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Erntehelferinnen in Indien: Das Land ist einer der größten Baumwollproduzenten.

Baumwolle

Streit über faserige Pflanze

Seit 2002 wird genmanipulierte Bt-Baumwolle in Indien angepflanzt. Eine Studie zeigt nun, dass das kein voller Erfolg war.

Der Anbau von genmanipulierter und dadurch schädlingsresistenter Baumwolle in Indien hat nicht wie oft behauptet zu einer Ertragssteigerung geführt. Dafür seien vielmehr der Ausbau von Bewässerungsmaßnahmen und eine verstärkte Düngung verantwortlich, berichten US-Forscher in dem Fachmagazin „Nature Plants“.

Die genmanipulierten Sorten verliehen zwar durchaus Schutz vor einem bestimmten gefürchteten Baumwoll-Schädling, ein weiterer habe jedoch schnell eine Resistenz gegenüber jenem Gift entwickelt, das die genmanipulierten Pflanzen bilden.

Als Bt-Baumwolle werden Sorten bezeichnet, deren Erbgut um Gene des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis ergänzt wurde. Sie bilden Giftstoffe, die Schädlinge abtöten, wenn sie an der Pflanze fressen – etwa Käfer oder Schmetterlinge.

Seit 2002 werden solche Sorten im südasiatischen Land angebaut, einem der größten Baumwollproduzenten weltweit. Heute sind 90 Prozent der angebauten Baumwolle gentechnisch verändert.

In den Jahren nach Einführung der Bt-Baumwolle wurde viel darüber diskutiert, ob die Entwicklung als Erfolg zu werten ist. Das Interesse daran sei groß gewesen, schreiben Keshav Kranthi vom International Cotton Advisory Committee und Glenn Davis Stone von der Washington University.

Lange Zeit habe die indische Baumwollproduktion unter Insektizid-resistenten Schädlingen gelitten. Die Einführung neuer Insektizid-intensiver Sorten brachte viele Farmer in finanzielle Abhängigkeit von Saatgut und Insektizid-Herstellern und war wohl für eine Vielzahl von Suiziden unter indischen Farmern verantwortlich.

Angesichts des weltweiten Interesses sei es wenig überraschend, dass es in den Jahren nach der Einführung der Bt-Baumwolle viel Forschung zu den Auswirkungen gegeben habe. In vielen Fällen sei die Bewertung je nach Interessenlage erfolgt, viele Studien seien nicht unabhängig geprüft worden oder hätten zudem einen viel zu kurzen Zeitraum untersucht.

Die Ergebnisse seien deshalb lange nicht so beweiskräftig wie viele es gerne hätten oder wie es einige der Studien behaupteten, schreiben die Forscher. Sie werteten nun Daten zur Entwicklung der Ernteerträge vor und nach der Einführung der Bt-Baumwolle aus und brachten sie mit dem Einsatz von Insektiziden und Düngemitteln in Verbindung. Insgesamt betrachteten sie einen Zeitraum von 20 Jahren.

„Die Erträge aller Feldfrüchte stiegen sprunghaft ab 2003, der Anstieg war besonders ausgeprägt bei Baumwolle“, erläutert Kranthi. „Allerdings hatte Bt-Baumwolle nahezu keine Auswirkung auf den Ertragsanstieg, da sie damals gerade einmal fünf Prozent der angebauten Baumwolle ausmachte.“ Stattdessen seien die Bewässerung in dieser Zeit massiv ausgebaut und die Pflanzen außerdem viel mehr gedüngt worden.

Die gentechnischen Veränderungen, die der Bt-Baumwolle zugrundeliegen, seien vor allem in Sorten eingeführt worden, die viel Wasser und viel Dünger brauchten. Hinsichtlich der Wirkung gegen Schädlinge sei die Bilanz gemischt, so die Wissenschaftler. Es gebe zwei maßgeblich bedeutende Schädlinge, die Baumwoll-Kapseleule (Helicoverpa Armigera) und den Roten Baumwollkapselwurm (Pectinophora gossypiella), beides Schmetterlinge, deren Raupen an den Baumwollpflanzen fressen.

Während Schäden durch die Baumwoll-Kapseleule an den Bt-Sorten nachließen, entwickelte der Baumwollkapselwurm schnell Resistenzen gegen die Gifte. Heute bereite dieser Schädling mehr Probleme als je zuvor. Die Bt-Pflanzen seien zudem anfällig für zahlreiche andere Schädlinge, die sich seit dem vermehrten Anbau von Bt-Baumwolle stark ausgebreitet hätten, so die Forscher.

„Heute geben die Bauern in Indien mehr Geld für Saatgut, Düngemittel und Insektizide aus“, so Stone. „Wir kommen zu dem Schluss, dass die vorrangige Auswirkung auf die Landwirtschaft mehr darin besteht, die Landwirtschaft kapitalintensiver zu machen als langfristige agronomische Vorteile zu bringen.“ (Anja Garms, dpa)

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