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Sturmtief „Nadia“: Mann von Wahlwerbung erschlagen – Politiker beendet Wahlkampf

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Von: Teresa Toth, Tim Vincent Dicke, Daniel Dillmann

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Das Sturmtief „Nadia“ verursacht großes Chaos. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Wahlwerbeplakat in Brandenburg zieht ein Kandidat Konsequenzen.

+++ 22.49 Uhr: Nach dem tödlichen Unglück im brandenburgischen Beelitz, bei dem ein Mann von einer Plakatwand einer Wahlwerbung für die Landratswahl erschlagen wurde, beendet der dortige Kandidat der Piratenpartei seinen Wahlkampf. „Ich bin erschüttert über das tragische Geschehen der letzten Nacht und möchte zunächst den Angehörigen des verunfallten Mannes mein ganz herzliches Beileid aussprechen“, schrieb der Piraten-Politiker Meiko Rachimow auf Facebook.

Nach Angaben des Landratskandidaten sei das heruntergestürzte Plakat nicht seines gewesen, sondern das eines Mitbewerbers. Trotzdem könne Rachimow nach dem „schrecklichen Unfall“ nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen.

„Die von meinem Team und mir persönlich aufgestellten Großplakate wurden wegen des heranziehenden Sturmes zuletzt noch weiter gesichert und haben dem Sturm in der vergangenen Nacht wohl auch weitestgehend standgehalten. Gleichwohl ist der Landrats-Wahlkampf mit Großplakaten nach diesem schrecklichen Ereignis für mich von sofort an beendet“, teilte der Politiker mit.

In Beelitz (Brandenburg) wurde ein Mann von diesem Wahlwerbeplakat, das sich aus der Verankerung gelöst hatte, erschlagen.
In Beelitz (Brandenburg) wurde ein Mann von diesem Wahlwerbeplakat, das sich aus der Verankerung gelöst hatte, erschlagen. © Julian Stähle/dpa

Die betroffene Plakatwand war am späten Samstagabend (29.01.2022) durch eine Windböe aus der Verankerung gerissen geworden und auf einen vorbeigehenden Fußgänger gestürzt, wie die Polizei erklärte. Der 58-Jährige sei mit seiner Lebensgefährtin und einem Bekannten spazieren gewesen. Das aus einem Metallkorpus und Sperrholz bestehende Plakat sei gegen den Kopf des Mannes gefallen, der trotz Reanimationsmaßnahmen noch am Unfallort gestorben sei. Die Polizei leitete ein Todesermittlungsverfahren ein.

Sturmtief „Nadia“: Weiteres Todesopfer – Frachter stundenlang in Not

+++ 17.48 Uhr: Das Sturmtief „Nadia“ hat auch in Niedersachsen und Bremen mehrere schwere Unglücke verursacht. Alleine in Niedersachsen gab es Hunderte Einsätze für die Polizei und die Feuerwehr. In der Nähe von Uetze bei Hannover erfasste eine Windböe auf einer kleinen Straße einen Transporter und schob ihn von der Fahrbahn. Das Fahrzeug prallte gegen einen Baum, wie die Polizei mitteilte. Der Beifahrer sei schwer verletzt worden, der Fahrer leicht. In Bremen fiel ein Baum auf einen Mann. Nachdem er von einem Notarzt versorgt wurde, kam er mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus. Das teilte die zuständige Feuerwehr mit.

Vor der Nordseeküste trieb wegen des Sturms stundenlang in Schiff manövrierunfähig herum. Das unbeladene Schüttgutschiff „Vienna“ hatte demnach am Samstagabend (29.01.2022) etwa 16 Seemeilen (ca. 30 Kilometer) vor der ostfriesischen Küste starke Probleme gehabt, bei Sturm und Wellen um die sechs Meter zu manövrieren. Die Maschine des rund 190 Meter langen Schiffes sei zu schwach gewesen, erläuterte ein Sprecher des Havariekommandos. Im schlimmsten Fall hätte das Schiff zu einem Risiko für die Küste werden können. Nach einigen Stunden war die Lage wieder unter Kontrolle.

Autos stehen während einer Sturmflut im Wasser der Elbe auf einem Parkplatz in der HafenCity und werden von einem Feuerwehrmann gesichert.
In Hamburg löste „Nadia“ eine Sturmflut aus. © Daniel Bockwoldt/dpa

Auch in Skandinavien gab es Hunderte Notrufe. Die Polizei in Dänemark meldete den Tod einer 78-jährigen Frau, nachdem sie vom Wind mitgerissen wurde. In Schweden waren nach Angaben der Energieversorger Eon, Ellevio und Vattenfall zehntausende Menschen ohne Strom.

Sturmtief „Nadia“: Ausnahmezustand in Berlin – erstes Todesopfer in Brandenburg

+++ 13.44 Uhr: Feuerwehren und Polizei im Norden und Nordosten Deutschlands sind wegen Sturmtief „Nadia“ weiterhin im Dauereinsatz. „Der Notruf steht nicht still“, sagte ein Sprecher der Rettungsleitstelle in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern). In Sachsen sorgen derweil vielerorts umgestürzte Bäume für Behinderungen – mehrere Straßen mussten gesperrt werden.

Dennoch hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Unwetterwarnung für Norddeutschland inzwischen aufgehoben. Es sei allerdings noch bis Sonntagnachmittag (30.01.2022) mit starken Sturmböen zu rechnen. Die höchste Windgeschwindigkeit wurde bislang an der Küste auf Hallig Hooge (Kreis Nordfriesland) gemessen. Der Sturm erreiche hier eine Geschwindigkeit von 127 km/h.

Noch immer erreichen Feuerwehr und Polizei im Norden Deutschlands zahlreiche Notrufe aufgrund des Sturmtiefs „Nadia“.
Noch immer erreichen Feuerwehr und Polizei im Norden Deutschlands zahlreiche Notrufe aufgrund des Sturmtiefs „Nadia“. © Andre März/dpa

Sturmtief „Nadia“: Ausnahmezustand in Berlin - erstes Todesopfer in Brandenburg

+++ 10.26 Uhr: Feuerwehren im Norden und Nordosten sind seit Samstag (29.01.2022) im Dauereinsatz. Grund ist das Sturmtief „Nadia“, das für erhebliche Behinderungen sorgt. Die Feuerwehr in Berlin hat am Sonntagmorgen (28.01.2022) den Ausnahmezustand ausgerufen. Menschen sollen ihre Wohnungen nicht verlassen, solange es stürmt und gewittert. Zudem rät die Feuerwehr, Stecker von Fernsehern und Computern zu ziehen sowie Sonnenschirme und Markisen zu schließen.

Wie die Feuerwehr über Twitter mitteilte, waren sie seit Samstagabend bereits bei rund 250 Vorfällen in Zusammenhang mit dem Sturm im Einsatz. Das größte Problem seien umgestürzte Bäume. Auch in Schleswig-Holstein kommt es zu zahlreichen Unfällen und Behinderungen. Mehrere Menschen verletzten sich aufgrund von umherfliegenden Gegenständen und herabfallenden Dachziegeln. Auf der Fehmarnsundbrücke bei Lübeck wurde ein Lkw von einer Sturmböe erfasst und kippte um – die Brücke ist derzeit vollgesperrt.

Im Norden und Nordosten Deutschlands sind Feuerwehren bereits die ganze Nacht damit beschäftigt, Bäume und andere Gegenstände von Straßen zu beseitigen.
Im Norden und Nordosten Deutschlands sind Feuerwehren bereits die ganze Nacht damit beschäftigt, Bäume und andere Gegenstände von Straßen zu beseitigen. © Jens Büttner/dpa

Sturmtief „Nadia“ über Deutschland: Erstes Todesopfer in Brandenburg

Update vom Sonntag, 30.01.2022, 09.02 Uhr: Das Sturmtief „Nadia“ wütet über Deutschland. Vor allem im Norden und Nordosten sind Polizei und Feuerwehr aufgrund zahlreicher Behinderungen und Unfälle im Einsatz. Wie die „Märkische Allgemeine Zeitung“ berichtet, hat der schwere Sturm nun ein erstes Todesopfer gefordert. Im brandenburgischen Beelitz hatte eine Sturmböe ein Wahlplakat abgerissen und umher gewirbelt. Es flog in eine Gruppe von Fußgängern und traf einen Mann mit dem Metallgestänge so heftig am Kopf, dass dieser noch vor Ort seinen Verletzungen erlag.

Das Sturmtief „Nadia“ sorgt für orkanartige Böen. In Beelitz in Brandenburg stirbt ein Fußgänger.
Das Sturmtief „Nadia“ sorgt für orkanartige Böen. In Beelitz in Brandenburg stirbt ein Fußgänger. © Julian Stähle/dpa

Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) dauert der Sturm voraussichtlich noch bis zum Vormittag an. Der Bahnverkehr im Norden und Nordosten Deutschlands ist aufgrund von umgestürzten Bäumen und Störungen der Oberleitungen nach wie vor beeinträchtigt: Zahlreiche Verbindungen sind verspätet oder fallen aus. Vor allem die Strecken zwischen Rostock und Hamburg sowie Berlin sind betroffen.

Sturmtief „Nadia“ über Deutschland: Bahn- und Schiffsverkehr liegt lahm

Erstmeldung vom Sonntag, 30.01.2022: Hamburg – Ein heftiger Sturm sucht Norddeutschland heim. Das Sturmtief mit dem Namen „Nadia“ hat zum Teil orkanartige Böen und einer Sturmflut in die Region gebracht. Die Polizei und die Feuerwehr berichten von hunderten Einsätzen.

Die Deutsche Bahn musste den Bahnverkehr großflächig einstellen. Auch Fähren fallen in der Region bis auf weitere aus. Am frühen Samstagabend stellte die Deutsche Bahn den Fernverkehr in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen für etwa 50 Minuten ein. Betroffen waren insbesondere die ICE-Strecken zwischen Hamburg und Bremen sowie zwischen Hamburg und Berlin. Dort komme es auch weiterhin zu großen Beeinträchtigungen, wie ein Sprecher sagte
Im Regionalverkehr gibt es laut Bahn ebenfalls Zugausfälle und Verspätungen. Reisende und Pendler sollten sich vor Fahrtantritt über die Webseite, die App oder telefonisch informieren, ob ihr Zug wie geplant fährt. Wann die Züge wieder wie geplant fahren, hänge vom weiteren Verlauf des Sturms ab, sagte der Bahnsprecher.

Hamburg: Ein Schiff steckt aufgrund des Hochwassers nach Sturmtief „Nadia“ unter einer Brücke fest.
Hamburg: Ein Schiff steckt aufgrund des Hochwassers nach Sturmtief „Nadia“ unter einer Brücke fest. © Daniel Bockwoldt/dpa

Sturmtief „Nadia“ zieht über Norddeutschland - Hamburg besonders getroffen

Noch hat sich die Lage in Norddeutschland nicht beruhigt. Sturmtief „Nadia“ soll noch bis in den Sonntagvormittag (30.01.2022) wüten. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD). Laut Informationen der Nachrichtenagentur dpa warnt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) bereits vor der nächsten schweren Sturmflut.

Allein in Hamburg hat es wegen der Auswirkungen des Sturmtiefs „Nadia“ rund 300 Einsätze der Rettungskräfte gegeben. Das teilte ein Polizeisprecher am frühen Sonntagmorgen mit. Der berühmte Fischmarkt im Stadtteil St. Pauli stand zeitweise unter Wasser. Der Scheitel wurde nach BSH-Angaben gegen 0.17 Uhr erreicht. Der Wasserstand lag 2,84 Metern über dem mittleren Hochwasser, wie eine Sprecherin mitteilte. Das BSH hatte in Hamburg mit Wasserständen von bis zu 3 Metern über dem mittleren Hochwasser gerechnet. Wie ein dpa-Fotograf berichtete, zog es Hunderte Schaulustige zum Fischmarkt. Durch die Überflutungen wurden demnach mehrere Autos beschädigt. Im Hamburger Hafen sorgte das Hochwasser außerdem dafür, dass ein Binnenschiff unter einer Brücke feststeckte. Das Schiff sei beim Durchfahren mit dem Steuerhaus an der Freihafenelbbrücke hängengeblieben und habe sich verklemmt, sagte ein Polizeisprecher. Verletzte gab es ersten Erkenntnissen zufolge nicht.

Der Hamburger Fischmarkt steht aufgrund von Sturmtief „Nadia“ unter Wasser.
Der Hamburger Fischmarkt steht aufgrund von Sturmtief „Nadia“ unter Wasser. © Daniel Bockwoldt/dpa

Nach Sturmtief „Nadia“ warnen die Behörden für der nächsten Sturmflut

Auch mehrere Küstenabschnitte wurden von Tief „Nadia“ getroffen. Das BSH berichtete von Sturmfluten an mehreren Stellen. Es seit „zwar nicht überall“ zu einer schweren Sturmflut wie in Hamburg*, gekommen, dennoch sei die gesamte deutsche Nordseeküste betroffen gewesen. Das berichtet auch 24hamburg.de*. Aus Bremerhaven wird ebenfalls Hochwasser gemeldet. Die Polizei in Schleswig-Holstein berichtet von etwa 120 Einsätzen in der Nacht. Aus Bremen melden die Behörden rund 40 Einsätze. In Mecklenburg-Vorpommern mussten Polizei und Feuerwehr sogar 200 Mal ausrücken.

Nach BSH-Angaben droht den norddeutschen Ländern zudem bereits die nächste Sturmflut: Am Sonntag werden das Vormittag- beziehungsweise Nachmittag-Hochwasser an der deutschen Nordseeküste 1,5 bis 2 Meter und im Weser- und Elbgebiet 2 bis 2,5 Meter höher als das mittlere Hochwasser eintreten. Für die Ostseeküste sei bis Sonntagmorgen noch die Niedrigwasserwarnung in Kraft. Die Experten erwarten aber, dass die Wasserstände im Verlauf des Tages bis zu 130 Zentimeter über den mittleren Wasserstand steigen. (dil/dpa) *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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