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In einer neuen Studie zu sexueller Gewalt in Familien wurden 870 Berichte ausgewertet.
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In einer neuen Studie zu sexueller Gewalt in Familien wurden 870 Berichte ausgewertet.

Kriminalität

Studie zeigt: Sexueller Missbrauch in Familien zu wenig aufgearbeitet

  • Luisa Ebbrecht
    VonLuisa Ebbrecht
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Immer wieder werden Fälle von sexualisierte Gewalt Familien aufgedeckt. Wie schwer diese Situationen vor allem für Kinder sind, zeigt eine neue Studie.

Berlin - Für Kinder ist es besonders schwer, sexuellem Missbrauch in Familien zu entkommen. Viele Familien können sich leicht nach außen abschotten und so Hilfe und Eingreifen von außen verhindern - das hat eine Studie zu Berichten über Taten in vergangenen Jahrzehnten ergeben. Die Untersuchung der unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs wurde am Dienstag (07.09.2021) in Berlin vorgestellt. Es gäbe eine große Scheu, sich in die Familie einzumischen. Das sagte die Vorsitzende der Kommision und Autorin der Studie, Sabine Andresen, sagte.

Offenbar würden viele Menschen denken, es gehe sie nichts an, was hinter der Haustür einer Familie vor sich gehe, erklärte Andresen. Auch bei Fachkräften der Jugendämter sei diese Scheu vorhanden gewesen, hätten Opfer von Missbrauch der Kommission berichtet. Den Kindern werde von den Tätern vermittelt, dass alles, was in der Familie passiere, auch in der Familie bleibe. „Für die Kinder als Opfer in den Familien gab es keine offiziellen Ansprechpartner für Hilferufe.“ Dringend nötig sei die weitere Aufarbeitung, sagte Andresen. Das betreffe besonders auch die Jugendämter und ihre Arbeit in den letzten Jahren.

Studie zu sexueller Gewalt in Familien: 870 Berichte ausgewertet

In der Studie wurden 870 Berichte ausgewertet. Die Täter waren überwiegend Männer und die Opfer meist Mädchen. 87 Prozent männliche und 13 Prozent weibliche Täter wurden in der Studie festgestellt. Zum sexuellen Missbrauch zählten Vergewaltigung, aber zum Beispiel auch Handlungen wie Reiben und Berühren über der Kleidung. Fast die Hälfte der 1153 angegebenen Täter (48 Prozent) waren leibliche Väter, Pflegeväter und Stiefväter. Außerdem nannten die Opfer Groß- und Stiefonkel, Brüder, Großväter und andere Verwandte. Zehn Prozent der Täter und Mittäter waren Mütter.

Die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs wurde 2016 von der Bundesregierung einberufen und veröffentlichte bereits mehrere Berichte. Unter den 870 Berichten zu Missbrauch in Familien waren 816 Fälle von Betroffenen, 35 von Angehörigen und 19 von weiteren Zeitzeugen. 680 Berichte erfolgten mündlich und 190 schriftlich.

Studie zu sexueller Gewalt in Familien: 89 Prozent sind Mädchen

Unter den Opfern waren knapp 89 Prozent Mädchen und weibliche Jugendliche und 10 Prozent männlich. In einigen Fällen wurde das Geschlecht nicht angegeben. Die jüngsten Menschen, die sich an die Kommission wandten, waren zwischen 16 und 21 Jahre alt, die ältesten zwischen 76 und 80 Jahre. Die meisten Berichte stammten von Menschen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren.

Die Opfer wurden laut der Studie von den Tätern bedroht, geschlagen oder verprügelt. Andere Familienangehörige, besonders Mütter, halfen ihnen oft nicht und duldeten den Missbrauch. Ebenso fehlte Hilfe von Schule oder Jugendämtern. Betroffene berichteten, dass sie als Kind nicht ernst genommen wurden und ihnen nicht geglaubt wurde, wenn nach Hilfe fragten.

Studie zu sexueller Gewalt in Familien: Wenig Auskunft über die tatsächliche Verbreitung

Über die tatsächliche Verbreitung sexueller Gewalt gegen Kinder gaben die bisherigen Berichte der Kommission kaum Auskunft. Darüber gibt es laut der Kommission insgesamt zu wenig verlässliche Daten. Eine Studie des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von 2011 habe ergeben, dass rund 7 Prozent der befragten Frauen und 1,5 Prozent der befragten Männer über Erfahrungen als Opfer berichteten. Der größte Teil der Fälle sexuellen Missbrauchs ereignete sich demnach vor dem 14. Lebensjahr und in der Familie.

In einem Interview rät der hessische Ombudsmann Meinhard Korte Opfern von sexuellem Missbrauch dazu, die Vorfälle zu melden. Ralf Stammberger, Bildungsdezernent im Bistum Limburg, äußert sich derweil zur steigenden Nachfrage nach katholischen Schulen trotz des Missbrauchsskandals. (Luisa Ebbrecht)

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