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Epstein-Villa auf den Jungferninseln.

Missbrauchsvorwürfe Jeffrey Epstein

Epstein profitierte vom Wohlwollen mächtiger Männer

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Nach dem Tod Jeffrey Epsteins blühen Verschwörungstheorien auf – viele Fragen sind unbeantwortet. Es dürfte ein Spiel mit dem Feuer gewesen sein, das er trieb. 

Die sozialen Medien sind nicht gerade arm an Verschwörungstheorien und Gerüchten über die Prominenten und Mächtigen dieser Welt. Doch der Tod von Jeffrey Epstein in seiner New Yorker Gefängniszelle am vergangenen Samstag regt die Fantasie der Menschen an wie selten zuvor.

Gespeist werden die Spekulationen rund um den US-Millionär Epstein durch eine simple Tatsache. Epstein, mehrfach des Missbrauchs sowie der Prostitution Minderjähriger beschuldigt, unterhielt enge Verbindungen zu einigen der mächtigsten Menschen der Welt. Darunter die Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump, Woody Allen und der zweitälteste Sohn der Queen, Prinz Andrew.

2002 wurde Donald Trump vom „New York Magazine“ zu Epstein befragt

Enthalten sind diese Namen in einem kleinen Notizbuch, ominös „The Little Black Book“ getauft. Der investigative Journalist Nick Bryant will dieses Buch im Jahr 2012 in seinen Besitz gebracht haben, nachdem das FBI es von einem ehemaligen Hausmanager Jeffrey Epsteins beschlagnahmt hatte. Seitdem versucht Bryant nachzuweisen, dass es sich bei Epsteins Netzwerk um einen Zirkel prominenter Pädophiler handelt, die Epstein über Jahrzehnte mit Kontakten zu minderjährigen Frauen versorgte.

Bryants Arbeit verläuft parallel zu den Untersuchungen der Bundes-Staatsanwaltschaft, die Epstein im Juli dieses Jahres verhaftete. Dieselbe Staatsanwaltschaft gelobte nach dem Suizid Epsteins nun, ihre Untersuchungen weiterzuführen und mögliche Mittäter des Finanziers zur Rechenschaft zu ziehen. Sollte an den Gerüchten auch nur ein Haar von Wahrheit kleben, dann können sich die Kunden und Kontakte des New Yorker Unternehmers also nach seinem mutmaßlichen Suizid nicht entspannen.

Der brisanteste und wohl auch plausibelste Eintrag im „Little Black Book“ ist zweifelsohne der amtierende US-Präsident. Im Jahr 2002 wurde Donald Trump vom „New York Magazine“ zum Thema Epstein befragt. Seine Antwort: „Ich kenne Epstein seit 15 Jahren. Es macht Spaß mit ihm auszugehen. Er mag Frauen so sehr wie ich und viele sind im jüngeren Sektor. Kein Zweifel, Jeff genießt sein Leben.“

Epstein war der Kinderprostitution angeklagt worden

Trump reagierte auf den Verdacht so, wie man es von ihm erwarten darf. Er lenkte ab, indem er per Twitter auf die Verbindung zwischen Bill Clinton und Jeffrey Epstein verwies. Clinton, von dem angeblich 21 Telefonnummern in Epsteins „Black Book“ auftauchen, kommentierte die Vorwürfe, indem er zugab, mehrmals in Epsteins Privatflugzeug mitgeflogen zu sein. Die Anlässe seien jedoch stets rein geschäftlicher Natur gewesen.

Die Anschuldigungen gegen Prinz Andrew sind deutlich handfester: Victoria Giuffre, eine der Frauen, die hinter der Klage gegen Epstein steht, identifizierte ihn 2015 als einen der Männer, mit denen sie gegen Bezahlung durch Epstein als 15-Jährige Sex haben sollte. Der ansonsten eher schweigsame Buckingham-Palast dementierte die Beschuldigung mit uncharakteristischer Vehemenz.

Alleine diese Beispiele lassen es als überaus plausibel erscheinen, dass Jeffrey Epstein einem Netzwerk an reichen und mächtigen Männern minderjährige Frauen zu sexuellen Dienstleistungen zuführte. Noch drängendere Fragen wirft jedoch die Art und Weise auf, wie die erste Untersuchung Epsteins vor 14 Jahren gehandhabt wurde.

Das FBI durchsucht Epsteins Anwesen. 

Seinerzeit hatte die Rechtsanwaltsfirma Kirkland & Ellis in Miami mit der Staatsanwaltschaft von Florida ein erstaunlich mildes Urteil ausgehandelt. Schon damals war Epstein der Kinderprostitution angeklagt worden, einer Straftat, die gewöhnlich mit einer lebenslänglichen Haftstrafe geahndet wird. Epstein bekam hingegen 18 Monate. Dabei wurde ihm ein offener Vollzug bewilligt – Epstein konnte bis zu 12 Stunden pro Tag in sein Büro gehen.

Mehr noch, der Direktor von Kirkland & Ellis, Jay Lefkowitz, ein enger Bekannter des heutigen Justizministers William Barr, handelte mit der Staatsanwaltschaft aus, dass es keine Bundesuntersuchung geben werde und dass die Opfer nicht über diesen Deal informiert würden. Sein Gegenüber, der Staatsanwalt von Florida Alexander Acosta, wurde später Arbeitsminister unter Trump.

Jeffrey Epstein hatte bis zu seiner Verhaftung in diesem Juli reichlich Grund dazu, sich sicher zu fühlen, gedeckt von schützenden Händen an entscheidenden Schaltstellen der Macht. Vielleicht trug auch das zu seinem Suizid bei: die Erkenntnis, dass der Schutzschild nicht mehr funktioniert.

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Epstein hatte vorher über viele Jahrzehnte vom Wohlwollen mächtiger Männer profitiert. Schon sein erster Job als junger Mann von Anfang 20 erregt im Nachhinein Argwohn. Damals bekam der Studienabbrecher Epstein eine Stelle als Mathematiklehrer an einer der renommiertesten Privatschulen von New York. Der Direktor der Schule, Donald Barr, war der Vater des heutigen Justizministers William Barr.

Epstein fiel an der Schule wegen überzogener Aufmerksamkeit für Schülerinnen auf

Laut Recherchen der „New York Times“ fiel Epstein an der Schule wegen seiner überzogenen Aufmerksamkeit für Schülerinnen auf. Er wurde nach kurzer Zeit wieder entlassen. Wiederum kurz darauf verließ auch Donald Barr die Schule.

Doch Jeffrey Epstein blieb nicht lange arbeitslos. Er landete in einem Job bei der damals renommierten Investmentfirma Bear Stearns. Dieser Karrieresprung war ebenso unplausibel wie der nächste. Ab 1988 betrieb Epstein seine eigene Finanzfirma.

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Das Kuriose an der Firma war, dass sie nur einen einzigen Klienten besaß: Leslie Wexner, Geschäftsführer der Firma L Brands und des Unterwäschekonzerns Victoria’s Secret. Als Finanzberater von Wexner verdiente Epstein Hunderte Millionen Dollar. Wexner vertraute dem Studienabbrecher so sehr, dass er ihm absolute Vollmachten über sein Vermögen erteilte. Im Nachhinein glauben Wexners Anwälte, Epstein habe Wexner um Millionenbeträge betrogen. Rechtliche Schritte leiteten sie jedoch nicht ein.

In jedem Fall hatte Epstein es geschafft, Wexner in eine Abhängigkeit von sich zu bringen. So wie augenscheinlich viele andere mächtige Männer auch. Es war ein Spiel mit dem Feuer, dass Epstein da sein Leben lang trieb. Ein gutes Ende, das scheint im Nachhinein klar, konnte das nicht nehmen.

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