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Rente sichern: Wie teuer wird die Aktienrente wirklich?

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Von: Kim Hornickel

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Eine Seniorin geht über einen roten Pfeil auf einem gepflasterten Platz: Die Aktienrente soll das Rentenniveau in Deutschland stabilisieren-
Das Modell der Aktienrente soll das Rentenniveau in Deutschland stabilisieren – doch Experten zweifeln das an. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte/dpa

Die Bundesregierung investiert 10 Milliarden Euro in eine teilweise Kapitaldeckelung der Rentenversicherung. Ökonomen sehen das Projekt jedoch kritisch.

Frankfurt – Es ist keine Überraschung, die Deutschen werden immer älter und junge Steuerzahler gibt es immer weniger – das wird auch bei der Rente spürbar. Laut Statistischem Bundesamt wird es im Jahr 2060 rund 14 Prozent weniger Erwerbstätige im Alter von 20 bis 64 geben – und das auch nur bei „moderater Zuwanderung“.

Um die Rententöpfe trotzdem zu füllen und die Höhe der Rente beizubehalten, setzt die Bundesregierung, und allen voran die FDP, auf ein neues Konzept. Vorbild für die teilweise Kapitaldeckelung der Rentenversicherung ist ein Modell aus Schweden. In dem skandinavischen Renten-Konzept wird die gesetzliche Rente einerseits per Umlagesystem finanziert und andererseits unterstützt eine kapitalgedeckte Komponente das Rentensystem.

Etwa vier Millionen Menschen zahlen in den schwedischen Aktienfonds ein und bessern damit erfolgreich ihre Rente auf. Seit 2011 hat der Fonds mit nur 0,08 Prozent jährlichen Kosten und einem Plus von 17 Prozent gut abgeschnitten. Die Anleger können dabei jährlich nachvollziehen, wie sich ihre Investitionen entwickeln.

Die Aktienrente kommt: Kollektiv angesparter Kapitalstock soll helfen

In Deutschland ist das schwedische Modell zwar Vorbild, das fertige Konzept soll allerdings etwas anders aussehen. Statt individueller Beiträge will die Bundesregierung einen „kollektiv angesparten Kapitalstock“ umsetzten, erklärt Jochen Pimpertz, Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), gegenüber der Wirtschaftswoche.

Der Ökonom hat das neue Modell untersucht und kommt zu dem Schluss, dass für ein erfolgreiches Projekt 30 bis mehr als 50 Milliarden Euro im Jahr 2040 nötig wären. Und das bei einer Rendite zwischen drei und fünf Prozent. Zehn Jahre später müsste das Fondsvermögen, laut Pimpertz, dann bereits ein Volumen von rund 380 Milliarden Euro umfassen. Nur dann könne der Renten-Beitragssatz bei 22 Prozent stabilisiert werden, so der Ökonom. Von derart hohen Anlagen ist die Bundesregierung bisher allerdings weit entfernt.

10 Milliarden Euro Investition: Aktienrente des Bundes fehlt im Haushaltsentwurf

Bisher haben sich die Koalitionspartner lediglich auf 10 Milliarden Euro Investition zum Anschub der Aktienrente verständigt. Jedes Jahr sollen dann weitere 10 Milliarden Euro folgen. Im Haushaltsentwurf des Bundes fehlt diese Investition allerdings bisher. Um ein starkes Projekt zu entwickeln, müssten Steuern, Kredite und Beiträge dafür sorgen, dass der Kapitalstock wächst, argumentiert Ökonom Pimpertz. Bis dahin fordert er einen ausschließlich durch Arbeitnehmer:innen finanzierten Zusatzbeitrag.

Politisch rücken Zukunftsvisionen wie diese allerdings in weite Ferne. Hatte Grünen-Sprecher Markus Kurth doch erst kürzlich erklärt, „eine Aktienrente in der gesetzlichen Rente sei erst in 70 Jahren bereit, einen tragenden Beitrag zu leisten.“ (kh)

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