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Land unter in Hyde County: Durch den Klimawandel erhöht sich die Regenmenge teilweise um über 50 Prozent.

„Florence“ und „Mangkhut“

Stürme werden größer und wilder

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Ohne das vom Menschen aufgeheizte Klima, wäre „Florence“ deutlich schwächer ausgefallen. Wissenschaftler warnen, dass solch verheerende Stürme künftig noch häufiger auftreten

Florence“ und „Mangkhut“ – diese Tropenstürme halten gleichzeitig die Menschen in zwei Weltregionen in Atem. Die USA sind betroffen und, auf der anderen Seite des Globus, die Philippinen und China. Nach den Erkenntnissen von Klimaforschern treten solche Stürme – je nach Gebiet Hurrikane, Taifune oder Zyklone genannt – durch den Einfluss der Klimawandels zwar nicht häufiger auf. Doch sie warnen: Die globale Temperaturerhöhung mache sie gefährlicher.

Noch Anfang August hatte die US-Wetterbehörde NOAA eine unterdurchschnittliche Hurrikan-Saison vorausgesagt – eine Entspannung nach 2017, als die Monsterstürme „Irma“, „Maria“ und „Harvey“ die USA und die Karibik trafen und dort schwere Verwüstungen anrichteten. Das Wasser im Atlantik war vor gut einem Monat relativ kühl, und so war auch der Hauptantrieb zur Bildung der tropischen Stürme schwach. Hurrikane können entstehen, wenn das Wasser mindestens 26,5 Grad Celsius warm ist.

Atlantik ist außergewöhnlich warm

Doch dann trat eine unerwartete „Hitzewelle“ im Meer auf, die die Oberflächentemperaturen des Wassers im westlichen Atlantik erwärmte – auf plus 1,5 Grad über dem Durchschnitt. Und das pumpte „Florence“ zu dem Riesensturm mit seinen gigantischen Wassermassen auf. 

US-Forscher haben in einer Studie analysiert, welchen Einfluss der Klimawandel auf „Florence“ hat. Danach erhöht sich dadurch die Regenmenge deutlich, die der inzwischen zum Tropensturm heruntergestufte Hurrikan mit sich bringt – zum Teil um über 50 Prozent. Zudem sei der Durchmesser des Sturms um rund 80 Kilometer größer, als er in einem noch nicht vom Menschen aufgeheizten Klima wäre, haben die Wissenschaftler der School of Marine and Atmospheric Sciences (SoMAS) der Stony Brooks University im US-Bundesstaat New York ausgerechnet.

Sturmtief zieht nur langsam ab 

Die aktuelle Wetterlage an der Ostküste bewirkt zudem, dass das Sturmtief nur sehr langsam weiterwandert – laut dem National Hurricane Center teils nur mit rund drei Kilometern pro Tag. Dadurch können die Regenfälle noch mehrere Tage lang anhalten. Klimaforscher sehen einen möglichen Grund darin, dass sich die atmosphärische Zirkulation in der nördlichen Hemisphäre während der warmen Jahreszeit abgeschwächt hat. Dadurch erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass Hurrikane sich an einem Ort quasi „festsetzen“. Diese Trägheit werde man künftig häufiger bei Hurrikans beobachten, sagte der NOAA-Experte Jim Kossin.

Das warme Meerwasser versorgt Florence durch Verdunstung weiterhin mit Nachschub, der dann abregnet. Experten rechnen insgesamt mit teils über 100 Zentimeter Niederschlag, der üblichen Regenmenge von Monaten. Zusätzlich trägt der Wind das Meerwasser Richtung Küste, wodurch eine Sturmflut entsteht. 

Die US-Wissenschaftler betonen, dass ihre Ergebnisse vorläufig sind. Allerdings passen sie zu den Erkenntnissen, die die Klimaforschung in den vergangenen Jahren zusammengetragen hat. „Wärmere Meerestemperaturen können die Sturmintensität erhöhen“, sagte Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zu „Florence“ und „Mangkhut“. Das wärmere Meerwasser verdunstet schneller, die warme Luft in einem Hurrikan oder Taifun kann mehr Wasserdampf aufnehmen, und dies kann dann zu stärkeren Regenfällen führen. Tatsächlich seien viele der stärksten Stürme, die es gab, in den letzten Jahren aufgetreten, so der Wissenschaftler.

Verstärkt wird die Wirkung der Wirbelsturm Rahmstorf zufolge dadurch, dass der Meeresspiegel infolge der globalen Erwärmung angestiegen ist. An der Küste im Südosten der USA etwa liegt er heute rund 30 Zentimeter höher, wobei nur ein kleiner Teil auf geologische Senkungen des Landes zurückzuführen ist. „Das macht die Küste anfälliger für Sturmfluten“, so Rahmstorf.

Letzteres gilt natürlich auch für Taifun „Mangkhut“, der inzwischen China erreicht hat und über dem Meer bis zu 300 Stundenkilometer erreichte. Das nationale Wetteramt in Peking gab am Sonntag die höchste Taifun-Alarmstufe aus. „Mangkhut“ muss man zwar auch als „Megasturm“ bezeichnen. „So stark wie Taifun Hayan, der 2013 die Philippinen traf, ist er zum Glück nicht“, sagte der Kieler Klimaforscher Mojb Latif der FR. Trotzdem könnten die Schäden durch Regenfälle und Hangrutschungen verheerend sein, je nachdem, welche Regionen betroffen sind.

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