Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gemeindearbeiter reinigen die Lagune Mar Menor bei Murcia.
+
Gemeindearbeiter reinigen die Lagune Mar Menor bei Murcia.

Mar Menor

Spaniens totes Meer

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
    schließen

Desaster mit Ankündigung: Im Mar Menor, Europas größter Salzwasserlagune, sterben die Fische.

Ich habe Leute am Strand weinen sehen“, erzählt Pedro García, „und Kinder, die Garnelen und Krebse aufsammeln und sie in ihre Wassereimerchen legen, um zu sehen, ob sie dort wohl leben.“ Im Mar Menor hat das große Sterben eingesetzt, nicht zum ersten Mal, und es ist zum Heulen. Zu beklagen sind in den vergangenen zwei Wochen fünf Tonnen tote Fische und andere Meerestiere. Das ist die offizielle Zahl. Pedro García von der lokalen Naturschutzgruppe „Anse“ glaubt das nicht. „Wir hoffen, dass die Regionalregierung eingestehen wird, dass die wirkliche Zahl etwa doppelt so hoch ist“, sagt er der Netzzeitung „eldiario.es“. So oder so ist es ein Desaster.

Das Mar Menor (das „Kleinere Meer“) ist eine 180 Quadratkilometer große Lagune, ein Salzwassersee, der vom Mittelmeer durch eine 22 Kilometer lange Landzunge aus Sand getrennt und mit ihm nur durch eine schmale Meerenge verbunden ist. Seit den 1960er Jahren verbringen dort vor allem Spanierinnen und Spanier gerne ihren Sommerurlaub; die Landzunge – La Manga („Der Ärmel“) genannt – ist mit Hotels und Ferienhäusern zugebaut, große Teile der restlichen Küste ebenso. Nirgendwo finden die Menschen ein solch ruhiges Meer wie dort, das Wasser ist warm und klar. Normalerweise.

Dass eines Tages ein Unglück eintreten könnte, war seit 40 Jahren absehbar. 1979 eröffnete eines der gewaltigsten Infrastrukturprojekte des 20. Jahrhunderts in Spanien: der Überlandkanal vom Tajo im Herzen Kastiliens zum Segura in der Provinz Murcia. Er war heiß ersehnt worden und sollte endlich Wasser aus dem Norden in den trockenen Südosten bringen. Das tat er auch. Und mit dem Wasser brachte er Wohlstand. Und ökologische Probleme. Zwei Ingenieure mit Nachnamen García und Maldonado schrieben 1980 in einem Fachartikel, dass ein Großteil der landwirtschaftlichen Fläche am Mar Menor sicherlich nun künstlich bewässert und damit – „wie es logisch ist“ – der Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger steigen werde. „Deren Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht des Mar Menor kann fundamental sein“, schrieben sie. Es kam alles genau so.

Der Einsatz von mineralischem Stickstoffdünger in der Landwirtschaft ist ein Segen für die Menschen, der manchmal zum Fluch wird. Was Landwirt:innen aufs Feld tun, soll ihren Pflanzen zugute kommen, aber es gibt einen Überschuss, der im Grund- und Oberflächenwasser landet – hier: im Mar Menor – wo er Algen ein willkommener Nährstoff ist, so sehr, dass sie der Meeresfauna den Sauerstoff zum Atmen nehmen. Die Lagune kippt um. Das ist schon 2016 passiert, zwei Mal im Jahr 2019 und nun wieder, katastrophaler denn je.

Die Regionalregierung von Murcia hat lange tatenlos zugeschaut, wohl auch, weil der Gemüseanbau im Campo de Cartagena – so heißt das Anbaugebiet beim Mar Menor – ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor der Region ist. Im Sommer 2020 endlich erließ sie ein „Gesetz über die Erholung und den Schutz des Mar Menor“, das mit 75 Seiten und 86 Artikeln derart lang ist, dass es vermutlich bisher kaum jemand gelesen hat. Lokale Naturschützerinnen und Naturschützer haben jedenfalls den Eindruck bleibender Tatenlosigkeit. „Es geht alles sehr langsam voran“, klagt Pedro García.

Spaniens nationale Regierung hat immerhin ermittelt, wer in der Gegend Ländereien illegal bewässert – das betrifft etwa zehn Prozent der landwirtschaftlichen Fläche, die so schnell wie möglich wieder auf Trockenlandbau umgestellt werden soll. Die Regionalregierung verspricht zudem, den Einsatz von mineralischem Stickstoffdünger in direkter Nachbarschaft des Mar Menor zu untersagen. Das Meer stinkt, die Fische sterben, die Menschen weinen. Es lässt sich was tun. Aber bisher ist alles zu spät und zu wenig getan worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare