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An Europas siebtgrößtem Flughafen London-Gatwick ist es zu massiven Behinderungen im Luftverkehr gekommen.

Flughafen Gatwick

Start- und Landebahn vorerst wieder geöffnet

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Drohnenflüge legen Gatwick zwei Tage lang lahm. Jetzt ist die Start- und Landebahn des Londoner Flughafens wieder offen. Eine Entwarnung gibt es aber noch nicht.

Nach Drohnensichtungen am Mittwoch und Donnerstag und dem damit verbundenen Stillstand wegen einer Drohnen-Störaktion ist der Betrieb am Londoner Flughafen Gatwick teilweise wieder aufgenommen worden. „Die Start- und Landebahn in Gatwick ist derzeit geöffnet, und eine begrenzte Zahl von Flügen sind für Abflug und Landung eingeplant“, hieß es am Freitagmorgen auf der Webseite des Flughafens.

In einer zuvor veröffentlichten Erklärung hatte Gatwick verlauten lassen, es arbeite mit Fluggesellschaften und Fluglotsen zusammen, um in den nächsten Stunden eine begrenzte Anzahl von Flügen zu ermöglichen. Die Passagiere werden dennoch weiter aufgefordert, noch vor ihrer Anreise zum Flughafen mit ihrer Fluggesellschaft abzuklären, ob ihr Flug freigegeben werde oder nicht. Es werde weiterhin zu Verspätungen und Ausfällen von Flügen kommen.

Easyjet kündigte derweil an, fliegen zu wollen. Der irische Billigflieger Ryanair hatte dagegen kurz zuvor angekündigt, alle für Gatwick geplanten Flüge stattdessen vom Londoner Flughafen Stansted starten oder dort landen zu lassen. Die Kunden seien informiert worden, sagte Ryanair auf seiner Webseite.

Abschuss der Drohne eine Option

Unterdessen erklärte die Polizei, dass, sollte die Drohne weiterhin gesichtet werden,  auch der Abschuss der Drohne eine „taktische Option“ sei: „Wir werden tun, was wir können, um diese Drohne vom Himmel zu holen und die Störung zu beseitigen, sodass wir Gatwick wieder zum Normalzustand bringen können“, sagte Kriminalhauptkommissar Jason Tingley. Bislang wollte die Polizei einen Einsatz von Schusswaffen aus Sorge vor Irrläufern vermeiden.

Tingley geht davon aus, dass der Drohnen-Lenker gezielt Störungen im Flugbetrieb herbeiführen will. Nach britischem Recht ist es verboten, Drohnen in der Nähe von Flugzeugen und Flughäfen fliegen zu lassen, außerdem dürfen sie eine Höhe von 122 Metern nicht übersteigen.

Gatwick seit Mittwochabend weitgehend lahmgelegt

Drohnenflüge hatten ab Mittwochabend den zweitgrößten britischen Flughafen weitestgehend lahmgelegt. Seitdem war in Gatwick - abgesehen von einer dreiviertelstündigen Unterbrechung - kein einziges Flugzeug mehr gelandet oder gestartet. Ankommende Maschinen mussten umgeleitet werden und teils hunderte Kilometer entfernte Airports wie Amsterdam und Paris ansteuern. Zehntausende Passagiere strandeten.

Der siebtgrößte Flughafen Europas war bereits am späten Mittwochabend wegen der Sichtung einer Drohne geschlossen worden. Viele Passagiere saßen stundenlang in ihren startklaren Maschinen fest, während ankommende Flugzeuge zu - teils hunderte Kilometer entfernten - Flughäfen umgeleitet wurden. Am frühen Donnerstagmorgen waren für kurze Zeit Flüge gestattet worden, bevor der Flughafen nach erneuter Drohnensichtung erneut geschlossen wurde. Alleine am Mittwochabend waren nach Angaben eines Flughafensprechers 10.000 Passagiere betroffen, von der Schließung am Donnerstag sollen weitere 110.000 Menschen betroffen gewesen sein.

Ob der Flughafen am Freitag öffnen kann, ist derzeit unklar. Trotz des Einsatzes von Armee und Polizei wurden am Donnerstagabend wieder Flugroboter über dem Rollfeld gesichtet, sodass das Start- und Landeverbot bis auf Weiteres in Kraft bleibt. „Wir haben Schätzungen, was die Größe der Drohne angeht und wissen ungefähr, wie sie aussieht“, zitiert die BBC einen beteiligten Polizisten. Den genauen Typ habe man jedoch noch nicht identifiziert. Nach Angaben der Polizei von Sussex gab es etwa 50 Meldungen von Drohnensichtungen in der Nähe des Flughafens Gatwick.

„Es handelt sich um eine ernsthafte Angelegenheit“, sagte ein Sprecher der Premierministerin Theresa May. „Das Ziel ist es, dass diese Angelegenheit so schnell wie möglich zu einem Abschluss gebracht werden soll.“

Passagiere, die vom Flughafen Gatwick abfliegen oder dort ankommen sollen, werden gebeten, sich bei ihrer Fluglinie über die Situation zu informieren. Der Billigflieger Ryanair hat bereits angekündigt, dass am Freitag alle Flüge, die über den Flughafen Gatwick abgewickelt werden sollten, vom Flughafen London Stansted abfliegen und dort landen.

Nach Angaben der Polizei von Sussex gibt es derzeit keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Allerdings handele es sich bei den Störungen um eine „absichtliche Handlung“, die sie mit allen verfügbaren Mitteln unterbinden werde. Eine Drohne sei in der Nacht zu Donnerstag „aufgetaucht und verschwunden, aufgetaucht und verschwunden“, sagte Flughafenchef Chris Woodroofe dem Sender Sky News am Donnerstagmorgen. „Während ich hier stehe und wir sprechen, ist eine Drohne über meinem Flugfeld“, so Woodroofe.

Behinderungen durch Drohnen sind auch an deutschen Flughäfen alles andere als unbekannt. Der Deutschen Flugsicherung (DFS) zufolge wurden in diesem Jahr bis einschließlich November 152 Behinderungen gemeldet. Im bisherigen Rekordjahr 2017 waren es nur 88 Fälle. (mit dpa)

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