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Zwei Krähen streiten sich am Bayerischen Platz in Leipzig um Lebensmittelreste in einer Plastiktüte.

Essensreste

Stadtkrähen haben höhere Cholesterinwerte

Burger und Pommes bleiben auch für die Vögel nicht ohne Folgen – doch Schaden nehmen sie offenbar nicht.

Viel Fast Food kann Folgen haben. Das bekommen auch Tiere zu spüren, die gern weggeworfene Essensreste vertilgen. Stadtkrähen zum Beispiel haben einen höheren Cholesterinspiegel im Blut als ihre Artgenossen auf dem Land, berichten Forscher im Fachmagazin „The Condor: Ornithological Applications“. Folgen für die Gesundheit ließen sich allerdings nicht erkennen – womöglich, weil das viele Fett und die vielen Kalorien in Fast Food die Überlebensaussichten der Vögel im Gegenzug verbessern.

Die Wissenschaftler um Andrea Townsend vom Hamilton College in Clinton (US-Staat New York) hatten Blutproben von 140 Krähenküken aus 66 Nestern in ländlichen bis zunehmend urbanen Gegenden der Stadt Davis in Kalifornien genommen. Je städtischer ihre Nestumgebung war, desto höher lag der Cholesterinspiegel der Küken, mit umso mehr Fast-Food-Resten waren sie also offenbar gefüttert worden. Erfasst wurde auch die Überlebensrate der flügge gewordenen Amerikanerkrähen (Corvus brachyrhynchos).

Um den Effekt menschlicher Essensreste direkt zu untersuchen, sammelten die Forscher außerdem Daten von 86 Krähenküken in der Stadt Clinton (US-Staat New York), von denen ein Teil regelmäßig mit Cheeseburgern gefüttert wurde. Die mit Fast Food versorgten Küken hatten ein merklich höheres Cholesterinlevel im Blut als Küken aus Krähenfamilien, die sich komplett selbst versorgen mussten.

Schwieriger zu beantworten sei die Frage, ob die erhöhten Werte den Vögeln gesundheitlich schaden, so die Forscher. Zwar habe die Überlebensrate der untersuchten kalifornischen Küken in den ersten drei Lebensjahren bei Landkrähen höher gelegen als bei ihren städtischen Artgenossen. Die Cheeseburger-Krähen in Clinton aber seien in besserer körperlicher Verfassung gewesen als der Selbstversorger-Nachwuchs.

Bei allem Negativem, das über Cholesterin berichtet werde, dürfe nicht vergessen werden, dass die Substanz auch Vorteile habe und für viele wesentliche Körperfunktionen entscheidend sei, erklärte Townsend. „Es ist ein wichtiger Teil unserer Zellmembranen und Komponente einiger essenzieller Hormone.“ Bekannt sei, dass hohe Cholesterinwerte beim Menschen Krankheiten verursachen – wo dieser Wert bei einem Wildvogel liege, sei bisher unklar.

Cheeseburger oder andere verarbeitete Lebensmittel ins Vogelhäuschen zu legen, sei jedenfalls nicht zu empfehlen, so Townsend. Das könne sehr wohl negative Konsequenzen haben, die bisher nicht bekannt oder erst nach längerer Zeit sichtbar seien.

Auch bei anderen Stadttieren wie Spatz und Fuchs wurden bereits erhöhte Cholesterinspiegel nachgewiesen. Versuche an Labortieren hätten gezeigt, dass ein höheres Level der Substanz ähnlich wie beim Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehe, erläutern die Forscher. Welchen Einfluss der vermehrte Eintrag von Cholesterin in die Nahrungskette auf Wildtierpopulationen hat, sei bisher noch weitgehend unklar.

Vor einigen Jahren hatte Forscher der North Carolina State University in Raleigh berichtet, dass Insekten und andere Krabbler in New York allein auf den Mittelstreifen von Broadway und West Street Essensreste im Umfang von jährlich etwa 60 000 Hotdogs verputzen. Diese Form der Abfallbeseitigung habe einen positiven Nebeneffekt, schrieben die Forscher damals: Je mehr Essensreste die Tiere vertilgen, desto weniger bleibe für Ratten und Tauben.

Der Körper braucht Cholesterin etwa für den Zellaufbau, für die Bildung von Vitamin D und zur Produktion des Sexualhormons Östrogen. Einen Großteil des fettähnlichen Stoffes stellt er selbst her, aber auch durch fettreiche Nahrung wird die Substanz aufgenommen. Ist der Cholesterinspiegel dauerhaft erhöht, drohen Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall. (Annett Stein, dpa)

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