Wenn das Telefon klingelt, könnte auch ein Betrüger am anderen Ende sein.

Spoofing

So können Sie sich vor Betrug am Telefon schützen

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Beim Spoofing verstecken sich Kriminelle hinter einer seriösen Telefonnummer - und prellen Bürger so um Millionen. So können Sie sich vor dieser Betrugsmasche schützen.

Der Mann erklärte in perfektem Deutsch, er arbeite in der Rechtsabteilung der Frankfurter Volksbank. Dort hat Rolf Hansmann, Rentner aus dem Taunus, auch tatsächlich sein Bankkonto. „Der Anrufer nannte mir meine korrekte Kontonummer und erklärte, es gebe leider ein Problem und mein Konto werde umgehend gesperrt – was ich aber abwenden könne, wenn ich ihm noch ein paar Fragen beantworte“, erinnert sich Hansmann an den Anruf, der ihn Mitte April zu Hause erreichte.

Hansmann war jedoch trotz aller Überzeugungsversuche nicht bereit, am Telefon weitere Informationen zu seinem Konto herauszurücken, sondern bot an, sofort in die nächstgelegene Filiale der Volksbank zu kommen. Der Anrufer legte dann auf. Als Hansmann die während des Telefonats im Display angezeigte Telefonnummer zurückrief, landete er: in der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

Spoofing: Kriminelle bemächtigen sich fremder Rufnummern

Call-ID-Spoofing ist der Fachbegriff dafür, wenn – meist Kriminelle – sich fremder Rufnummern bemächtigen, um damit Schindluder zu treiben. Dieser Missbrauch ist mit jeder halbwegs modernen Telefonanlage möglich. Es gibt auch Apps fürs Handy, um von fremden Nummern aus anzurufen – es ist allerdings laut Telekommunikationsgesetz verboten, Nummern zu nutzen, an denen man nicht die Rechte hält.

Die EZB warnt auf ihrer Homepage davor, dass ihr Name und ihr Logo von Dritten für betrügerische Aktivitäten genutzt werden, auch die Bundesbank veröffentlichte erst kürzlich eine Warnung, die vor dem Missbrauch ihrer Telefonnummer warnt. „Bei der offiziell wirkenden Kontaktaufnahme ist es mehrfach zu Betrugsversuchen gekommen, bei denen die Angerufenen dazu gedrängt wurden, eine Überweisung zu tätigen“, so die Bundesbank.

Telefonbetrug: Opfer wird zum Sieger eines Gewinnspiels erklärt

„Die Täter benutzen gerne Nummern von Anwälten, Notaren, Behörden oder Banken und wollen sich so einen seriösen Anstrich geben“, sagt Dirk Hintermeier, Spezialist für Cybercrime im Landeskriminalamt (LKA) Hessen. Er hat schon unzählige Betrugsfälle am Telefon auf seinem Tisch gehabt. Beliebt ist etwa die Masche, die Opfer zum glücklichen Sieger eines Gewinnspiels zu erklären.

„Ihnen wird dann gesagt, das Auto stünde noch in der Türkei – sie müssten nur das Geld für den Zoll überweisen, dann stehe der Wagen bald vor ihrer Tür“, sagt Hintermeier. Oft bleibe es dann aber nicht dabei: Springe der Angerufene einmal an, dann folgten häufig scheibchenweise weitere Forderungen. „Ich habe erlebt, dass jemand so 18 000 Euro loswurde“, sagt Hintermeier. „Die Täter sitzen häufig in der Türkei, sind aber in Deutschland aufgewachsen und sprechen dadurch perfektes deutsch“, weiß Hintermeier.

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Ebenfalls beliebt ist die Polizeimasche. Zwar hat die Deutsche Telekom seit dem Jahr 2017 insgesamt 10 000 Rufnummern sperren lassen, die gerne missbraucht wurden – sie können von Betrügern nicht mehr genutzt werden. Allerdings nur so lange diese aus dem Inland anrufen; wer im Ausland sitzt hat weiterhin freie Hand. Zu den gesperrten Nummern gehört etwa die Kurzwahl 110. Möglich ist es aber inländischen Tätern weiterhin, eine Ortsvorwahl plus der 110 zu nutzen. Was diese gerne tun, um sich als Polizeibeamte auszugeben. Den Opfern wird zum Beispiel erklärt, es gebe Hinweise, dass sie ausgeraubt werden sollen – sie sollten daher ihr Geld von der Bank abheben und zur Verwahrung an einen Polizeibeamten übergeben, der gleich vorbeikomme. „Ich kenne Fälle, da wurden Beträge von 180 000 Euro an die Betrüger überreicht“, sagt Hintermeier. „Da geht es dann wirklich um Existenzen.“

Spoofing: Rückverfolgung der Täter ist schwierig

Alleine in Hessen gab es im vergangenen Jahr laut LKA 423 erfasste Fälle mit falschen Polizeibeamten, die Schadenssumme lag bei 2,6 Millionen Euro. Aufgeklärt wurden nur 85 Fälle. Bei den Gewinnversprechen am Telefon wurden 210 Fälle erfasst, der Schaden betrug 91 400 Euro, aufgeklärt wurden nur acht Fälle.

Die Rückverfolgung der Täter ist schwierig. Sitzen die Täter im Inland, könnte man die Anrufe zurückverfolgen – doch bräuchte man dafür einen gerichtlichen Beschluss, der den Netzbetreiber anweist, die Daten freizugeben. Zudem muss dies zeitnah geschehen, da diese Daten nicht lange gespeichert werden. Sitzen die Täter im Ausland, ist es dagegen nahezu unmöglich, sie über eine Rückverfolgung des Anrufes aufzuspüren. Zudem bräuchte man dann zur weiteren Strafverfolgung die Hilfe der zuständigen Behörden im jeweiligen Land.

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Wer Opfer eines Betrugs oder Betrugsversuchs wurde, sollte dies unbedingt der Polizei melden. Allerdings hängt im föderalen Deutschland dann stark vom einzelnen Sachbearbeiter ab, ob der Fall weiterverfolgt wird und es Versuche gibt, ähnlich gelagerte Fälle in anderen Regionen damit in Verbindung zu bringen. Außerdem sollten Betroffene sich bei der Bundesnetzagentur melden. „Wir können nur Dingen nachgehen, wenn wir die entsprechenden Informationen haben“, sagt ein Sprecher der Bundesnetzagentur.

Katwarn warnt vor Katastrophen - aber auch vor falschen Polizeibeamten

Hintermeier empfiehlt Verbrauchern auch, eine Smartphone-App namens Katwarn zu nutzen. Über diese App kann man etwa Katastrophenwarnungen für die eigene Region empfangen. Aber auch Warnungen vor beispielsweise falschen Polizeibeamten, die in der Gegend unterwegs sind. „Solche Hinweise verbreiten wir oft über Katwarn“, sagt Hintermeier.

Oft werden Menschen, die Opfer eines Betrugs wurden, erneut von Kriminellen angerufen. Rentner Rolf Hansmann aus dem Taunus ist zwar nicht auf den dubiosen Anruf hereingefallen. Dennoch scheint er nun auf dem Radar von Tricksern zu sein. Vor wenigen Tagen wurde er erneut kontaktiert: Eine Frau behauptete, er habe die AGBs für ein Lotteriespiel anerkannt, das ihn nun 99 Euro im Monat kosten würde. Als er sagte, das stimme nicht, erklärte sie, sie würde ihm helfen, wieder aus dem Vertrag herauszukommen – das koste allerdings monatlich 60 Euro für ein Jahr. Hansmann wimmelte die Frau ab, aber sagt resigniert: „Ich scheine durch mein Alter oder den Verkauf meiner Daten in irgendetwas hineingeraten zu sein.“

Betrug im Internet

Selbst seriöse Internet-Seiten wie die der Frankfurter Rundschau können von Betrügern missbraucht werden. Leser werden automatisch auf angebliche Gewinnspielseiten oder Virenwarnungen weitergeleitet. Experte Heiko Staab von der Münchner Werbeagentur Traffective kennt derartige Betrugsmaschen unter dem Namen „Adcloaking“. Dabei dringen Fremdanbieter über technische Lücken in Werbeangebote von Webseiten ein. Sie nutzen die Bekanntheit großer Marken wie Google, Amazon oder Microsoft und vertrauen darauf, dass die Nutzer auf alles klicken, was diese bekannten Firmen anbieten.

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