Astronomie

Die Sterne leuchten trotz allem

Venus verleiht dem Westhimmel Glanz, der Sternenhimmel zeigt sich frühlingshaft und Mitte des Monats flammen die Meteore der Lyriden auf. In den dunklen Neumondnächten sind sie gut sichtbar.

In der wegen der Umstellung zur Sommerzeit nun spät einsetzenden Abenddämmerung leuchtet als erster der Abendstern, unser Nachbarplanet Venus, auf. Gegen Ende April strahlt Venus in größtem Glanz hoch am Westhimmel. Schon am 3. zieht sie knapp südlich an den sieben Schwestern vorbei. Sie sind die hellsten Sterne im Sternhaufen der Plejaden, auch als Siebengestirn bekannt.

Die Plejadensterne deuten die sieben Töchter des Elternpaares Atlas und Plejone an. Die Begegnung von Venus mit den Plejaden bietet einen reizvollen Anblick, insbesondere im Fernglas. Während das Licht von Venus zur Erde nur wenige Minuten unterwegs ist, so ist das Sternenlicht der Plejaden 420 Jahre zu uns unterwegs. Im Mai wird Venus den Abendhimmel verlassen und im Juni dann am Morgenhimmel erscheinen. Abend- und Morgenstern sind ein und dasselbe Gestirn: der Planet Venus.

In der zweiten Nachthälfte tauchen die drei hellen Planeten Jupiter, Saturn und Mars auf. Schon am 1. zieht um 5 Uhr morgens der rötliche Mars am Ringplaneten Saturn knapp südlich vorbei. Mars wird im Laufe des Monats deutlich heller. Beide Planeten halten sich im Sternbild Steinbock auf. Auf der Nordhalbkugel des Mars beginnt am 8. der Herbst. Er dauert bis zum Winterbeginn am 2. September. Da Mars fast zwei Jahre für eine Sonnenumrundung benötigt, sind auf ihm auch die Jahreszeiten doppelt so lange wie auf der Erde.

Am hellsten leuchtet am Morgenhimmel der weißglänzende Jupiter im Sternbild Schütze. Ein hübscher Anblick ergibt sich am Morgen des 15. April, wenn knapp über dem Südosthorizont der abnehmende Halbmond an der Planetenparade Jupiter-Saturn-Mars vorbeiwandert. Gegen 5 Uhr sieht man den Halbmond zwischen Jupiter und Saturn. Merkur entzieht sich im April unseren Blicken.

Der zunehmende Mond passiert den bläulichen Stern Regulus im Löwen am 4. April. Die Vollmondphase wird am 8. um 4.35 Uhr erreicht. Der Ostervollmond hält sich dabei im Sternbild Jungfrau auf. Am Abend zuvor kommt der Mond mit 356 910 Kilometer in Erdnähe. Das Zusammenfallen von Erdnähe und Vollmond führt wieder zu Springfluten und maximalen Gezeitenkräften, die auch auf die feste Erdkruste wirken und die rund drei Tage um die Vollmondzeit anhalten. Mit 406 460 Kilometer Distanz hält sich der Mond am 20. in Erdferne auf. Die Neumondphase tritt am 23. um 4.26 Uhr ein. Die zunehmende Mondsichel gesellt sich am 26. zur im größten Glanz strahlenden Venus – ein wunderschöner Anblick gegen 22 Uhr am Westhimmel.

Vom 16. bis 25. flammen die Sternschnuppen der Lyriden auf. Ihr Ausstrahlungspunkt liegt im Sternbild Leier an der Grenze zum Herkules. Da diesmal die Haupttätigkeit der Lyriden in die dunklen Neumondnächte fällt, sind die Sternschnuppen gut zu beobachten. Der Höhepunkt des Lyridenstromes ist am 22. am Morgenhimmel zu erwarten mit einer Fallrate von zwanzig Sternschnuppen pro Stunde. Dies ist nicht allzu viel – im Jahr 1982 etwa wurden rund hundert Meteore pro Stunde gezählt. Nach Kalkulationen der Meteorexperten dürfte sich diese hohe Rate im Jahr 2040 wiederholen.

Die Wintersternbilder haben das Feld geräumt. Der Sternenhimmel zeigt nun eindeutig frühlingshaften Charakter. Hoch im Süden passiert der Löwe die Mittagslinie. Er ist das Leitsternbild des Frühlings. Ein mächtiges Sternentrapez deutet den Rumpf an. Darauf sitzt an der nordwestlichen Ecke ein kleines Trapez, das den Löwenkopf markiert. Hauptstern des Löwen ist Regulus oder Alpha Leonis.

Steil über unseren Köpfen steht der Große Wagen. Die Deichsel deutet wie ein überdimensionaler Finger auf den hellen, orange-rot leuchtenden Arktur. Er ist der hellste Stern im Sternbild Bootes, dem Rinderhirten. Arktur heißt so viel wie Bärenhüter. Er treibt den Großen Bären um den Polarstern herum und bewacht auch den Kleinen Bären. Mit 37 Lichtjahren Entfernung gehört Arktur noch zu den Nachbarsternen der Sonne. Er ist ein leuchtkräftiger roter Riesenstern. Stünde unsere Sonne an seiner Stelle, so wäre sie mit bloßen Augen kaum zu sehen.

Den Raum im Südosten nimmt das Sternbild Jungfrau ein. Wie der Löwe gehört auch die Jungfrau zum Tierkreis, also jenen dreizehn Sternbildern, durch die Sonne, Mond und Planeten ziehen. Die Babylonier meinten hier Ishtar, die Königin der Sterne, zu sehen. Bei den Ägyptern symbolisierte dieses Sternbild die Gottheit Isis. In Indien sprach man von Kanya, der Mutter des großen Gottes Krishna. In Persien hieß das Bild Khusah, die Weizen- oder Kornähre. Bei den frühen Arabern gehörten die Sterne der Jungfrau zu einem riesigen Himmelslöwen. Später wurde von den Griechen die Gestalt einer Jungfrau erkannt. Auch die Römer sahen hier eine weibliche Gestalt: einmal Fortuna, die Glücksgöttin, dann wieder Urania, die Muse der Himmelskunde.

Der Hauptstern der Jungfrau heißt Spica. Der Name bedeutet Kornähre und ist ein Symbol der Fruchtbarkeit. Im Gegensatz zu Arktur strahlt Spica ein bläulich-weißes Licht aus. Denn sie ist an ihrer Oberfläche viel heißer als Arktur. Mit 260 Lichtjahren ist sie auch erheblich weiter als Arktur entfernt. Die drei Sterne Regulus, Arktur und Spica bilden das Frühlingsdreieck. Es markiert den Helligkeitsschwerpunkt des Frühlingshimmels und ist leicht zu erkennen.

Die Sonne erklimmt immer nördlichere Bezirke des Tierkreises. Am 18. verlässt sie nachmittags das Sternbild Fische und wechselt in das Sternbild Widder. Einen Tag später tritt sie fast auf die Stunde genau in das Tierkreiszeichen Stier. Ihre Mittagshöhe nimmt um gut zehn Grad zu, die Tageslänge wächst für 50° nördliche Breite um eine Stunde und 48 Minuten. (Hans-Ulrich Keller, dpa)

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