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Neonazi „SS-Siggi“ beerdigt: Hunderte Rechtsextreme bei Trauerfeier

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Von: Tim Vincent Dicke

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Dortmunder Neonazi Siegfried Borchardt
Der Dortmunder Neonazi Siegfried Borchardt ist beerdigt worden. (Archivbild) © Christoph Reichwein/imago

Rechtsradikale nehmen in Dortmund Abschied von Siegfried Borchardt. Der als „SS-Siggi“ bekannt gewordene Neonazi starb bereits vor mehreren Monaten.

Dortmund – Der Neonazi Siegfried Borchardt ist am Freitag (21.01.2022) in Dortmund beerdigt worden. Zahlreiche Rechtsextreme kamen zur Trauerfeier des Mannes, der als „SS-Siggi“ bundesweite Bekanntheit erlangte. Nach Angaben der Polizei begleiteten rund 250 Neonazis die Beerdigung auf dem Hauptfriedhof im Dortmunder Stadtteil Brackel. Wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet, wurde die Veranstaltung von einem großen Polizeiaufgebot sowie zahlreichen Journalistinnen und Journalisten begleitetet.

Die Trauerfeier begann auf dem Hauptfriedhof gegen 10.00 Uhr. Wenige Stunden später, um 12.40 Uhr, teilte die Polizei mit, dass die Beerdigung zu Ende sei. „Bislang kam es im Umfeld dieser Beisetzung aus polizeilicher Sicht zu keinen besonderen Vorkommnissen“, so die Dortmunder Behörde auf Twitter. Vereinzelt gab es jedoch Anfeindungen gegen anwesende Vertreterinnen und Vertreter der Presse, berichteten diese.

Beerdigung von „SS-Siggi“ in Dortmund: Siegfried Borchardt war ein brutaler Neonazi

Borchardt starb im Oktober 2021 im Alter von 67 Jahren. Wie die neonazistische Kleinstpartei „Die Rechte“ auf ihrer Webseite mitteilte, starb der Neonazi nach einem kurzen Aufenthalt in einer Klinik. Zu Lebzeiten war „SS-Siggi“ Mitglied vieler rechtsextremer Gruppierungen. Unter anderem war er Mitbegründer der „Borussenfront“ – ein Zusammenschluss rechtsradikaler Hooligans von Borussia Dortmund.

Seinen Spitznamen „SS-Siggi“ erhielt Borchardt unter anderem nach einer Haftstrafe in den 80er-Jahren. Er war zuvor wegen Körperverletzung und Vandalismus verurteilt worden. Gewalttaten gegen Menschen mit Migrationshintergrund waren während Borchardts Zeit in der „Borussenfront“ regelmäßig auf der Tagesordnung.

Im Jahr 2014 gewann Borchardt mit der Partei „Die Rechte“ ein Mandat im Dortmunder Stadtrat. Am Wahlabend versuchten er und andere Neonazis das Rathaus unter „Siggi, Siggi, Siggi“-Rufen zu stürmen. Dabei schlugen die Rechtsextremisten auf Politikerinnen und Politiker anderer Parteien ein. Dem Fernsehmagazin Spiegel TV sagte Borchardt, dass er sich nicht über den Spitznamen „SS-Siggi“ freue. Dieser Begriff stamme von einem Stern-Journalisten. Man solle ihn lieber mit „SA-Siggi“ ansprechen, erklärte er damals vor laufender Kamera.

„SS-Siggi“ in Dortmund beerdigt: Auch jüdische Gräber auf dem Friedhof

Heikel bei der Trauerfeier am Freitag war, dass sich auf dem Hauptfriedhof in Dortmund auch der jüdische Friedhof befindet. Laut WAZ gibt es seit 25 Jahren zudem einen Abschnitt für muslimische Begräbnisse. Die Polizei kündigte daher im Vorfeld an, sie werde „den sensiblen Teil des Friedhofs schützen“ und „mit aller Konsequenz gegen Straftäter vorgehen“. Bei einem „Trauermarsch“ für Siegfried Borchardt im vergangenen Jahr war es beinahe zu Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Gegendemonstrierenden gekommen.

Nach Angaben des Nachrichtenportals T-Online.de trugen einzelne Redner auch politische Parolen vor – obwohl offiziell nur eine Trauerfeier angemeldet wurde. Dem Bericht nach bekamen sie von den Teilnehmenden keinen Applaus. Verunsichert, wie sich auf der Beerdigung verhalten sollen, hätten sie nur still dagestanden. (tvd)

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