Sexueller Übergriff

Soldatin vergewaltigt?

Hauptfeldwebel steht in Gera vor Gericht.

Seit dem gestrigem Donnerstag muss sich in Gera ein Hauptfeldwebel wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe gegenüber zwei Soldatinnen vor Gericht verantworten. Dem 46-Jährigen werden nach Auskunft des Amtsgerichts unter anderem sexuelle Nötigung und Vergewaltigung vorgeworfen. So soll er einer Soldatin mit der Veröffentlichung von Nacktbildern gedroht und sie so zu Sex gezwungen haben. Für den Prozess sind bislang drei weitere Verhandlungstermine bis Mitte September geplant.

Gibt es in der lange Zeit männlich dominierten Bundeswehr Strukturen, die solche Übergriffe begünstigen? Eva Högl, die Wehrbeauftragte des Bundestages, sieht das nicht. „Feststellen kann man lediglich, dass es bei erhöhtem Alkoholkonsum – wie auch im Rest der Gesellschaft – zu vermehrten sexuellen Belästigungen kommt“, erklärte sie auf Anfrage. „Außerdem werden viele Taten in oder nach einer Beziehung verübt.“

Konkrete Studien hierzu gebe es zwar nicht. Sie gehe aber davon aus, dass es bei der Bundeswehr nicht häufiger als im Rest der Gesellschaft zu solchen Übergriffen komme. Allerdings sind in der Bundeswehr in den vergangenen Jahren sehr wohl deutlich mehr Verdachtsfälle auf sexuelle Übergriffe gemeldet worden. Wurden 2014 noch 64 bekannt, waren es im vergangenen Jahr 345, wie Eva Högl auf Anfrage informierte.

In diesem Jahr zeichne sich ein kleiner Rückgang ab – bisher seien es 131. „Dies könnte coronabedingt sein: vermehrtes Homeoffice, keine Feiern mit Alkohol“, so Högl. Ihrer Ansicht nach gebe es in der Bundeswehr inzwischen generell einen sensibleren Umgang mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung. „Heute werden solche Vorkommnisse grundsätzlich gemeldet, auch dürfte die Anzeigenbereitschaft der Betroffenen höher sein“, konstatierte Eva Högl. Die Unterlagen zeigten in der Regel, dass die Bundeswehr in Verdachtsfällen kjonsequent vorgehe.

Der angeklagte Hauptfeldwebel hat sich am Donnerstag am Amtsgericht Gera vorerst nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der 46-Jährige ist eigenen Angaben nach wegen der Vorfälle 2017 vorläufig vom Dienst suspendiert. (dpa)

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