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Stangenbrot im Angebot

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Von: Stefan Brändle

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Wie viel darf ein Baguette kosten?
Wie viel darf ein Baguette kosten? © Daniel Karmann/dpa

Zu billig? Frankreich streitet um Baguettepreis.

Die französische Supermarktkette Leclerc hat einen Coup gelandet: Sie verkauft Baguette für die Dauer von sechs Monaten für 29 Cents. Das ist in etwa ein Viertel des Preises, den man in einer normalen Pariser Bäckerei für das knusprige Stangenbrot zahlt.

Wie Leclerc damit auf seine Margen kommt, ist unbekannt. In Frankreich ist es an sich verboten, Nahrungsmittel unter den Herstellungskosten zu verkaufen. Branchenfachleute gehen davon aus, dass die 720 Leclerc-Märkte im Land die Zutaten ausdünnen und auf Quantität setzen, um en masse neue Kundinnen und Kunden anzuziehen. Schon immer gut darin, mit Billigaktionen gegen den Strom zu schwimmen, setzte Michel-Edouard Leclerc im Radio noch einen drauf: Der 69-jährige Einzelhändler wirft seinen Konkurrenten implizit vor, sie nähmen die Inflation zum Anlass, die Kund:innen zu schröpfen. Dabei mache er nicht mit.

Die spektakuläre Leclerc-Operation sorgt über die Branche hinaus für einen Aufschrei – und wird in der aktuellen Inflationsphase ein brisantes Politikum. Dominique Anract von der Bäckerei-Vereinigung bezeichnet das Vorgehen als „provokant, schockierend, skandalös und schändlich“. Die Vorsteherin des Landwirtschaftsverbandes FNSEA, Christine Lambert, stimmte ihm bei und sagte, die Supermarktkette verachte mit ihrem „Lowcost-Baguette“ die Arbeit von Brothersteller:innen, „die täglich um drei oder vier Uhr aufstehen“.

Der Regierung in Paris kommt die PR-Aktion auch ungelegen. In Frankreich stehen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen an, Staatschef Emmanuel Macron hat schon Mühe, im laufenden Wahlkampf die Lage an der Covid-Front unter Kontrolle zu halten. Er weiß, wie heikel das Thema Inflation ist, und wie rasch sich die Stimmung im Land gegen die Staatsführung wenden kann.

Wirtschaftsminister Bruno Lemaire hat in der vergangenen Woche angekündigt, dass er den Strompreis blockieren werde, wenn er im laufenden Jahr vier Prozent übersteige. Wenn nun gewiefte Einzelhändler beginnen, die Preise zu manipulieren, ist weitere Gefahr im Verzug. Der Gelbwestenaufstand vor drei Jahren sitzt Macron bis heute in den Knochen. Die Verteuerung von Grundnahrungsmitteln, der Energie sowie von Dienstleistungen trifft vor allem die Ärmeren, oft Sympathisanten der „gilets jaunes“.

Auch Regierungsvertreter machen Stimmung gegen Leclerc und appellieren an den Nationalstolz der Menschen. Sie erinnern daran, dass Frankreich um die Aufnahme der Baguette ins Unesco-Weltkulturerbe ersucht. Die Billigversion erweise der Kandidatur einen schlechten Dienst, zumal sie laut ersten Käuferinnen und Käufern eher nach Karton schmeckt.

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