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Wie ein Lexikon: Wikipedia soll neutral bleiben.

Protest gegen Uploadfilter

24 Stunden ohne Wikipedia

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Die Web-Enzyklopädie Wikipedia wird kurzzeitig abgeschaltet – aus Protest.

Den Einen oder die Andere dürfte es schmerzlich treffen: Heute, am 21. März, wird die deutschsprachige Wikipedia für 24 Stunden abgeschaltet. Dahinter steht weder eine technische Wartung, noch ist beim letzten Spendenaufruf zu wenig Geld zusammengekommen. Stattdessen ist das Ganze eine Protestaktion gegen die geplante Urheberrechtsreform, über die vom 25. bis 28. März im EU-Parlament abgestimmt werden soll.

Demnach soll es neben einem Leistungsschutzrecht für Presseverlage auch deutlich mehr Pflichten zum Schutz des Urheberrechts für Internet-Plattformen wie Youtube geben. In Artikel 13 des Reformentwurfs ist vorgeschrieben, dass die Plattformen ab dem Moment des Hochladens für mögliche Rechteverletzungen der Inhalte haftbar sind. Bislang musste der Anbieter auf eine Rechtsverletzung hingewiesen werden und war erst dann für eine Copyrightsverletzung haftbar.

Zensur durch Upload-Filter?

Kritiker fürchten, dass die Anbieter dieser Plattformen den Vorgaben nur nachkommen können, wenn sie Upload-Filter einsetzen. Mit diesen Filtern sollen sie bereits beim Hochladen prüfen können, ob Bilder, Videos oder Musik urheberrechtlich geschützt sind. Mit dem Einsatz von Upload-Filtern drohe Zensur, argumentieren die Kritiker.

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Abschalten der Wikipedia ist hochpolitisch

Das Abschalten der Wikipedia ist vor diesem Hintergrund hochpolitisch: „Seht her, das erwartet euch ohne freies Internet“, soll es wohl bedeuten. Anstelle der normalen Webseite wird zudem eine Botschaft zu sehen sein, in der die Wikipedia-Leser aufgefordert werden, ihre EU-Abgeordneten zu kontaktieren und sich außerdem an den für 23. März geplanten Straßenprotesten zu beteiligen. So wollen die Wikipedia-Autoren und Autorinnen erreichen, dass sich möglichst viele EU-Abgeordnete gegen die Reform aussprechen.

Allerdings: Auch innerhalb der Wikipedia-Community ist die Entscheidung, sich auf diese Weise einzumischen, umstritten. Zwar gab es eine Abstimmung, diese lief jedoch nur eine Woche und damit nach Ansicht einiger Nutzer deutlich zu kurz. Viele Autoren hätten erst nach deren Ende davon erfahren. Tatsächlich beteiligten sich weniger als 200 an der Abstimmung – von etwa 20 000 aktiven Nutzern.

Ein Autor beklagte im Gespräch mit der FR, aus seiner Sicht verstoße die politische Aktion gegen ein Kernprinzip der Wikipedia: ihre Neutralität.

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