Stau auf dem Rhein

Die Havarie an der Loreley blockiert 273 Frachter / Kleinere Schiffe können passieren

Von Jörg Hunke

Schon erstaunlich, mit welcher Gelassenheit die Kapitäne auf dem Rhein warten. Autofahrer im Stau auf der Autobahn bekommen oft Wutanfälle, doch die Männer, die auf dem Mittelrhein seit einer Woche nicht von der Stelle kommen, bewahren die Ruhe. „Ein bisschen Kaffee trinken und das Schiff pflegen. So ganz viel gibt es nicht zu tun“, sagt der Niederländer Mario Wieland, als er von der Rhein-Zeitung auf seiner Brücke befragt wird.

273 Binnenschiffer kommen wegen des Tankerunglücks momentan auf dem Rhein nicht weiter, die Schiffe stauen sich zwischen Mainz und Burgbrohl (Kreis Ahrweiler) auf einer Strecke von 130 Kilometern. Und in den deutschen Häfen warten auch etliche Bootsbesatzungen. Bei den kleineren Schiffen beträgt der Verdienstausfall pro Tag bis zu 3000 Euro, bei den Containerschiffen sind es bis zu 5000 Euro. Stahl, Eisen, Dünger Futtermittel haben sie in der Regel geladen, manchmal auch Computer und Zuckerwürfel, selten verderbliche Ware. „Viele Kunden achten im Winter darauf, dass die Lager voll sind“, sagt Jörg Rusche vom Bundesverband der Deutschen Binnenschiffahrt im Gespräch mit der FR und erklärt so, warum es bisher kaum zu Versorgungsengpässen gekommen sei. Doch inzwischen melden erste Unternehmen Probleme. Beim Chemieriesen BASF in Ludwigshafen muss die Produktion einzelner Substanzen heruntergefahren werden, weil Rohstoffe fehlen. Außerdem ist der Transport fertiger Stoffe in Richtung Nordsee zurzeit nicht möglich.

Aber inzwischen ist Bewegung in den Schiffsstau gekommen, denn einige kleine Frachter dürfen die Unfallstelle passieren. Bis ein geregelter Schiffsverkehr möglich wird, werden aber noch Tage vergehen, denn die Bergung des havarierten Schiffs ist nicht einfach. Noch immer schwimmt die 110 Meter lange „Waldhof“ mit knapp 2?400 Tonnen Schwefelsäure an Bord in dem Fluss. Am Morgen des 13. Januar ist sie nahe des Loreleyfelsens gekentert, zwei Besatzungsmitglieder haben überlebt, zwei werden seitdem vermisst und sind vermutlich tot.

Zwei Schwimmkräne aus Duisburg sind am Donnerstagnachmittag an der Unglücksstelle eingetroffen. Das Hochwasser hatte ihre Anreise erschwert, sie konnten die Brücken über die Ruhr wegen des hohen Wasserstands zunächst nicht passieren. Mit den Kränen soll dann die „Waldhof“ aufgerichtet werden. Unterstützung kommt von einer niederländischen Firma, die vor zehn Jahren an der Bergung des russischen Atom-U-Boots „Kursk“ beteiligt war. Das Gerät aus Rotterdam wird am Wochenende erwartet.

An der Unfallstelle nahe St. Goarshausen erinnert der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch an die Gefahren der Bergung. Der SPD-Politiker bittet die Menschen, sich von dem Tanker fernzuhalten. Es dürfe nicht sein, dass sich Katastrophentouristen in Gefahr bringen. „Der Tanker steht unter Druck und hat eine hochkonzentrierte Chemikalie an Bord“, sagt Bruch.

In Bad Salzig wird der niederländische Kapitän Mario Wieland wohl noch eine Menge Geduld aufbringen müssen. Sein 186 Meter langer Frachter mit 238 Containern gehört nicht zu den Schiffen, die die Unglücksstelle bald passieren dürfen. Versorgt wird er jedenfalls vom Technischen Hilfswerk, das den Besatzungen mit kleinen Booten Lebensmittel und frisches Trinkwasser liefert.

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