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Breitmaulnashorn in Südafrika: Die Tiere sind akut bedroht, geschätzt gibt es 20 000 Exemplare.
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Breitmaulnashorn in Südafrika: Die Tiere sind akut bedroht, geschätzt gibt es 20.000 Exemplare.

Wilderei bei Nashörnern

Strahlendes Horn

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Um den illegalen Handel mit Rhinozeros-Hörnern einzudämmen, wollen Forschende radioaktive Mini-Kügelchen darin platzieren. Diese sollen von Detektoren an Grenzübergängen erkannt werden.

Südafrikas Naturschützerinnen und Naturschützer rüsten auf. Nachdem der Plan, Hörner von Rhinozerossen zur Abschreckung vor Wilderei abzusägen oder gar mit Arsen zu impfen, nicht die erwünschte Wirkung zeigte, suchen Forschende den Kampf nun nuklear zu führen: Sie wollen ein Stecknadelkopf großes radioaktives Kügelchen in den Nasenfortsatz der Dickhäuter implantieren, um Schmugglerinnen und Schmugglern bei der Überquerung von Grenzen das Handwerk legen zu können. Auf diese Weise könne „eine ganze Armee“ internationaler Grenzschützer:innen in den Kampf gegen den illegalen Nashorn-Handel eingebunden werden, sagte James Larkin, Professor an der Johannesburger Witwatersrand-Universität der FR: „Wir wollen die Werkzeuge anwenden, die bei der Abwehr des internationalen Terrors entwickelt wurden.“

Die Idee kam dem Direktor des „Referats für Strahlen- und Gesundheits-Physik“ seiner Universität vor zweieinhalb Jahren beim Mittagessen – und nachdem er genug „schreckliche Bilder“ von „verstümmelten Nashörnern“ im Fernsehen gesehen hatte. Der Wissenschaftler arbeitet eng mit der Internationalen Atomenergie-Behörde in Wien zusammen – vor allem bei der Verhütung radioaktiver Terroranschläge. Dabei spielen Detektoren eine wesentliche Rolle, von denen weltweit rund 11 000 Exemplare in Häfen, auf Flughäfen oder an Landesgrenzen stehen: Sie nehmen selbst kleinste Mengen an Radioaktivität wahr, ohne dass dafür Gepäck geöffnet oder Personen durchsucht werden müssen. „Mir war plötzlich klar, dass wir das auch im Kampf gegen die Wilderei nutzen können.“

Das Horn von Rhinozerossen ist einer der kostbarsten Gegenstände der Welt. Auf dem Schwarzmarkt werden dafür Preise bis zu 50 000 Euro pro Kilogramm bezahlt. In Südostasien sagt man dem aus gepresstem Haar (Kerotin) bestehenden Horn Heilungskräfte gegen Krebs, Rheuma oder Impotenz nach. Es gilt als edles Geschenk und als Zeichen des Wohlstands. Seit 2010 fielen im südlichen Afrika mehr als 10 000 Nashörner der Wilderei zum Opfer. Ihr Bestand, der auf rund 20 000 Exemplare geschätzt wird, ist akut gefährdet. 90 Prozent aller Breit- und Spitzmaulnashörner leben in Südafrika.

Die Verantwortlichen der Wildparks am Kap der Guten Hoffnung sind dazu übergegangen, Rhinozerossen das Horn abzuschneiden. Doch selbst dann werden sie von Wilderern noch getötet, die ihren Hornstumpf aus dem Körper brechen. Zudem machen hornlose Nashörner auf Reisende einen „traurigen Eindruck“, weiß Larkin: „Als ob man statt den ‚Big Five‘ (Elefanten, Löwen, Leoparden, Büffel und Rhinos) nur noch ‚Big 4,5‘ sehen kann.“ Auch die Idee, als Abschreckung Arsen in die Hörner zu spritzen, erwies sich neben moralischen Bedenken als weitgehend wirkungslos, weil sich das Gift nicht über das ganze Horn verteilt.

Eine Eigenschaft, die Forscher Larkin zugutekommt. Zunächst galt es herauszufinden, ob Spuren des radioaktiven Kügelchens in andere Körperteile der Nashörner wandern würden. Eine Befürchtung, die sich nach einem halbjährigen Feldversuch mit Igor und Denver in einem privaten südafrikanischen Tierpark als gegenstandslos erwies. Den beiden Dickhäutern wurden zunächst nur nichtstrahlende Isotope ins Horn gepflanzt. Untersuchungen im Blut und Dung ergaben, dass sie sich nicht in Igors und Denvers Körper verteilt hatten. Die erste Prüfung des „Rhisotop-Projekts“, an dem Larkin neben mehreren Naturschützer:innen auch die Universität des US-Staats Colorado, die australische Nuklear-Organisation Ansto sowie die staatliche russische Nuklear-Energiegesellschaft Rosatom beteiligte.

In den kommenden sechs Monaten soll nun mit Computersimulationen und an Modellen von Rhino-Köpfen eruiert werden, wie sich die Strahlung des stecknadelkopfgroßen Kügelchens auf den Körper des Nashorns auswirkt – und wie sie idealerweise dosiert werden muss. Den Dickhäutern soll weder Uran noch Plutonium eingepflanzt werden – vielmehr ein Stahlkügelchen, das zuvor mit Neutronen beschossen wurde. Das kann sogar in Pelindaba, dem Sitz der südafrikanischen Atomenergiegesellschaft, erfolgen. Bis April nächsten Jahres sollen die „rein theoretischen“ Ergebnisse der zweiten Forschungsstufe feststehen: Danach geht’s in die Hörner von 15 Rhinozerossen – falls Südafrika grünes Licht gibt.

Wenn alles gutgeht, sind der nuklearen Aufrüstung dann keine Grenzen gesetzt. Die strahlenden Kügelchen könnten ohne weiteres auch in Elefantenstoßzähne, in die Schuppen von Schuppentieren oder gar in Cycas-Pflanzen implantiert werden, gerät Larkin ins Schwärmen. Alles Naturprodukte, die auf dem Schwarzmarkt astronomische Summen einbringen.

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