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Zumindest bei der Hochzeitszeremonie liegen dem König alle zu Füßen.

König Maha Vajiralongkorn

Skandalnudel mit Krone

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Thailand bekommt einen neuen König: Maha Vajiralongkorn wird am Wochenende den Thron übernehmen. Nach einigen Eskapaden gibt sich der 66-Jährige inzwischen als machtbewusster Monarch.

Bangkoks 13 Brücken erstrahlen in Festbeleuchtung. Die Gouverneure der 76 Provinzen des südostasiatischen Königreichs brachten „heiliges Wasser“ zur Krönung des neuen Königs Rama X. in die Hauptstadt. Ein weißer Elefant als Symbol buddhistischer Stärke wartet bereits in einem Stall. Seit Tagen laufen die Generalproben der Paraden – 40 Straßen im Stadtviertel Dusit sind rund um die Uhr gesperrt.

Und der 66-jährige König Maha Vajiralongkorn bescherte den 67 Millionen Thailändern bereits am Mittwoch eine Überraschung, mit der niemand gerechnet hatte. Er heiratete seine langjährige, in München lebende Lebensgefährtin Suthida Tidja und machte die ehemalige Stewardess der staatlichen Fluglinie Thai Airlines damit zur neuen Königin des Landes.

Rund eineinhalb Jahre nach dem Tod von König Bhumibol, der als Rama IX. länger als 70 Jahre auf Thailands Thron saß, findet ab diesem Samstag die zweitägige Krönung seines Sohnes statt. Kostenpunkt: umgerechnet etwa 31 Millionen Euro. Kaum ein Thailänder kann sich an die letzte Krönung kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern.

Aber diesmal können die Thailänder die feierliche Krönung rund um die Uhr im Fernsehen mitverfolgen. Außerdem erwarten die Behörden 200 000 Menschen zu den Feierlichkeiten in der Hauptstadt. „Es gibt kein andere Monarchie in der Welt mit einem so steifen und komplizierten Zeremoniell wie in Thailand“, sagt ein Diplomat des Sultanats Brunei, dessen Hof ebenfalls in steifen Traditionen lebt.

Als Kronprinz galt König Vajiralongkorn vor dem Tod Bhumibols als ewige Skandalnudel. Der Monarch war vor seiner neuen Ehe bereits drei Mal verheiratet und geschieden. Er hat sieben Kinder. Einmal wurde er abgelichtet, als er am Flughafen München in einem nabelfreien Trägerhemdchen samt imitierten Tätowierungen auftauchte. Zudem zerreißen sich die Hauptstädter die Münder über seine epischen, stundenlangen Verspätungen.

Dass ein royales Großereignis ansteht, dürfte in Bangkok derzeit niemandem entgehen.

Auch seit der Ernennung zum König frönte der Monarch seiner Leidenschaft für extravagante Eskapaden – und scheint die Sucht der Klatschmäuler nach Skandalen manchmal gar bewusst zu bedienen. Tagelang hielt sich das Gerücht, dass Vajiralongkorn spät in der Nacht in Lopburi, wo das Hauptquartier der von ihm geschätzten Spezialeinheiten liegt, in Begleitung von zwei Frauen zu einem nächtlichen Fallschirmabsprung startete. Das Trio, so die Gerüchteküche, sei ohne Kleider vom Himmel zur Erde geschwebt. Tatsächlich waren die drei allerdings bekleidet abgesprungen.

Das Klischee des lebenslustigen Monarchen, der in seinen jungen Jahren durch die harten Mühlen der Militärausbildung in Australien, Großbritannien und den USA ging, wird dem neuen König Thailands längst nicht mehr gerecht. „Er ist ein ungeduldiger Mann“, sagt der 86-jährige Sulak Sivaraksa in Bangkok nach einer Begegnung mit ihm. Der greise Sohn chinesischer Einwanderer geriet während der vergangenen 50 Jahre als buddhistischer Reformator, Intellektueller und Historiker im Laufe der Zeit auf die schwarze Liste der Behörden des Königreichs. Im Jahr 2006 landete er gar unter dem Vorwurf von Lese Majeste, der mit schwersten Strafen belegten Majestätsbeleidigung, zeitweise hinter Gittern. „Als Monarchist glaube ich, dass der Paragraph abgeschafft werden sollte, um die königliche Familie zu stärken“, sagt Sulak. Im vergangenen Jahr fand sich Sulak plötzlich in einer 90-minütigen Audienz mit Thailands neuem König wieder, um einen in manchen Punkten gleichgesinnten Monarchen vorzufinden. „Er sagte Schluss damit“ – gemeint war Lese Majeste –, erzählte Sulak nach der Begegnung. „Ich verdanke ihm meine Freiheit. Seit über einem Jahr hat es auch keine Anklagen mehr wegen Majestätsbeleidigung gegeben.“

Sulak, der sich während der vergangenen 50 Jahre im ewigen Kampf mit Behörden und Militärdiktaturen des Landes seinen Humor bewahrt hat, ist längst nicht der einzige Thailänder, der seine Vorurteile über den begeisterten Hobbypiloten, Radfahrer und Fitnessfanatiker änderte. Rama X. entpuppte sich in den vergangenen eineinhalb Jahren als machtbewusster Monarch, der im Gegensatz zu seinem Vater eine weitaus direktere Rolle im politischen Geschehen angenommen hat.

Er entmachtete die Queens Guard, aus deren Reihen die Putsch-Generäle stammen, die seit dem Jahr 2014 das Land regieren. Er bildete eine eigene, mächtige Kings Guard, die ihm als Machtmonopol in den Streitkräften dient. Crown Properties, ein mehr als 30 Milliarden US-Dollar schweres Unternehmen der Monarchie, wurde in seinen persönlichen Besitz überführt. „Dank dem König herrscht nun auch endlich wieder Ordnung im buddhistischen Klerus“, schwärmt ein Funktionär der Junta in Bangkok. Seit Juli 2018 kann der König nun auch die Mitglieder des Sangha Supreme Council, dem obersten Gremium des Buddhismus, ernennen. Zuvor hatten die Mönche ihre eigenen Funktionäre wählen können.

Manche Beobachter sehen Thailand, das seit 1932 eine konstitutionelle Monarchie ist, unter der Ägide von Vajiralongkorn bereits auf dem Weg zurück zur absoluten Monarchie. Sollte dies zutreffen, würde der König ein Novum schaffen. Denn den größten Teil des Jahres verbringt Thailands König in seiner Villa am Starnberger See, ohne dass die Öffentlichkeit des Königreichs dies erfährt. Selbst die Chefs der drei Waffengattungen von Thailands Streitkräften müssen gelegentlich zum Rapport nach Bayern.

Sicher ist, dass Thailands neuer König nimmt und gibt, wie er es für richtig hält. Als seine Lieblingsschwester Ubolratana Rajakanya vor Thailands Wahlen im März verkündete, sie würde als Spitzenkandidatin für eine dem 2006 gestürzten und in der Elite verhassten Tycoon Thaksin Shinawatra nahestehende Partei antreten, beendete er ihren Ausflug in die Politik mit dem kurzen Kommentar: „Unangebracht.“ Und ganz Thailand ist gespannt, wie der neue König sich nach dem 9. Mai verhält. Dann wollen die Behörden die bereits jetzt umstrittenen Wahlergebnisse bekanntgeben.

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