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Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat heute das Unwort des Jahres 2013 bekannt gegeben.
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Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat heute das Unwort des Jahres 2013 bekannt gegeben.

Unwort des Jahres 2013

Sozialtourismus ist das Unwort

Beim „Unwort des Jahres 2013“ sind viele Vorschläge deutlich häufiger eingeschickt worden als der Begriff „Sozialtourismus“. Die Jury entschied sich trotzdem dafür – und erntet viel Zustimmung.

Es ist mucksmäuschenstill, als die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich (45) das „Unwort des Jahres 2013“ verkündet. „Ich mach es kurz“, sagt sie – und es ist wieder eine Überraschung. Der Begriff „Sozialtourismus“ stammt zwar aus der aktuellen hitzigen Debatte über Zuwanderung. Zum „Unwort“ vorgeschlagen wurde er aber nur drei Mal – bei 1340 Einsendungen.

Für ihre Entscheidung bekommt die Jury viel Zustimmung von Verbänden und aus Parteien. Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband sieht in der Wahl „eine Ermahnung zu mehr Sachlichkeit und Redlichkeit“. „Eine sehr gute Entscheidung“, sagt der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck.

Schon für 2012 hatte das Gremium einen Begriff zum „Unwort“ bestimmt, der nur einmal vorgeschlagen worden war: „Opfer-Abo“ – ein Schlagwort von Wetter-Moderator Jörg Kachelmann. Er meinte damit, dass Frauen immer wieder die Opferrolle zugesprochen wird. Die Jury richtet sich aber nicht nach der Häufigkeit der Vorschläge, sondern entscheidet unabhängig.

Mit der Aktion „Unwort des Jahres“ soll das Bewusstsein und die Sensibilität für Sprache gefördert werden. Vorgeschlagen werden können Begriffe, die gegen die Menschenwürde verstoßen, gegen Prinzipien der Demokratie. Auch Formulierungen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend sind, können genannt werden.

Der Mainzer Soziologe Stefan Hradil hält „Sozialtourismus“ für einen populistischen Begriff, der Ängste schüren soll. „Je mehr rechtsradikale Parteien in Schwierigkeiten kommen und Leute eine andere Parteiorientierung suchen, desto hilfreicher werden solche populistischen Redensarten“, sagte er der dpa. Wer das Wort gebrauche, wisse, dass man bei einem erheblichen Teil der Bürger auf eine gewisse Resonanz stoße. Das Wort hält er für aggressiv. Zwar gebe es vereinzelt Probleme bei der Zuwanderung, die Befürchtungen der Menschen stünden aber in keinem Verhältnis zur Wirklichkeit.

Der Trendforscher Matthias Horx aus Frankfurt bezeichnete „Sozialtourismus“ als „ein tatsächlich besonders perfides Wort“: Wörter könnten „semantische Leerstellen“ im Bewusstsein besetzen - und damit unsere Welt-Wahrnehmung bestimmen, warnt er.

Die „Unwort“-Jury besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten: Prof. Nina Janich (Darmstadt), Dr. Kersten Sven Roth (Zürich), Prof. Jürgen Schiewe (Greifswald), Prof. Martin Wengeler (Trier) und Stephan Hebel („Frankfurter Rundschau“). Der wechselnde Gast für 2013 ist der Schriftsteller Ingo Schulze („Simple Storys“).

Die Entscheidung muss einstimmig sein. „Vier bis fünf Stunden hat es diesmal gedauert“, sagt Janich. „Ich dachte, es geht schneller.“ Am meisten vorgeschlagen worden war mit 45 Mal der Begriff „Supergrundrecht“, den der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in der NSA-Abhöraffäre gebrauchte. „Das war bis zum Schluss heiß in der Debatte.“

Die Teilnahme an den Vorschlägen ist dieses Mal wieder zurückgegangen, nach dem starken Jahr 2012 mit 2241 Einsendungen und 2011 mit dem Spitzenwert von 2420 Einsendungen. Schwächere Jahre habe es aber schon immer mal gegeben, sagt Janich.

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