angebot vertraut zu machen und vielleicht auch schon das Modell ihrer Träume zu sichten. Auch die Fahrrad-Verleihe meldeten einen Anstieg der Nachfrage.

Parallel zur Kaufprämie wird in vielen Städten Italiens – wie anderswo in Europa – der Ausbau von Fahrradwegen vorangetrieben. Dabei gibt es freilich große Unterschiede zwischen den einzelnen Kommunen. „Wir planen die Schaffung von 35 zusätzlichen Kilometern Radwege, zusätzlich zu den gut 200 Kilometern, die bereits bestehen“, erklärt Mailands Stadtrat für Mobilität, Marco Granelli.

Im Vergleich zu Bologna, das vor Tagen die Bereitstellung von 496 Kilometern neuer Radwege beschlossen hat, ist das eine eher bescheidene Zielsetzung. In Italien herrscht auch bezüglich umweltfreundlichen Mobilität eine Kluft zwischen Norden und Süden.

Die Gründe dafür sind allerdings nicht politische oder soziale, sondern in erster Linie topografische und klimatische. Fahrradfreundliche Städte wie Bologna, Reggio Emilia, Verona und Vicenza liegen in der flachen Po-Ebene, die Temperaturen bleiben auch in den Sommermonaten zumindest halbwegs erträglich.

Die beiden größten Städte Mittel- und Süditaliens, Rom und Neapel, sind dagegen hügelig; außerdem ist der Zustand des Straßenbelags oft erbärmlich – und für Zweiradfahrer gefährlich. Und zumindest im Sommer lässt die Hitze es ratsam erscheinen, auf anstrengende körperliche Tätigkeiten zu verzichten.

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