Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mehr Bremer geht nicht: Der Roland von 1404 vorm Rathaus.
+
Mehr Bremer geht nicht: Der Roland von 1404 vorm Rathaus.

Bremen

Stolz und frei

  • VonEckhard Stengel
    schließen

Über den Bremer an sich – und die Bremerhavenerin als solche. Von 1993 an berichtete Eckhard Stengel für die FR aus dem Norden. Im Ruhestand bringt er uns seine „Bremer Rundschau“.

Der Bremer an sich und die Bremerin als solche gelten zwar als weltoffen und tolerant, aber auch als etwas s-teif – vielleicht weil an der Weser öfter eine steife Brise weht. Nur beim Freimarkt, ihrem Oktoberfest, werden die Hanseatinnen und Hanseaten gesellig, rufen laut „Ischa Freimaak!“ („Es ist ja Freimarkt!“) und stemmen im „Bayernzelt“ Bierkrüge. Der Freimarkt wird nicht umsonst „Bremens fünfte Jahreszeit“ genannt. Die anderen vier heißen Frühling, Herbst, Herbst und Herbst. Es regnet halt viel in der Halbmillionenstadt, die man wegen ihrer Überschaubarkeit auch „Dorf mit Straßenbahn“ nennt.

„Quatsch, alles nur Klischees“, protestiert eine Eingeborene. „Der Sommer war diesmal toll, und wir sind gar nicht so reserviert. Ein Düsseldorfer hat mir mal gesagt: ‚Die Bremer sind erst etwas introvertiert, aber nachher werden sie recht anhänglich.‘“ (...)

Auf jeden Fall pflegen der Bremer an sich und die Bremerin als solche manch possierlichen Brauch:

– Wenn es kalt wird, gehen sie auf „Kohl-und-Pinkel-Tour“: Bei ortstypischem Schmuddelwetter ziehen sie mit Bollerwagen und Bierkiste ins Grüne und fallen in Landgasthöfe ein, um sich Grünkohl und sogenannte Pinkelwurst einzuverleiben.

– Sind Männer an ihrem 30. Geburtstag noch Junggesellen, müssen sie die Domtreppen fegen, bis sie von einer Jungfrau geküsst werden. Das dauert.

– Ledige Frauen müssen mit 30 diverse Türklinken putzen und auf eine männliche Jungfrau warten. Das dauert noch länger. Haben die Festgäste ein Erbarmen, akzeptieren sie statt echter Jungfrauen ersatzweise auch das Sternzeichen Jungfrau.

Der Bremer an sich und die Bremerin als solche existieren auch in der Ausführung „Bremerhavener/-in“. Die Hafenstädter gehören mit zum Zweistädtestaat, fühlen sich aber ständig benachteiligt. Sie gönnen den „Stadtbremern“ nicht mal die paar Schiffe, die als Touristenattraktion an der Weserpromenade stationiert wurden. (...)

Stolz sind der Bremer an sich und die Bremerin als solche auch auf die Selbstständigkeit ihrer „ältesten Stadtrepublik der Welt“. Flach ist das Land, keine Burg thront über ihnen – deshalb schauen sie zu niemandem auf. Titel und Orden sind verpönt. Der Bürgermeister wird mit einem einfachen „Moin!“ begrüßt. Und die evangelische Landeskirche hat keinen „Bischof“, sondern nur einen „Schriftführer“ ohne Machtbefugnisse.

Der Bremer an sich und die Bremerhavenerin als solche glauben, so ziemlich das beste Hochdeutsch zu sprechen. Allerdings betonen sie Wörter gerne anders als im Rest der Republik: Einen Kirch weg nennen sie Kirch weg , und die zusammengebrochene Vul kan -Werft heißt hier nur „der Vul kan“.

In Bremen ist eben alles ein bisschen anders. (2003)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare