+
Monumental: Das „Tal der Gefallenen“ in Spanien nordwestlich von Madrid.

Einspruch der Familie abgewiesen

Spaniens Oberstes Gericht genehmigt Umbettung Francos

Der Diktator soll nun exhumiert werden. Seine bisherige Ruhestätte im „Tal der Gefallenen“ ist zur Pilgerstätte für Rechtsextreme geworden. 

Das oberste spanische Gericht hat grünes Licht für die Exhumierung und Umbettung der sterblichen Überreste des Diktators Francisco Franco (1892-1975) gegeben. Es wies am Dienstag einstimmig den Einspruch der Familie gegen den Plan der Regierung des geschäftsführenden sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez zurück, die in einem Mausoleum im sogenannten „Tal der Gefallenen“ nordwestlich von Madrid ruhenden Gebeine auf den Friedhof El Pardo-Mingorrubio am Nordrand Madrids zu überführen. 

Sánchez begrüßte das Urteil. Seine Regierung will die sterblichen Überreste umbetten, weil Francos monumentales Mausoleum bei Madrid seit Jahren eine Pilgerstätte für Rechte und Rechtsextreme ist. Die Familie Franco wäre nur mit einer Beisetzung in einem familieneigenen Grab in der Almudena-Kathedrale mitten in Madrid einverstanden gewesen. Dies wollte die Regierung auf keinen Fall zulassen, da sie dort keinen neuen Pilgerort für Franco-Anhänger schaffen wollte.

Die spanische Regierung wollte Francos Gebeine ursprünglich bereits im Juni exhumieren und umbetten, jedoch hatten die Richter den Plan auf Antrag von Francos Nachfahren zunächst gestoppt. Nun aber genehmigten sie diesen in der Hauptverhandlung.

Francos Familie will weiter Widerstand leisten

„Wir erleben heute einen großen Sieg der spanischen Demokratie“, schrieb Sánchez im Online-Dienst Twitter. „Die Entschlossenheit, das Leid der Opfer der Franco-Ära wiedergutzumachen, war immer das Leitbild für das Handeln der Regierung.“

Die Familie Francos will dagegen weiter Widerstand leisten: Ihr Anwalt Felipe Utrera Molina kündigte im spanischen Fernsehen an, „alle zur Verfügung stehenden Rechtsmittel“ vor dem Verfassungsgericht oder dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte auszuschöpfen. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher der Francisco Franco Foundation: „Wir werden unseren Rechtsstreit bis zum Ende fortsetzen, damit Franco dort bleibt“, sagte Juan Chicharro Ortega.

Das Urteil am Dienstag war das erste in einer Reihe von insgesamt vier Berufungen gegen den Plan der Regierung. Wie ein Gerichtssprecher signalisierte, war es wohl aber die entscheidende: Es sei „vorhersehbar“, dass die Richter in den verbleibenden drei Fällen ein ähnliches Urteil fällen würden.

Franco spaltet Spanier schon lange

Über die Umbettung der Gebeine Francos wird in Spanien schon seit langem gestritten. Sein monumentales Mausoleum im Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen) nordwestlich von Madrid, das der Diktator selbst bauen ließ, zieht seit Jahren Rechte und Rechtsextreme an. Die Regierung will seine Überreste daher in einem kleineren Familiengrab außerhalb von Madrid neu beisetzen.

Spaniens Vize-Regierungschefin Carmen Calvo hatte am Montag kritisiert, es sei „unerklärlich“ und eine „Demütigung, den Diktator immer noch an einem verherrlichten Ort zu haben“. Dieser Zustand sei mit der Demokratie nicht vereinbar. „Es gibt keinen einzigen anderen (europäischen) Diktator, dessen (Überreste) unter Bedingungen wie Franco in Spanien aufbewahrt werden“, sagte Calvo.

Der Umgang mit der Franco-Diktatur spaltet Spanien bis heute. General Franco hatte im Sommer 1936 gegen die Regierung der spanischen Republik geputscht. Aus dem Umsturzversuch wurde ein fast dreijähriger Bürgerkrieg, den Franco - auch mit deutscher Unterstützung - 1939 gewann. Er regierte Spanien bis an sein Lebensende im November 1975. Nach seinem Tod leitete König Juan Carlos den Übergang zur Demokratie mit ersten freien Wahlen 1977 ein.

dpa/afp/tom

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion