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Die südkoreanische Serie „Squid Game“ gilt schon jetzt als eine Art Kult.
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Die südkoreanische Serie „Squid Game“ gilt schon jetzt als eine Art Kult.

Netflix-Serie

Squid Game: Studie zeigt erstaunliche Ergebnisse – YouTuber lässt Netflix-Hit nachspielen

  • VonMirko Schmid
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Die südkoreanische Netflix-Serie hat zahlreiche Streaming-Rekorde gebrochen. Eine Studie legt nahe, dass vor allem junge Menschen weniger Probleme mit Gewalt haben.

Frankfurt – Die Netflix-Serie „Squid Game“ ist erst rund zwei Monate alt und gilt doch schon als eine Art Kult. Mehr als 100 Millionen Abrufe hat das südkoreanische Machwerk zu verzeichnen und war in zahlreichen Ländern auf dem ersten Platz der Charts des Streamingdienstes. Und die Gesellschaftssatire, die 456 hoch verschuldete Menschen um Hauptfigur Gi-hun in tödlichen „Spielen“ mit- und gegeneinander antreten lässt, ist längst in den Alltag gesickert.

So kam es etwa in zahlreichen Schulen und sogar Kitas dazu, dass Kinder die in „Squid Game“ gezeigten „Spiele“ nicht nur nachspielten, sondern teilweise auch Verlierer mit Prügel bestraften. Dies führte unter anderem dazu, dass Schul- und Kitaleitungen Eltern dazu aufriefen, ihre Kinder die zum Teil blutige Serie nicht anschauen zu lassen. Psychologen warnten vor Traumatisierungen. Und eine Frau in Südkorea wurde mit zig Anrufen überhäuft, da ihre Nummer zufälligerweise in „Squid Game“ auftauchte.

Mehr als 4000 verschiedene Nummern der ungebetenen Anrufer hat die Betroffene laut der K-Drama-Seite KBizoom bereits löschen müssen, der Akku des Telefons stöhnt unter den häufigen Anrufen und Nachrichten und läuft regelmäßig rasch leer. Das führte dazu, dass Netflix sich dazu veranlasst sah, der Frau eine Million Won als Kompensation anzubieten. Diese Summe entspricht aktuell rund 725 Euro.

Studie: 93 Prozent halten „Squid Game“ für „brutal“ – und geben doch 4 von 5 Sternen

Das Institut für Generationenforschung in Augsburg stellte der Frankfurter Rundschau exklusiv Ergebnisse einer breit angelegten Umfrage zur Verfügung. Insgesamt 2025 Personen wurden repräsentativ ausgewählt und nach verschiedenen Kriterien befragt. Die so gesammelten Daten zeigen zum Teil erstaunliche Tendenzen auf.

Obwohl etwa 93 Prozent der Befragten „Squid Game“ als „brutal“ einordnen, erreicht die Serie vier von fünf möglichen Sternen. Dabei gilt: Je jünger die Befragten waren, desto besser wurde die Serie bewertet. Generell scheint die jüngere Generation weniger Probleme mit der Gewaltdarstellung der Netflix-Serie zu haben. Doch auch zwischen den Geschlechtern zeigen sich signifikante Unterschiede. Während 83 Prozent der über 50-jährigen Frauen auf die Frage, ob sie „Squid Game“ als „brutal“ bezeichnen würden „voll und ganz“ zustimmten, stimmten ihnen nur 40 Prozent der gleichaltrigen Männer zu. In der Altersgruppe unter 26 Jahren stimmten 69 Prozent der Frauen und 56 Prozent der Männer „voll und ganz“ zu.

Diplom-Psychologe Rüdiger Maas, Leiter des Instituts für Generationenforschung, sieht darin einen sich festigenden Trend: „Bereits 2018 haben wir in der Generation Thinking Studie herausgefunden, dass sich die Einstellungen der Geschlechter in der jüngeren Generation immer weiter angleichen. Auch in dieser Umfrage zeigt sich: Je jünger die Befragten, desto geringer ist der Unterschied im Antwortverhalten zwischen den Geschlechtern.“

Studienleiter Maas über „Squid Game“: „Jugend emotional abgestumpft“

Weitere Fragestellungen bestätigten, dass vor allem ältere Menschen Negatives mit „Squid Game“ verbinden. So gaben 41 Prozent der über 50-Jährigen an, die Netflix-Serie als „belastend“ empfunden zu haben. In der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen immer noch 35 Prozent, wohingegen nur noch rund die Hälfte der 27- bis 39-Jährigen und der unter 26-Jährigen zustimmten (17 respektive 18 Prozent).

SerieSquid Game
StremingdienstNetflix
Erstausstrahlung17. September 2021
GenreGesellschaftssatire/Drama/Horror
IdeeHwang Dong-hyuk

„Hier scheint bezogen auf den Medienkonsum von Extremdarstellungen eine Desensibilisierung stattgefunden zu haben“, schlussfolgert Institutsleiter Maas, „durch den frühen Umgang mit digitalen Medien werden Jugendliche im frühen Alter schon mit viel Gewalt in den Medien konfrontiert, was sie gegebenenfalls bezogen auf derartige Serien emotional abstumpfen lässt.“ Doch nicht nur das: „Viele streben nach immer mehr und immer extremeren Inhalten.“

Das zeigt sich auch in der Bewertung hinsichtlich einer Altersfreigabe. Während Netflix ein Mindestalter von 16 Jahren empfiehlt, haben sich die Befragten aller Altersklassen dafür ausgesprochen, die Serie erst ab 18 Jahren freizugeben. Auch hier zeigt sich eine Treppe: je älter die Befragten, desto größer die Zustimmung zu einer strengeren Altersfreigabe. Während die unter 26-Jährigen nur zu etwas mehr als der Hälfte eine Freigabe ab 18 befürworten, sind es in der Altersgruppe über 65 Jahren mehr als drei Viertel.

90 Prozent der Studienteilnehmer wollen Kinder von „Squid Game“ fernhalten

In ihrer großen Mehrheit sind sich alle Befragten darin einig, dass „Squid Game“ nichts für Kinder ist. 90 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass das Anschauen von „Squid Game“ negative Auswirkungen auf Kinder hat. 66 Prozent halten das Nachahmen der Serie unter Kindern für „sehr problematisch“, lediglich 30 Prozent sagen dasselbe über das Spielen mit Spielzeugpistolen. Gerade einmal fünf Prozent der Befragten gaben an, dass Eltern ihren Kindern erlauben sollten, „Squid Game“ zu schauen.

Allerdings gibt es auch in dieser Frage enorme Differenzen zwischen den Altersgruppen. Während etwa 80 Prozent der über 40-Jährigen angaben, dass Kinder durch das Anschauen von „Squid Game“ „abstumpfen“ würden, stimmten dieser Aussage nur 48 Prozent der unter 27-Jährigen zu.

Und die Studie förderte ein weiteres erstaunliches Ergebnis zutage. 93 Prozent nämlich gaben an, nicht selbst an einem „Spiel“ wie „Squid Games“ teilnehmen zu wollen. Dieselben Befragten allerdings trauten in ihrer überwiegenden Mehrheit anderen zu, sich eine Teilnahme vorstellen zu können. Konkret gaben 59 Prozent an, dass sie sich vorstellen können, dass Menschen „in Wirklichkeit an einem solchen ‚Spiel‘ teilnehmen würden“. Weitere 23 Prozent kreuzten „Ja, aber nicht in unserer Gesellschaft“ an.

Studienleiter Maas über „Squid Game“: „Wir würden nie selbst mitmachen, sehen aber gerne zu, wie andere sich hier quälen“

Diplom-Psychologe Maas sieht dieses Ergebnis kritisch: „Wir sehen hier ein immer weiteres Auseinanderdriften. Die Menschen in unserem Kulturkreis würden auf der einen Seite nie bei einem solchen ‚Spiel‘ wie ‚Squid Game‘ mitmachen, können sich aber vorstellen, dass andere dies machen. In anderen Worten: Wir würden nie selbst mitmachen, sehen aber gerne zu, wie andere sich hier quälen.“

Dipl.-Psych. Rüdiger Maas, M.Sc., Leiter des Instituts für Generationenforschung.

Diesen Umstand scheint sich der YouTuber Jimmy Donaldson, besser bekannt als „MrBeast“, zunutze machen zu wollen. Der 23-Jährige, dessen Channel aktuell 75,4 Millionen Accounts folgen, gilt als einer der erfolgreichsten YouTuber weltweit und hat es zum mehrfachen Millionär gebracht. Insgesamt kommt Donaldson mit weiteren Accounts auf mehr als 120 Millionen Abonnenten und soll laut dem US-amerikanischen Forbes-Magazin alleine im Jahr 2020 24 Millionen Dollar alleine mit Werbung, Merchandising und Sponsoring verdient haben.

Seinen Reichtum setzt Donaldson für verschiedene wohltätige Projekte ein und versprach seinen Followern auf Twitter, vor seinem Tod all sein Geld spenden zu wollen, da er sich „weigere“, ein „materialistisches“ Leben zu führen. Seine größten YouTube-Erfolge ähneln dem „Squid Game“-Prinzip. Aus vielen Teilnehmenden gewinnt der oder die Letzte im Spiel eine hohe Geldsumme. Nun möchte „MrBeast“ seine „Spielesammlung“ um eine an den Netflix-Hit angelehnte Variante erweitern. (Mirko Schmid)

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