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Nordkorea: Mann wegen „Squid Game“-Schmuggel hingerichtet

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Von: Lucas Maier

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„Squid Game“: In Nordkorea wurde ein Mann wegen der Serie zum Tod verurteilt. (Symbolbild) © Aaron Chown/dpa

In Europa wird sie diskutiert, in Nordkorea ist sie verboten: die Netflix-Serie „Squid Game“. Wer gegen das Verbot verstößt, riskiert drakonische Strafen.

Pjöngjang – Rote Ganzkörperanzüge, schwarze blickdichte Masken und blutige Kinderspiele: Die Serie „Squid Game“ ist die bisher erfolgreichste Netflix-Produktion in der Geschichte des Streamingdienstes, in den USA gibt es bereits ein Youtube-Remake von „Squid Game“*. Doch der Serien-Hit aus Südkorea ist dem Regime des Nachbarlandes Nordkorea ein Dorn im Auge. Während in Europa und den USA in erster Linie die Brutalität von „Squid Game“ kritisiert wird, ist es in Nordkorea das vermeintlich „kapitalistische Kulturgut“.

Zuletzt wurden in Zusammenhang mit der Netflix-Serie mehrere Personen unter Strafe gestellt. Ein Mann soll sogar vor ein Erschießungskommando treten müssen. Er wurde zum Tod verurteilt, weil er „Squid Game“ geschmuggelt und in Nordkorea in den Umlauf gebracht haben soll. Das berichtet Radio Free Asia.

Netflix-Produktion erreicht Nordkorea: „Squid Game“-Fall führt zu Strafen für sieben Schüler:innen

Neben dem zum Tod verurteilten mutmaßlichen Schmuggler wurden auch mehrere Schüler:innen verurteilt. Einer Person wird vorgeworfen, einen USB-Stick mit Aufnahmen der Serie „Squid Game“ erworben zu haben. Hierfür erhielt er eine lebenslange Haftstrafe. Sechs weitere Schüler:innen wurden für das bloße Ansehen der südkoreanischen Netflix-Serie verurteilt. Sie müssen für fünf Jahre in ein Arbeitslager, wie Radio Free Asia berichtet.

Auch Lehrer und Schulleiter der betroffenen Schüler:innen haben harte Strafen durch das kommunistische Regime zu erwarten. Wie eine anonyme Quelle vor Ort Radio Free Asia mitteilt, wurden sie bereits ihren Ämtern und Anstellungen enthoben. Jetzt droht ihnen Strafarbeit in abgelegenen Minen des Reiches von Kim Jong-un.

Netflix-Hit „Squid Game“: Kopien erreichen Nordkorea – Staat reagiert mit drakonischen Strafen

Bereits in der letzten Woche wurde davon berichtet, dass Kopien der Netflix-Serie „Squid Game“ nach Nordkorea gekommen seien. In dem abgeschotteten Land gehen die Behörden hart gegen ausländische Medieninhalte vor. Gerade bei Menschen in unsicheren Positionen und riskanten Berufen soll der Netflix-Hit „Squid Game“ in Nordkorea Anklang finden. In dem südkoreanischen Drama kämpfen marginalisierte Personen um einen horrenden Geldbetrag, welcher mit jedem Todesfall steigt. Die Teilnehmer:innen treten in traditionellen südkoreanischen Kinderspielen gegeneinander an.

Alles begann letzte Woche, als ein Schüler heimlich einen USB-Stick mit dem südkoreanischen Drama „Squid Game“ kaufte und mit einem seiner besten Freunde im Unterricht anschaute.

Strafverfolgungsbehörde (Nord-Hamgyong) am Montag (21.11.2021) gegenüber Radio Free Asia.

Der Schüler wurde erwischt, als er den „Squid Game“-Stick mit anderen Schülern teilte. Die Zensurbehörde konnte ihnen aufgrund eines Hinweises auf die Schliche kommen, wie Radio Free Asia schreibt.

Strafen in Nordkorea: Im „Squid Game“-Fall wird ein neues Gesetz erstmals gegen Minderjährige angewendet

Die im Zusammenhang mit „Squid Game“ unter Strafe gestellten Personen wurden nach einem neuen Gesetz verurteilt. Nordkorea hatte dieses erst im letzten Jahr eingeführt.

Das Gesetz verbietet es Medieninhalte aus kapitalistischen Ländern zu besitzen, anzusehen oder zu verbreiten. Höchststrafe bei Zuwiderhandlung gegen dieses Gesetz ist eine Verurteilung zum Tod. In dem Fall der Schüler:innen wurde das sogenannte „Gesetz zur Beseitigung reaktionären Gedanken- und Kulturgutes“ erstmalig gegen Minderjährige angewendet. In Deutschland schlagen unterdessen Expert:innen wegen der Netflix-Produktion Alarm: „Squid Game“ stelle eine Gefahr für Kinder dar.

Bestechung in Nordkorea: Wurde ein Schüler nach der „Squid Game“-Verurteilung freigekauft?

Gerüchten zufolge soll einer der sieben verhafteten Schüler:innen freigekommen sein. Das berichtet eine weitere anonyme Quelle aus Nordkorea gegen über Free Radio Asia.

Demnach soll der Angeklagte im „Squid Game“-Verfahren freigekommen sein, weil seine „reichen“ Eltern die Behörden mit 3.000 US-Dollar bestochen haben sollen, das berichtet auch der Businessinsider. Laut lokalen Quellen ist es wahrscheinlich, dass es in der nahen Zukunft zu weiteren Verhaftungen im Zusammenhang mit den geschmuggelten „Squid Game“-Medien kommen wird. (Lucas Maier) *ingame.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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