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Ein Lied am Abgrund: Momentaufnahme am Tagebau Garzweiler, März 2019. 

Hambacher Forst

Die Stimme aus dem Wald

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Barbara Schnell wollte nur mal schauen, was im Hambacher Forst los ist – und wurde die Kontaktfrau der FR hinter den Barrikaden.

Es ist gut, dass es Menschen gibt, die einfach mal machen. Barbara Schnell ist so ein Mensch. Als Ende 2017 die CDU-Abgeordnete Romina Plonsker die Aktivisten im Hambacher Forst als Terroristen bezeichnete (und zwar ohne Öko- davor), wollte Barbara Schnell sich selbst ein Bild machen von den Widerständlern, die sich da im Wald um die Ecke zusammenrotteten.

Sie machte sich auf und besuchte die Hüttendörfer im Wald, lernte die Frauen und Männer kennen, die sich in den Wipfeln einnisteten, bereit, sich den Maschinen entgegenzustellen, die im Sommer 2018 in den Wald gefahren wurden. Maschinen, viel kleiner als der Schaufelradbagger, der hinterm Forst aufragt, aber groß genug, um Schneisen zu schlagen und tonnenweise Schotter in den Waldboden zu rütteln. Irgendwann hatte Barbara Schnell, die sich am Telefon als Bärbel vorstellte, das Gefühl, dass hier im Wald Fakten geschaffen wurden, während zu dieser Zeit doch gerade in Berlin die Kohlekommission auch über die Zukunft des Hambacher Forstes beriet.

Bärbel, die als freie Journalistin, Übersetzerin und Pferdesportfotografin arbeitet, kannte da schon jeden Waldweg, war mittendrin, als die Polizei zu patrouillieren begann und offiziellen Pressevertretern der Zugang zum Wald versperrt oder zumindest erschwert wurde. Bärbel schickte Fotos aus den Camps, reichte ihr Telefon an Aktivisten weiter, die sich gerade an einen Baum gekettet hatten; sie erzählte von weinenden Polizisten und wie sie an der Bushaltestelle beschimpft wurde von jenen, denen es einleuchtender erschien, was RWE und Kohlebefürworter immer wieder betonten: dass die Menschen in der Region ihre Jobs (und damit ihre Zukunft) verlieren würden, wenn es den renitenten Forstbesetzern gelingen sollte, die Rodung des kleinen Waldstücks zu verhindern.

Bärbel Schnell ist 54 Jahre alt, am Telefon klingt sie wie eine 23-Jährige, da schwingen viel Idealismus und Tatendrang mit. Sie hat für ihren Einsatz keine Preise bekommen. Und es mag auch sein, dass die FR-Berichterstattung, die sie aus dem und über den Hambacher Forst ermöglicht hat, im großen Rauschen untergegangen ist – aber sie war da. Und sie hat es mit ihren Fotos und Beobachtungen der FR ermöglicht, die Pressesprecher von RWE und Polizei wiederholt mit unangenehmen Fragen zu konfrontieren.

Bärbel Schnell hat mit den Menschen im Wald gesprochen, egal, auf welcher Seite die standen. So wurde deutlich, dass es nicht nur um Gut oder Böse, um Wald oder Kohle geht. Das macht es nicht einfacher – aber zeigt, wie wichtig es ist, sich selbst ein Bild zu machen. Boris Halva

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