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Wann wird die Zeitumstellung abgeschafft? Bisher hieß es, 2021 sei es soweit. Doch offenbar wackelt dieser Termin.

Sommerzeit und Winterzeit

Wann wird die Zeitumstellung abgeschafft?

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Die Zeitumstellung auf Winterzeit ist geschafft, nun ist wieder ein halbes Jahr Ruhe. Doch wann wird die Zeitumstellung endlich komplett abgeschafft?

Frauen leiden mehr unter der Zeitumstellung als Männer. Das legt eine aktuelle Umfrage nahe. Rund zwei Drittel der befragten Frauen können nach der Zeitumstellung entweder abends schlechter einschlafen, nachts schlechter durchschlafen - oder sie haben Probleme beim Aufstehen am Morgen. Bei den Männern ging es 42 Prozent ähnlich.

An diesem Wochenende war es wieder so weit: In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde an der Uhr gedreht und die Zeit von Sommerzeit auf Winterzeit umgestellt. Doch was steckt hinter der regelmäßigen Zeitumstellung? Und was ist eigentlich aus der Abschaffung eben jener geworden? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Zeitumstellung.

Zeitumstellung: Wann wird die Uhr im Oktober 2019 auf Winterzeit umgestellt?

Draußen wird es schon merklich früher dunkel und auch das Wetter spricht dafür, dass der Sommer 2019 Geschichte ist. Die Zeitumstellung naht. 2019 werden die Uhren in der Nacht von Samstag, 26. Oktober 2019, auf Sonntag, 27. Oktober 2019, in Deutschland auf Winterzeit umgestellt. Sie werden von der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) auf die normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ) gestellt.

Wird die Uhr bei der Zeitumstellung im Herbst 2019 vor- oder zurückgestellt?

In der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 2019 werden die Uhren von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Das bedeutet, dass die Nacht eine Stunde länger wird - eine gute Nachricht für Langschläfer oder Partygänger und gleichzeitig eine schlechte Nachricht für alle, die in der Nachtschicht arbeiten und deren Nacht sich durch die Zeitumstellung um eine Stunde verlängert.

Zeitumstellung: Ein Ende ist nicht in Sicht

Das bislang für 2021 geplante Ende der Zeitumstellung in Europa könnte sich weiter verzögern. Viele Staaten befürchteten, dass es zu einer Aufteilung auf unterschiedliche Zeitzonen kommen könnte, sagte eine Sprecherin der finnischen EU-Ratspräsidentschaft den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Der Rat habe noch keine Position, und es sei auch unklar, ob das Thema beim nächsten Treffen der zuständigen EU-Verkehrsminister Anfang Dezember überhaupt auf der Tagesordnung stehen werde.

Was bedeutet die Zeitumstellung im Alltag?

Beim Blick aus dem Fenster merkt man nach der Zeitumstellung, dass es morgens wieder früher hell wird. Gleichzeitig wird es jedoch abends früher dunkel.

Wieder Zeitumstellung: Darum wurde sie noch nicht abgeschafft

Seit wann gibt es in Deutschland Sommerzeit, Winterzeit und die Zeitumstellung?

In Deutschland gab es bereits mehrmals eine Zeitumstellung: Erstmals im deutschen Kaiserreich in den Jahren 1916 bis 1918. Dann wurde die Zeitumstellung wieder abgeschafft, um sie im Kriegsjahr 1940 wieder einzuführen. Von April 1940 bis November 1942 herrschte durchgehend Sommerzeit. Nach dem Kriegsende 1945 wurde die gesetzliche Zeit in Deutschland von den Besatzungsmächten festgelegt. Daraus folgte unter anderem, dass in der sowjetischen Besatzungszone und Berlin die Sommerzeit 1945 zwei Monate länger als im übrigen Deutschland dauerte.

Von 1950 bis 1979 gab es in Deutschland keine Zeitumstellung. Erst 1978 beschloss die Bundesrepublik Deutschland erneut die Einführung der Sommerzeit, in Kraft trat diese Änderung 1980. Seitdem gibt es in Deutschland wieder die halbjährliche Zeitumstellung.

Wann wird die Zeitumstellung abgeschafft? Bisher hieß es, 2021 sei es soweit. Doch offenbar wackelt dieser Termin.

Seit 1996 wird die Zeitumstellung in der EU einheitlich am letzten Sonntag im März und am letzten Sonntag im Oktober vollzogen. Derzeit gibt es in Mitteleuropa eine große Zeitzone, die von Polen im Osten bis Spanien im Westen reicht. Insgesamt 17 Staaten machen mit.

Welche Überlegungen stecken hinter der Zeitumstellung?

Als die Sommerzeit in Deutschland 1980 wieder eingeführt wurde, hatte das mehrere Gründe:

  • Die westlichen Nachbarn Deutschlands hatten bereits 1977 die Sommerzeit eingeführt und Deutschland wollte sich daran anpassen.
  • Man musste sich mit der DDR auf eine gemeinsame Zeit einigen, um Deutschland und vor allem Berlin nicht auch noch zeitlich zu teilen. BRD und DDR führten die Sommerzeit gleichzeitig ein.

Ein Hintergrund, warum in einigen europäischen Ländern bereis 1977 die Zeitumstellung eingeführt wurde, war energiepolitischer Art: Als Nachwirkung der Ölpreiskrise von 1973 hoffte man, durch das bessere Ausnutzen des Tageslichts Energie zu sparen. Allerdings ist der wirtschaftliche Nutzen nur gering - und die Zeitumstellung hat auch negative Aspekte, etwa gesundheitlicher Art.

Faktencheck zur Zeitumstellung

Welche gesundheitlichen Aspekte gibt es bei der Zeitumstellung zu beachten?

Etwa jeder Vierte (26 Prozent) kämpft nach der Zeitumstellung mit gesundheitlichen oder psychischen Problemen, zeigt die Umfrage einer Krankenkasse. Unter anderem stört die Zeitumstellung den Schlafrhythmus vieler Menschen. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) spricht sich aus gesundheitlichen Gründen für die konstante Beibehaltung der Normalzeit (Winterzeit, MEZ) aus (pdf). Der Hintergrund: Das Tageslicht sei der „Hauptzeitgeber“ für die innere Uhr des Menschen und für den Wach-Schlaf-Rhythmus. All das wird nach Ansicht der Experten vor allem in der Winterzeit gewährleistet.

Auch andere Forscher warnen vor der „ewigen Sommerzeit“. Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München warnte bereits vor einem Jahr gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: „Man erhöht die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme – das heißt, wir Europäer werden dicker, dümmer und grantiger.“ Auch Lehrer sind gegen die Sommerzeit.

Wann wird die Zeitumstellung eigentlich endlich abgeschafft?

Alles begann mit einer Online-Abstimmung der EU-Kommission zur Zeitumstellung. 4,6 Millionen Europäer stimmten ab, die meisten davon kamen aus Deutschland. Die große Mehrheit der Befragten sprach sich für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus. Doch die Zeitumstellung gibt es immer noch. Woran hängt es?

Wäre es nach der EU-Kommission gegangen, wäre die Zeitumstellung im Oktober 2019 Geschichte. Doch so einfach ist es offenbar nicht. Die einzelnen EU-Staaten können selbst entscheiden, in welcher Zeitzone - MESZ oder MEZ - sie nach der Abschaffung der Zeitumstellung bleiben wollen. Doch das könnte ein Problem werden, denn stimmen sich die Staaten nicht untereinander ab, könnte aus der großen Zeitzone Mitteleuropas ein Flickenteppich werden. Das wäre unter anderem für den Tourismus und die Wirtschaft ein Problem.

In einem öffentlichen Dokument der rumänischen Ratspräsidentschaft hieß es im Juni deshalb auch: „Ein EU-weit harmonisierter und koordinierter Ansatz ist von entscheidender Bedeutung, um Zeitzonen-Flickenteppiche zu vermeiden und das reibungslose Funktionieren des EU-Binnenmarktes zu gewährleisten.“

Das Europaparlament hat sich bereits dafür ausgesprochen, dass die Zeitumstellung ab 2021 abgeschafft wird. Im März 2021 soll die Uhr demnach zum letzten Mal umgestellt werden. Nun müssen die EU-Staaten zustimmen. Zuständig sind die Verkehrsminister, deren nächste offizielle Gelegenheit, das Thema abzuschließen, das Treffen der Verkehrsminister im Dezember ist - ob das Thema dann überhaupt auf der Tagesordnung steht, ist noch offen.

Insgesamt wird die Abschaffung der Zeitumstellung im Jahr 2021 langsam fraglich: EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) spricht sich dafür aus, die Uhren weiter zwei Mal im Jahr umzustellen. Viele Staaten befürchten nach Angaben der finnischen EU-Ratspräsidentschaft einen Flickenteppich mit unterschiedlichen Zeitzonen. 

Der Europäische Rat habe noch keine Position zu einer Abschaffung der Zeitumstellung gefunden, sagte eine Sprecherin der finnischen EU-Ratspräsidentschaft den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

EU-Parlament will Ende der Zeitumstellung im Jahr 2021

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