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In Norddeutschland gelten der 11. bis 13. Mai als Eisheilige, im Süden und Südosten allerdings zählt der 11. Mai nicht dazu.

Frost im Mai

Eis statt Schweiß

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Mit Frost und Kälte machen die Eisheiligen derzeit ihrem Namen alle Ehre.

Wenn das kein Absturz war. Am Wochenende chillten viele coronagelockerte Bundesbürgerinnen und Bundesbürger noch in der Sonne, die Rekordtemperatur lag bei 27 Grad – und am Montag gab es dann teils nur noch einstellige Werte.

Pünktlich zu den „Eisheiligen“, die vom 11. bis 15. Mai im Kalender stehen, gingen die Temperaturen wegen einer Nordwetterlage in den Keller, begleitet von Schmuddelwetter. Dazu passend eine auf 600 bis 800 Meter sinkende Schneefallgrenze mit Nassschnee und entsprechender Glätte. Für die Nacht zum heutigen Dienstag wurde Frost bis minus fünf Grad in Bodennähe erwartet.

In den letzten Jahren sind die Eisheiligen oft ganz ausgeblieben, oder haben sich in der Woche vertan, es kam zu Kaltluft-Einbrüchen bereits Anfang oder erst Ende Mai. Fröste traten dabei immer seltener auf. Klimaforscherinnen und Klimaforscher führen diese Veränderungen auf den Klimawandel zurück.

Mit der Erwärmung der globalen Atmosphäre fallen auch die Kaltlufteinbrüche aus Richtung Norden immer weniger frostig aus. In Deutschland sind die Temperaturen im Mittel um 1,5 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit angestiegen, und auch in diesem Jahr waren die ersten vier Monate wärmer als normal.

Diesmal aber machen die „Eis“-Heiligen ihrem Namen wieder einmal alle Ehre. Auf der Rückseite einer Kaltfront eines Tiefs über Skandinavien gelangt Kaltluft nach Deutschland – genau zum Tag des „Mamertus“. Die Tage sind benannt nach frühchristlichen Bischöfen und Märtyrern: neben Mamertus noch Pankratius, Servatius, Bonifatius, Sophia. Traditionell gilt der Mai in Deutschland als erster Monat, in dem die Temperaturen in die Wohlfühl-Region um die 20 Grad steigen – der berühmte „Wonnemonat“.

Doch das gute Wetter kann immer wieder durch arktische Polarluft unterbrochen werden, die in aufgrund von Nord- oder Nordwest-Wetterlagen auf direktem Weg Richtung Europa strömt. Die Temperaturen fallen und es gibt Bodenfrost. In Norddeutschland gelten der 11. bis 13. Mai als Eisheilige, im Süden und Südosten allerdings zählt der 11. Mai nicht dazu.

„Die eintägige Differenz besteht, weil die Kaltluft bei Eintritt der Nordwetterlagen rund 24 Stunden braucht, um von der Küste bis zu den Alpen vorzudringen“, erläutert der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Dafür kommen hier der 14. und der 15. Mai hinzu.

Vor allem Landwirtinnen und Landwirte, Gärtnerinnen und Gärtner fürchten die Eisheiligen, denn oft können schon geringe Minusgrade Schäden an neuen Kulturen auslösen – freilich unabhängig davon, an welchem Maitag genau der Frost zuschlägt. Auch eine bekannte Bauernregel behandelt das Thema mit dem Frost im Mai.

Sie entstand vermutlich während einer Kälteperiode im Mittelalter und besagt, dass das milde Frühlingswetter erst nach der „kalten Sophie“ am 15. Mai stabil und für den Anbau ungefährlich wird – „Pflanze nie vor der kalten Sophie“; „Oft hat Sophie Frost gebracht und manche Pflanze totgemacht“; „Die kalte Sophie macht alles hie“.

Bisher gelten die Eisheiligen bei Wetterexpertinnen und -experten als „Singularität“ – eines der regelmäßig wiederkehrenden Wetterphänomene wie der Märzwinter, die Hundstage oder der Altweibersommer. Dieses Jahr unterstreicht diese Einordnung.

Ob es auf Dauer so sein wird – daran haben die Offenbacher DWD-ler Zweifel. Die Maiwoche 2020 könnte ein frostiger Ausreißer im allgemeinen Erwärmungstrend sein. Die Frage sei berechtigt, ob noch von einer „echten Singularität“ gesprochen werden könne, sagen sie. Und erinnern: „Gelegentlich wurden die Eisheiligen bei Tageshöchsttemperaturen von über 25 Grad sogar zu ,Schweißheiligen‘.“

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