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Das „Spiel des Jahres“ 2020 steht fest: Das Ratespiel „Pictures“ wurde zum Sieger gekürt.

Gesellschaftsspiele

Gewinner steht fest: Ein Ratespiel ist „Spiel des Jahres“ 2020

  • Alexander Kraft
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Der Sieger steht fest: Am Montag (20.07.2020) wurde das „Spiel des Jahres“ 2020 gekürt. In liebgewonnener FR-Tradition stellt Journalist und Spieleexperte Alexander Kraft Gewinner und Nominierte vor.

  • Spiel des Jahres“ 2020 wird gekürt
  • Spieleexperte Alexander Kraft stellt die Kandidaten vor
  • Brettspiele haben sich in der Corona-Krise steigender Beliebtheit erfreut

Update vom Montag, 20.07.2020: Die Würfel sind gefallen: Die begehrte Auszeichnung für das „Spiel des Jahres“ geht in diesem Jahr an „Pictures“ von Daniela und Christian Stöhr (PD-Verlag). Die Preisträger werden corona-konform aus ihrem Stuttgarter Zuhause per Video zugeschaltet. „Wir können es nicht glauben“, zeigt sich die Spieleerfinderin überrascht.

Aus Bauklötzen, Schnürsenkeln oder Symbolkarten werden bei „Pictures“ Foto-Motive gebaut, die auf einer großen Karte von den Mitspielern erkannt werden sollen. Die fünf verschiedenen Materialsets wirkten auf den ersten Blick fast willkürlich zusammengewürfelt, seien aber klug gewählt, begründet die Kritiker-Jury ihre Wahl. Der Anreiz zum Experimentieren sei enorm, die Raterunden glichen dem Besuch von Kunstausstellungen. Fazit: „Große Kreativität mit einfachsten Mitteln!“ Das Spiel für bis zu fünf Mitstreiter kostet etwa 40 Euro.

Brettspiele in der Corona-Krise beliebter denn je

Den Preis für das „Kennerspiel des Jahres“ gewann „Die Crew“ von Thomas Sing. Das Kartenspiel fordert laut Jury auf originelle Weise heraus und brauche Teamgeist und Weitblick. Es geht um eine Raumschiff-Crew, die zu einem Planeten am Rande des Sonnensystems reist. „Speedy Roll“ wurde im Juni als „Kinderspiel des Jahres“ ausgezeichnet.

Seit der Corona-Krise seien Brettspiele „mehr denn je gefragt“, sagt Vereinschef Schrapers. Das Umsatzplus der Branche durch Corona beziffert er mit 25 Prozent. Viele Familien hätten die Erfahrung gemacht: „Das analoge Spiel lässt sich nicht virtuell ersetzen.“ Das gemeinsame Erlebnis stehe obenan. Das deutsche Brettspiel - das „German Style Game“ gilt laut Verein international als stilbildend.

Die Nominierten

„Spiel des Jahres“ 2020: Städte-Aufbauspiel „My City“ ist ein Kandidat

Dieses Städte-Aufbauspiel gehört – genau wie das Kennerspiel „The King’s Dilemma“ – zum noch jungen Genre der „Legacy“-Spiele. „Vermächtnis“? Was will einem ein Brettspiel denn hinterlassen? Ganz einfach: Diese Spiele werden in einer Kampagne durchgespielt und verändern sich von Partie zu Partie. Es kommen neue Regeln hinzu, der Spielplan wird beklebt, man hinterlässt Notizen oder andere Spuren auf dem Material und im Karton steckt – meist hübsch vertütet – zusätzliches Spielmaterial. Das Ende vom Lied? Ein Legacy-Spiel kann man nur ein einziges Mal spielen, in dem Fall aber satte 24 Partien. Danach … hat es sich ausgespielt. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer hat ein „My City“-Brett mit 121 quadratischen Landschaftsfeldern, die er oder sie mit tetrisartigen Plättchen möglichst lückenlos bedecken soll. Dafür haben alle dasselbe Set mit 32 Stanzteilen, die Gebäude in drei Farben zeigen. Die Grundaktion ist: Eine Karte wird aufgedeckt, sie offenbart das nächste anzulegende Gebäude. Alle haben also dieselbe Ausgangsposition, nur: Jede und jeder macht etwas anderes daraus. Spannung und Kampagnen-Charakter entstehen, da in jeder Partie auf immer neue Ziele gespielt wird. Am Anfang reicht es, möglichst viele gleichfarbige Gebäude zu gruppieren. Dann kommen Kirchen ins Spiel, die es auf bestimmte Art zu legen gilt, dann Goldgruben, später wird aus Naturland Bauland, die Industrie wächst. Man ahnt: Da jede und jeder das eigene Spielbrett peu à peu individuell verändert, entstehen in der Kampagne mit den 24 Partien ganz einzigartige Spielverläufe. Vom Reiz der Veränderung abgesehen, heißt das: Es gibt 24 Etappen zu gewinnen und eine Gesamtsiegerin oder einen Gesamtsieger.

My City: Zwei bis vier Spielerinnen und Spieler (ab 10 Jahren); 24 mal circa 30 Minuten; Autor: Reiner Knizia; Illustrator; Michael Menzel; circa 35 Euro (Kosmos)

„Spiel des Jahres“ 2020: Kooperatives Kartenspiel „Die Crew“ in der Auswahl

„Die Crew“ ist ein kooperatives Kartenspiel mit einem Prinzip, das jeder Zockerin und jedem Zocker bekannt ist: Stiche machen. Doch hier artet das zu einer gewaltigen Mission aus – Untertitel: „Reist gemeinsam zum 9. Planeten��. Bis zu fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden als Crew ins All geschickt, um den vermuteten geheimnisvollen neunten Planeten, Plutos Nachfolger, zu finden. Dafür müssen sie 50 Aufgaben lösen. Das heißt: Eine vorher festgelegte Akteurin oder ein Akteur muss den Stich mit einer bestimmten, ebenfalls vorher festgelegten Karte machen. Es gibt 36 Farbkarten, jeweils mit den Werten 1 bis 9, sowie vier Trumpfkarten. Es klingt eher simpel, dass eine Vierer-Runde versuchen soll, im Verlauf von neun Stichen einer Spielerin oder einem Spieler etwa die gelbe 3 zuzuschustern. Doch erstens bleibt es nicht bei einem Stich; in Mission 42 etwa müssen neun Stiche punktgenau landen. Klappt das nicht, hat die Runde natürlich weitere Versuche. Zweitens aber darf keiner offen über seine Karten sprechen: Wie bei vielen kooperativen Spielen üblich, ist die Kommunikation eingeschränkt – was im Astronautenanzug im All ja auch mal gut zur Story passt. Zum Glück hat jeder eine kleine Kommunikationshilfe und auch das „Notsignal“, um Hilfe von der Erde anzufordern. Das erleichtert den Job. Am besten wird man „Die Crew“ in einer festen Runde spielen; im vorbildlich gestalteten Spielmaterial ist alles vorhanden, um die Ergebnisse festzuhalten. Anders als bei den „Legacy-Spielen“ bleibt übrigens alles Material für viele weitere Missionen erhalten. Insgeheimes Ziel also für alle Crews: Wer schafft die 50 Jobs mit möglichst wenigen Versuchen?

Kandidaten für das „Spiel des Jahres“ 2020: „Die Crew" ist ein kooperatives Kartenspiel.

Die Crew: Zwei bis fünf Spielerinnen und Spieler (ab 10 Jahren); circa 20 Minuten; Autor: Thomas Sing; Illustrator: Marco Armbruster; circa 13 Euro (Kosmos)

Kandidaten für „Spiel des Jahres“ 2020: Legespiel „Nova Luna“ hat einen grandiosen Kniff

„Nova Luna“ ist ein Legespiel mit einem grandiosen Kniff: Jedes Teil, das die Spielerinnen und Spieler vor sich ablegen, ist zugleich Aufgabe sowie Teil der Lösung einer anderen Aufgabe. Was wie fortgeschrittene Philosophie klingt, stellt sich im Spiel ganz einfach dar. Es gibt 68 quadratische Plättchen in vier Farben: je 17 in Blau, Rot, Gelb und Türkis. Zusätzlich sind darauf bis zu drei Kreise abgebildet, die jeweils ein bis vier Symbole mit den vier Farben zeigen, das sind die zu erfüllenden Ziele. Ein Beispiel: Ein blaues Plättchen zeigt einen Kreis mit zwei roten Symbolen. Sobald die Spielerin oder der Spieler zwei rote Plättchen angrenzend ans blaue gelegt hat, ist die Aufgabe erfüllt. Das hält er oder sie fest, indem mit einer Markierungsscheibe dieser Kreis abgedeckt wird. Mal angenommen, eines der angelegten roten Plättchen zeigt einen Kreis mit einem blauen Symbol auf – dann hätte das Cleverle in einem Zug zwei Jobs erfüllt! Und auf Geschwindigkeit kommt es an: Wer als erster die 20 Scheiben losgeworden ist, gewinnt. Wäre nur noch zu klären: Wie kommt man an die Plättchen? Dafür hat Autor Uwe Rosenberg mit der „Monduhr“ einen weiteren sehr hübschen Mechanismus ersonnen. Jedes der Plättchen ist außer mit den Symbolkreisen mit einer Zahl von 1 bis 7 versehen. Nimmt man sich nun eines der bis zu elf ausliegenden Plättchen, muss man seinen Monduhr-Marker um die entsprechenden Schritte vorwärts ziehen. Ein Plättchen nehmen darf aber immer nur der letzte. So hat man die Qual der Wahl: Tolle Teile mit lukrativ leichten Aufgaben haben eine hohe Zahl – schwieriger zu erfüllende lassen einen eher wieder an die Reihe kommen.

Das Legespiel „Nova Luna“ ist ein Kandidat für das „Spiel des Jahres 2020“.

Nova Luna: Ein bis vier Spielerinnen und Spieler (ab 8 Jahren); circa 30 Minuten; Autoren: Uwe Rosenberg und Corné van Moorsel; Illustrator: Lukas Siegmon; circa 25 Euro (Edition Spielwiese, Pegasus)

Kandidaten für „Spiel des Jahres“ 2020: Das Ratespiel „Pictures“ hinterlässt anfangs viele Fragezeichen

Wie? Soll? Das? Denn? Gehen? Wahrscheinlich hat noch kein Ratespiel bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf Anhieb so viele Fragezeichen hinterlassen. Was nicht an den Regeln von „Pictures“ liegt. Die sind in knapp einer Minute geklärt. Auf dem Tisch liegen 16 Karten mit Fotos im 4x4-Raster. Jede und jeder zieht geheim einen Marker, der genau eines der Fotos benennt (A1 bis D4). Außerdem hat jede Spielerin und jeder Spieler ein illustres Set, um „sein“ Foto darzustellen. Haben Sie mal versucht, zwei Schnürsenkel so anzuordnen, dass der Rest der Runde erkennt: Das soll der VW-Bully sein, der auf C3 liegt? Nein? Sie könnten auch das Glück (oder Pech) haben, den Oldtimer mit sechs unterschiedlichen Bauklötzchen erratbar machen zu müssen. Oder mit einer Handvoll Symbolkarten, oder vier Stöckchen plus vier Steinen, oder einem Pixelbild mit 3x3-Farbpunkten. Sie glauben nicht, dass das geht? Doch. Es funktioniert. Und wenn kreative Geister am Tisch sitzen, wird dabei aus Heiterkeit pures Vergnügen, mitunter sogar Kunst. Das schönste: Bei jeder der über fünf Runden laufenden Partien bekommt jede und jeder einmal jedes Set, kann also stets auf fünf Arten der Phantasie freien Lauf lassen. Gewinnen kann dabei auch jemand – aber das ist bei „Pictures“ fast nebensächlich.

Das Ratespiel „Pictures“ ist ein Kandidat für das „Spiel des Jahres 2020“.

Pictures: Drei bis fünf Spielerinnen und Spieler (ab 8 Jahren), circa 30 Minuten; Autoren: Daniela und Christian Stöhr; Grafiker: Dominik Mayer; circa 40 Euro (pd-Verlag)

Kandidaten für „Spiel des Jahres“ 2020: „The King‘s Dilemma“ wirkt erstmal unnahbar

Ein Spielbrett, das wie eine übergroße Excel-Tabelle aussieht, 75 geheimnisvoll verschlossene Umschläge, je eine Handvoll Münz- und Machtmarker plus ein paar Pappplättchen mit seltsamen Symbolen, vorne weiß, hinten schwarz: So farblos und unnahbar hat sich selten ein Spiel gegeben, das ein epochales, vielstündiges Erlebnis verspricht. Nichts weniger nämlich als die an Schicksalsschläge reiche Historie eines Königreiches. Immerhin: Zwölf Sichtschirme bringen Farbe ins Spiel, sie stehen für zwölf Adelshäuser. Die haben alle ihre Geschichte: Manche sind intrigant, manche habgierig, andere genügsam, ausgleichend oder volksnah. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer von „The King’s Dilemma“ wählt eines und vertritt von nun an im königlichen Rat von Ankist sein Haus. Im Grunde ist das schon das ganze Setting fürs Spiel – fehlt nur noch ein Teil: die geheimnisvollen Umschläge. Sie enthalten „Dilemmata“, Streitthemen, die im Rat erst besprochen, dann abgestimmt werden müssen. Und das ist der Moment, wo „The King’s Dilemma“ einzigartig wird. Denn die Abstimmungen bringen nicht nur (Sieg-)Punkte, sondern sie haben Auswirkungen aufs ganze Spiel: mitunter sofort, manchmal aber auch in Form gewaltiger Spätfolgen. Ein Beispiel: Eine Hungersnot droht. Schafft der Rat die Brotsteuer ab? Das lähmt die Staatsfinanzen – oder riskiert er in seiner Gier des Volkes Zorn? Egal, welche Fraktion sich durchsetzt: Ihre Anführerin oder ihr Anführer, wer immer sich am stärksten eingesetzt hat, unterschreibt das Dekret. Das sichert kurzfristig Boni. Doch im Verlauf der über rund 15 Partien dauernden Kampagne kann ihm das noch bitterbös auf die Füße fallen … Es gäbe zu „The King’s Dilemma“ noch viel mehr zu erzählen, etwa zum ausgeklügelten System mit Punktebelohnungen oder dass jedes Haus nicht eindimensional nur ein Ziel verfolgt, sondern oft im Widerstreit verschiedenster Interessen und sich verhakender Erzählstränge entscheiden muss. Doch das lässt sich auf wenigen Zeilen nicht einmal annähernd zusammenfassen – zum Glück ist die 48-seitige, extrem üppige Anleitung vorbildlich aufgebaut, so dass für angehende königliche Räte keine Frage offenbleibt.

„The King’s Dilemma“ ist ein Kandidat für das „Spiel des Jahres 2020“.

The King’s Dilemma: Drei bis fünf Spielerinnen und Spieler (ab 14 Jahren); 15 mal circa 60 Minuten; Autoren: Lorenzo Silva, Hjalmar Hach und Carlo Burelli; Illustratoren: Giorgio Baroni und Guilia Ghigini; circa 75 Euro (Horrible Guild, Heidelbär Games )

Kandidaten für „Spiel des Jahres“ 2020: „Der Kartograph“ für ganz viele Spieler

Was für eine Ansage: Bis zu 100 Mitspielerinnen und Mitspieler! Klingt ziemlich unglaublich (erst recht in Corona-Zeiten), klappt aber mit einem einfachen Dreh. Den kennt man im Prinzip von „Bingo“: Alle am Tisch (im Saal) erhalten dieselbe Vorgabe. Diese zufällig ermittelte Vorgabe muss dann jede und jeder auf einem eigenen Zettel eintragen – wie und wo, das entscheidet am Ende über Sieg oder Platz. Anders aber als beim Zahlengekniffel geht es in „Der Kartograph“ um Landkarten: Auf einer Fläche von 11 auf 11 quadratischen Feldern trägt jede und jeder Landschaftsformationen ein. Die Flächenvorgaben für Wald, Acker, Wasser und Dorf sind ein bis fünf Felder groß und erinnern an Tetris-Teile. Dazu kommen Eigenheiten auf der Karte, etwa vorgegebene Gebirgsfelder. „Der Kartograph“ läuft über vier Runden. In jeder gilt es, zwei vorher zufällig festgelegte Ziele bestmöglich zu erfüllen. Die können sich aber auch schon mal diametral widersprechen. Der „Bewässerungskanal“ bringt je einen Punkt für Feld und Wasser nebeneinander, während „Ausgedehnte Strände“ drei Punkte für jedes Ackerland versprechen, das nicht ans Wasser grenzt. Die Streuung der Ziele ist bei „Kartograph“ sehr clever und vor allem mit gewaltiger Varianz gelöst: Aus einem Set von 16 Wertungskarten sind vier im Spiel, die über die vier Runden in wechselnden Zweier-Konstellationen für Siegpunkte sorgen. Tolle Aussichten für Tüftlerinnen und Tüftler also – wäre da nicht die eine kleine Bosheit im Spiel: Im Stapel der Vorgabekarten lauern „Monsterattacken“. Heißt: Alle geben ihren Plan für diese eine Einzeichnung entweder an die Nachbarin oder den Nachbarn zur Linken oder Rechten weiter. Der pinselt dann das Monsterfeld natürlich möglichst hinterhältig in die Karte.

Der Kartograph: Ein bis 100 Spielerinnen und Spieler (ab 10 Jahren); 30 bis 45 Minuten; Autor: Jordy Adan; Illustrator: Lucas Ribeiro; circa 20 Euro (Pegasus Spiele)

„Spiel des Jahres" 2020: Das sind die Chancen der Kandidaten

Drei völlig unterschiedliche Spiele, die alle für sich eine Empfehlung wert sind. Da wäre als erstes „My City“: Autor Reiner Knizia, seit Jahrzehnten im Geschäft, schafft es, das tendenziell eher komplexe Genre „Legacy-Spiel“ familiengerecht herunterzubrechen. Allerdings geht, auf die gesamte Kampagne gesehen, der große Spannungsbogen etwas verloren. „Pictures“ ist als Party- und Gesellschaftsspiel ein echter Coup – aber den vielleicht weltweit wichtigsten Spielepreis für Schnürsenkel, Bauklötzchen sowie Stöckchen und Steinchen vergeben? Hmm … Bleibt „Nova Luna“. Die Lege- und Denkarbeiten im Umfeld der Monduhr kommen mit einer derart eleganten Verknappung von Material und Regelwerk daher, dass es durchaus preiswürdig ist. Und außerdem wäre es schön, wenn sich der fabelhafte Spieleautor Uwe Rosenberg nach über 20 Jahren auch mal mit diesem Titel schmücken dürfte, zumal er die in dieser Branche seltene Noblesse zeigt, den Ideengeber für eines der Elemente im Spiel als Co-Autor zu nennen!

Zum Teil ganz alte Spielmechaniken tauchen in fantasievollen Gewändern wieder auf – das ist schon spannend zu beobachten. Stiche ansagen in der „Crew“ wie bei „Bridge“, oder das „Bingo“-Prinzip im „Kartograph“ (das ja, nebenbei bemerkt, auch in „My City“ auftaucht). Aber so hübsch „Der Kartograph“ es auch umsetzt, wer sich die kleine Schachtel mit dem sparsamen Material (vier Bleistiftchen) anschaut, muss sagen: Tolle Idee, doch mit dieser Ausstattung reicht’s nicht für den Preis. Bleiben zwei Kandidaten: „The King’s Dilemma“ ist ein epochales Werk. Es löst endlich ein, was die ersten „Legacy-Spiele“ vor einigen Jahren versprachen. Der Hype um das Genre verflachte, weil viele Nachfolger mit gekünstelten Storys ziemlich enttäuschten. Doch so sehr diesem Überflieger der Kennerpreis auch zu gönnen wäre, die Juroren werden sich nicht auf ein Werk festlegen, das am obersten Rand der Kategorie „Kennerspiele“ anzusiedeln ist. Macht nichts, denn mit „Die Crew“ werden ganz viele Runden ganz lange Freude haben.

Die Kandidaten zur Wahl zum „Spiel des Jahres“ 2019 und zum „Kennerspiel des Jahres“ 2019 können Sie hier nachlesen - es ist mehr als ein bloßer Ehrentitel. Wer gewinnt, verkauft Tausende Exemplare mehr. FR-Autor Alexander Kraft hat die nominierten Titel getestet.

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