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Deutsche Bahn: Störungen im Betriebsablauf.

Sturmtief „Mortimer“

ICE rast in umkippenden Baum - auch Hessen leidet unter „Mortimer“

In Niedersachsen verunglückt der ICE299 auf dem Weg von Berlin nach Frankfurt. Die Bahn stellt in Norddeutschland den Fernverkehr weitgehend ein. Auch Frankfurt ist betroffen.

Die Deutsche Bahn hat am Montagmorgen wegen des Sturmtiefs „Mortimer“ vorübergehend weite Teile des Fernverkehrs in Norddeutschland eingestellt. „Züge des Fernverkehrs wurden zurückgehalten“, hieß es. Im Regionalverkehr gab es zunächst keine größeren Behinderungen. Inzwischen sind viele Strecken wieder frei.

In Sülfeld (Niedersachsen) krachte ein Baum in eine Oberleitung. Ein Schnellzug konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr in die Unfallstelle, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. Verletzt wurde niemand. Es handelt sich um den ICE 299, der von Berlin aus in die Schweiz unterwegs war. Die etwa 250 Passagiere mussten zunächst im Zug ausharren, da nicht klar war, ob noch Strom durch die kaputte Oberleitung fließt und dadurch eine Gefahr für sie besteht.

Streckensperrungen

Den aktuellen Stand veröffentlicht die Bahn unter bahn.de/aktuell

Eine Augenzeugin berichtete der Frankfurter Rundschau aus dem verunglückten Zug: „Es hat geblitzt und heftig geruckelt und geschwankt.“ Die Scheiben der ICE-Lokomotive seien zertrümmert. Dem Lokführer gehe es gut. Das Notfallmanagement sei vor Ort. In Ansagen sei zunächst mitgeteilt worden, man versuche, den Zug abzuschleppen. Später habe es geheißen, der Zug werde evakuiert und es gehe in Bussen weiter.  

Bei dem Unfall wurde die Oberleitung nach Angaben der Bahn auf einer Länge von mehreren Hundert Metern beschädigt. "Weil auch mehrere Masten umknickten, dürften die Aufräumungsarbeiten noch eine Weile dauern", sagte der Sprecher.  Die Züge auf der ICE-Verbindung Berlin - Braunschweig - Hildesheim werden voraussichtlich bis heute Abend über Hannover Messe/Laatzen umgeleitet. Zusätzlich halten die Züge in Hannover Messe/Laatzen und in Wolfsburg. Kein Halt in Braunschweig und Hildesheim.

In der Nacht hatte es zunächst nur geringfügige Schäden durch „Mortimer“ gegeben. Die Lagezentren der Polizei in allen 16 Bundesländern berichteten hauptsächlich von umgekippten Bäumen und abgebrochenen Ästen. Meldungen von Verletzten gab es den Angaben zufolge am frühen Morgen keine. Eine spektakuläre Rettungsaktion erlebten Hunderte Schafe auf einer Weide in Dortmund.

Starke Regenfälle hatten die Weide mit rund 300 Tieren geflutet. Die Feuerwehr setzte ein Rettungsboot ein und baute Stege, um die Tiere vor dem Ertrinken zu retten, wie ein Sprecher der Einsatzkräfte am frühen Montagmorgen sagte. Bis 2 Uhr waren den Angaben zufolge 200 Tiere von der Weide geholt. Die Wiese stand nach Angaben eines Fotografen anderthalb bis zwei Meter unter Wasser. Mehrere Tiere, darunter auch Lämmer, seien in den Wassermassen verendet. Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit 120 Einsatzkräften vor Ort.

Frankfurter Fahrgäste vom Sturmtief betroffen

Auch Frankfurter Fahrgäste sind von dem Sturmtief betroffen. Fernzüge in Richtung Berlin und Hamburg Altona entfallen. Die Züge nach München und Stuttgart fahren, jedoch mit erheblicher Verspätung. Ebenso der ICE in Richtung Karlsruhe. Der Zug in Richtung Gießen hat 100 Minuten Verspätung, jedoch wegen eines Notfalls.

 Im Rhein-Main-Gebiet hat es aber insgesamt keine schlimmen Sturmschäden gegeben. Das Wetter sollte sich laut des Deutschen Wetterdienstes im Tagesverlauf beruhigen.

Notrufe wegen umgekippter Bäume

Die Verwaltung des Nationalparks Harz warnte am Montag vor dem Betreten der Wälder in dem Mittelgebirge. Es könnten jederzeit Bäume umstürzen, sagte Sprecher Friedhart Knolle am Morgen in Wernigerode. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Leipzig wurden am frühen Montagmorgen Windgeschwindigkeiten von knapp 145 Kilometern pro Stunde auf dem höchsten Berg des Mittelgebirges gemessen.

Im Saarland gingen bis 2.20 Uhr rund 50 Notrufe wegen umgekippter Bäume oder Bauzäune ein. Ein Baum sei auf ein geparktes Auto gefallen. Der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes zufolge sollen sich die stärksten Böen über den Norden in den Nordosten und Osten Deutschlands verlagern, wo sie bis zum Nachmittag anhalten sollen.

Im Norden und Nordosten bestehe Unwettergefahr durch einzelne orkanartige Böen. Vereinzelt könne es zu kurzen Gewittern kommen. Mit dem Abzug von "Mortimer" nach Osten schwäche sich der Wind von Westen her rasch ab. Dort werde bereits am Montagvormittag kaum noch etwas vom Sturm zu spüren sein.

Der Deutsche Wetterdienst hatte das Tief "Mortimer" als ein kleines Tief, "das recht flink unterwegs ist und nicht unterschätzt werden sollte", angekündigt. Gefahrenpotenzial sah der DWD unter anderem, weil die Bäume noch voll belaubt seien und dem Wind damit eine große Angriffsfläche böten, so dass sie auch bei nicht ganz so hohen Windstärken umstürzen könnten. (dpa/afp/fr)

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