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Ein Lichtschwert gehört zur Grundausstattung jedes ordentlichen Jedi-Ritters.

Technik-Entwicklungen

Star Wars und die Wirklichkeit

Auch wenn das Lichtschwert noch auf sich warten lässt: Science Fiction-Geschichten haben seit jeher reale Entwicklungen vorweggenommen – zum Beispiel Laserkanonen.

Zurzeit fliegen im Kino wieder Raumschiffe im Hyperraum, werden Lichtschwerter geschwungen und Laserwaffen abgefeuert. Doch wie viel wissenschaftliche Realität steckt in den „Star-Wars“-Filmen wie dem aktuellen Werk „Der Aufstieg Skywalkers“? Könnten sie Wissenschaft und Technik inspirieren, haben sie das gar schon?

Grundsätzlich findet es Andreas Böhn vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) nicht verwunderlich, dass in Science-Fiction-Geschichten wissenschaftliche oder technische Entwicklungen vorweggenommen werden: „Die Autoren sind oft wissenschaftlich interessierte Laien oder sogar selbst Wissenschaftler“, sagt der Literaturwissenschaftler. Sie griffen Ansätze aus dem wissenschaftlichen Feld auf und verbänden sie mit Wünschenswertem. Diese Wünsche würden dann in verschiedene Richtungen ausformuliert – wobei in den vergangenen Jahrzehnten negative Aspekte wie die Überwachung von Menschen oder die Herrschaft von Maschinen dominierten.

In der Vergangenheit haben manche Science-Fiction-Autoren über Dinge geschrieben, die verblüffend nah an einer späteren Realisierung waren. So ließ Jules Verne seine Helden im Roman „Von der Erde zum Mond“ von einer Stelle in Florida aus starten, die nicht weit entfernt liegt vom heutigen amerikanischen Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Und Herbert George Wells schrieb schon 1906 über Panzer, bevor sie zehn Jahre später im Ersten Weltkrieg erstmals eingesetzt wurden, wie Böhn sagt.

Wissenschaftler wiederum nutzen die Popularität von Science-Fiction, um Laien und potenzielle Studenten für ihre Forschung zu interessieren. So veranstaltete die University of Liverpool am 20. November ein „Physics of Star Wars“-Event. Dabei griffen Wissenschaftler Aspekte aus den „Star-Wars“-Filmen auf und verbanden sie mit ihren Forschungsprojekten.

„Die meisten Leute würden ein Lichtschwert aus Star Wars erkennen“, sagt Carsten Welsch von der University of Liverpool. Mit der Veröffentlichung von „Der Aufstieg Skywalkers“ hätten er und seine Mitarbeiter gedacht, es gäbe keinen besseren Weg, „unsere Arbeit in der Beschleunigerwissenschaft zu teilen, als sie ikonischen Szenen aus den Filmen gegenüberzustellen, um ihr zukünftiges Potenzial hervorzuheben“.

So wurde der Hyperraum, in dem Raumschiffe bei „Star Wars“ in extrem hoher Geschwindigkeit große Entfernungen zurücklegen, mit aktuellen Entwicklungen bei Teilchenbeschleunigern verknüpft. Die fortschrittlichsten Arten der Beschleunigung verwenden ein Plasma, ein sehr heißes, elektrisch leitendes Gas. Diese Form der Beschleunigung wird in europäischen Projekten untersucht, an denen die University of Liverpool beteiligt ist.

Andere Technologien wie die Protonentorpedos, mit denen Luke Skywalker den ersten Todesstern sprengt, finden in ganz anderer Weise Anwendung: So zeigte man in Liverpool, wie Protonenstrahlen bei der Bekämpfung von Tumoren eingesetzt werden können. Dabei galt es zunächst, Protonenstrahlen besser zu kontrollieren, um sie für die Zerstörung eines tief im Körper verborgenen Tumors einsetzen zu können. Um den Behandlungsstrahl zu charakterisieren, ohne ihn zu berühren, zielt die Forschung in Liverpool dabei auf die Verwendung eines Monitors ab, der ursprünglich für den Large Hadron Collider (LHC) am Teilchenforschungszentrum Cern in der Schweiz entwickelt wurde.

Eher fantasievoll ist die Verbindung zwischen der hellen und der dunklen Seite der Macht und dem Verhältnis vom Materie und Antimaterie. Letztere besteht aus Antiteilchen, die sich oft in einer Eigenschaft von Materieteilchen unterscheiden: So ist das Antiteilchen des negativ geladenen Elektrons positiv geladen und wird deshalb Positron genannt. Während das Proton eine positive Elementarladung trägt, ist – bei gleicher Masse – die elektrische Ladung des Antiprotons negativ. Weshalb die uns bekannte Welt aus Materie und nicht aus Antimaterie besteht, ist eines der ungelösten Rätsel der Physik.

Andere Elemente aus den Filmen wie die „Droiden“ genannten Roboter scheinen der Verwirklichung nahe zu sein. Doch die Technik ist noch längst nicht so weit, Roboter so selbstständig handeln zu lassen wie es R2D2 oder C-3PO in „Star Wars“ tun. Vermutlich niemals werden sich Lichtschwerter realisieren lassen. Denn bisher kann sich niemand eine Möglichkeit vorstellen, einen Laserstrahl so abrupt enden zu lassen, wie es bei der Klinge des Lichtschwerts der Fall ist. Hubert Zitt von der Hochschule Kaiserslautern vermutet ein Plasma, das für die im Film gezeigten Schneideeigenschaften allerdings eine Temperatur von 200 Millionen Grad haben müsste. Entsprechend schwierig wäre es zu handhaben.

Wirklichkeit geworden sind bereits Laserkanonen: Die US-Marine demonstrierte vor fünf Jahren deren Wirkung an einem Schiff, kürzlich stellte die Firma Rheinmetall die neueste Generation vor. Mit den neuen Laserkanonen können beispielsweise Stahlträger in einem Kilometer Entfernung geschmolzen und kleinere Drohnen vom Himmel geholt werden. Das Problem bei den Drohnen ist allerdings das Tracking, also das Verfolgen des Objekts, damit der Laserstrahl genügend Energie übertragen kann, um eine Drohne zum Absturz zu bringen. Außerdem wird der Einsatz bei verschiedenen Witterungsverhältnissen getestet.

Kürzlich wurde eine weitere Technologie aus einer „weit, weit entfernten Galaxis“ Wirklichkeit: ein bewegtes Hologramm mit Klängen. Allerdings sind diese Lichterscheinungen recht klein und basieren auf einem Polystyrol-Kügelchen, auf das mit rotem, grünem und blauem Licht ein dreidimensionales und vielfarbiges Bild projiziert wird. Das Kügelchen wird durch den Schalldruck aus Ultraschall-Lautsprechern blitzschnell hin- und herbewegt. Mit einer speziellen Veränderung sind die Lautsprecher auch in der Lage, hörbare Klänge zu erzeugen.

Eine andere Film- und Fernsehserie habe Wissenschaft und Technik insgesamt noch mehr inspiriert als „Star Wars“, betont Metin Tolan von der Technischen Universität Dortmund: „Star Trek“ („Raumschiff Enterprise“). Der Experimentalphysiker hat ein Buch über die Star-Trek-Physik geschrieben und kennt eine ganze Reihe von seriösen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die von der Serie inspiriert sind. So wurde die theoretische Machbarkeit eines Warp-Antriebs untersucht, der durch das gezielte Krümmen der Raumzeit Überlichtgeschwindigkeit erreichen kann. Die vor einigen Jahren erfolgreich gezeigte Quantenteleportation ist nach Tolans Ansicht vom berühmten „Beamen“ in Star Trek inspiriert.

Mehr noch als die theoretische Wissenschaft seien technische Entwicklungen angeregt worden. Bereits in der ersten Staffel der Fernsehserie von 1966/67 kommt ein Rollstuhl vor, der mit Gedanken gesteuert werden kann – solch ein Gerät gibt es mittlerweile. „Während Captain Kirk noch Knöpfe drücken musste, brauchte Captain Picard nur noch zu wischen“, erläutert Tolan einen der technischen Fortschritte, die bei „Star Trek – The Next Generation“ ab 1987 zu sehen sind. In dem Gerät, auf dem Picard herumwischt, sieht Tolan einen Tablet-Computer, wie er 2010 erstmals mit dem iPad von Apple vorgestellt wurde. Überhaupt hätten die Kommunikatoren bei Mobiltelefonen Pate gestanden, vermutet Tolan.

Die „Star-Wars“-Filmreihe erstreckt sich von Episode 1 bis Episode 9 über einen Zeitraum von 67 Jahren. Die ganze Zeit über sind die Droiden R2D2 und C-3PO im Einsatz, ohne dass sie im Filmuniversum veraltet erscheinen. Dies wirkt wiederum eher märchenhaft: Die technische Entwicklung unserer heutigen, technisch weniger fortgeschrittenen Wirklichkeit verläuft erheblich schneller – R2D2 und C-3PO wären wohl längst verschrottet oder stünden im Museum. (Stefan Parsch, dpa)

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