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Schwerer Unfall mit vier Toten in Berlin.

Nach Unfall in Berlin

Sind SUV zu gefährlich für die Stadt? – Extra-Maut oder „Obergrenze“ gefordert

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  • Christian Burmeister
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Es gibt Diskussionen um SUV nach dem Unfall in Berlin. Unterdessen verdichten sich die Hinweise auf ein medizinisches Problem des 42-jährigen Fahrers als Ursache.

Frankfurt - Eine Extra-Maut, eine „Obergrenze“ oder höhere Parkgebühren – nach dem schweren Unfall in Berlin-Mitte, bei dem der Fahrer eines Porsche-SUV vier Fußgänger tötete, tobt bundesweit eine hitzige Diskussion: Müssen die PS-starken „Sport Utility Vehicles“ aus den Innenstädten verbannt werden? Die Positionen scheinen unversöhnlich.

Der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Oliver Krischer, forderte im „Tagesspiegel“: „Wir brauchen eine Obergrenze für große SUV in den Innenstädten. Am besten wäre eine bundesrechtliche Regelung, die es Kommunen erlaubt, bestimmte Größenbegrenzungen zu erlassen.“ SUV seien eine Gefahr für Fußgänger und Radfahrer. Es brauche dringend eine Debatte, „wie groß die Autos denn noch werden sollen, die in unseren Innenstädten rumfahren“.

Deutsche Städte- und Gemeindebund: Statt Verboten umfassende Verkehrswende mit attraktivem ÖPNV

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch, fordert schnell umsetzbare Maßnahmen gegen die SUV: „Entweder eine City-Maut, die die Einfahrt in Städte für große schwere Wagen sehr teuer macht. Oder ein Parkverbot beziehungsweise deutlich erhöhte SUV-Parkgebühren in Städten.“

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund ärgert sich über die Diskussion: „Ein Verbot in den Städten ist keine zielführende Lösung, ebenso wenig eine flächendeckende Ausweitung von Tempo 30“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg auf Anfrage. „Wir lösen unsere Probleme nicht mit immer neuen Verbotsorgien. Wir brauchen nicht mehr neue Vorschriften, die ohnehin nur schwer zu kontrollieren sind.“

Landsberg forderte stattdessen „eine umfassende Verkehrswende mit attraktivem ÖPNV, einem Ausbau des Radverkehrs und der Umgestaltung der Städte, weg von der autogerechten Stadt hin zu Städten, die den Menschen und alternative Verkehrsformen in den Mittelpunkt stellen“.

FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic schlägt scharfe Töne an

FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic schlug noch schärfere Töne an. Auf Anfrage sagte er: „Die eiskalte Verwendung eines tragischen Unglücks für politische Zwecke ist ein Zeichen für die Radikalität von DUH und Grünen. Es ist geschmacklos und erinnert vom Stil an die AfD.“ Es komme auf den Fahrer an, nicht auf das Auto. „Laut Tests des Europäisches Neuwagen-Bewertungs-Programms NCAP sind SUV zum Teil fußgängerfreundlicher als Wagen der Kompaktklasse. Dazu kommt: Ein Tesla S ist schwerer als ein Porsche Macan und beschleunigt mindestens genauso schnell. Fordern die Grünen jetzt ein Verbot für Kleinwagen und E-Autos?“, fragte er.

Die verkehrspolitische Sprecherin der Unions-Bundestagsfraktion, Daniela Ludwig (CSU) sagte auf Anfrage: „Wir müssen die Verkehrssicherheit in Deutschland weiter erhöhen, daran besteht kein Zweifel. Einzelne Fahrzeugtypen pauschal zu verbieten, trägt diesem Ziel sicher nicht ausreichend Rechnung.“

SPD lehnt Beschränkungen für SUV ab – Medizinisches Problem des 42-jährigen Unfallfahrers von Berlin?

Auch SPD-Vizefraktionschef Sören Bartol lehnt Beschränkungen für SUV ab: „Ich halte ein pauschales Einfahrverbot für SUV in Städten rechtlich und praktisch nicht umsetzbar“, sagte er auf Anfrage. Er forderte stattdessen, SUV mit einem hohen CO2- Ausstoß bei der Kfz-Steuer zukünftig höher zu besteuern. „Das wird bei den Automobilmanagern und bei den Nutzern zu einem Umdenken führen.“

Nach Einschätzung der Polizei und Experten aus der Unfallforschung gibt es keine Hinweise dafür, dass der Unfall mit einer Limousine, einem Mittelklassewagen oder einem Van anders verlaufen wäre. Viele Limousinen sind genauso schwer und schnell wie das Unfallauto. Unterdessen verdichten sich die Hinweise auf ein medizinisches Problem des 42-jährigen Fahrers als Ursache. Das verlautete am Montag aus Ermittlerkreisen. Möglicherweise hat er einen Herzanfall oder einen Krampf erlitten.

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